Datenbank Ostasiatische Sammlung Schloss Aschach

1.) Die Ostasiatische Sammlung im Schloss Aschach

Die Geschichte von Schloss Aschach reicht zurück bis in das 12. Jahrhundert, als die Grafen von Henneberg die mittelalterliche Burg errichten ließen. Die Würzburger Fürstbischöfe bauten die im 16. Jahrhundert mehrfach zerstörte Burg zu einer herrschaftlichen Schlossanlage aus. Aschach wurde Jagdschloss und Verwaltungssitz der Fürstbischöfe.

1873 erwarb der damalige königlich bayerische Regierungspräsident von Unterfranken und Aschaffenburg Dr. Friedrich Graf von Luxburg (1829-1905) das leer stehende Schloss als Wohnsitz für seine Familie. Er stattete es mit wertvollen Kunstwerken und Kunstgewerbe aus, die er als erfahrener Sammler aus dem Handel und auf Versteigerungen erwerben konnte. Dazu gehörte auch chinesisches und japanisches Porzellan. Aus den Beständen seiner Schwester Baronin Caroline von Cetto, geb. Gräfin von Luxburg, kamen weitere chinesische und japanische Porzellane dazu. Dr. Karl Graf von Luxburg (1872-1956) übernahm 1929 das väterliche Schloss und fügte seine in China während seiner diplomatischen Tätigkeit von 1905/06 und 1909-1912 erworbene Sammlung hinzu, die damals zusammen mit den schon vorhandenen Objekten als die größte private ostasiatische Sammlung in Bayern galt. 1955 übergab er das Schloss mit dem gesamten Inventar, einschließlich der Kunstsammlungen, dem Bezirk Unterfranken als Geschenk.

Seit 1957 sind im „Graf-Luxburg-Museum“ im Hauptgebäude der Schlossanlage die Wohnräume mit der nahezu komplett erhaltenen, originalen Ausstattung zu besichtigen. In weiteren Gebäuden befinden sich heute ein Schul- und Volkskundemuseum.


2.) Forschungsergebnisse von Dr. Cornelia Morper

3.) Zum Umfang der Sammlung

Die Ostasiensammlung des Graf-Luxburg-Museums umfasst ca. 350 chinesische Exponate und ca. 50 japanische Porzellane.

Die frühen chinesischen Dynastien Han, Sui und Tang sind mit wenigen charakteristischen Beispielen vertreten. Auch aus der Song- und Yuan-Zeit gibt es in der Luxburg-Sammlung bemerkenswerte Belegstücke. Aus der Ming-Zeit gibt es 11 Seladone und einige Keramikfiguren in Drei-Farben-Glasur. Sehr gut vertreten ist die sog. Übergangszeit (1620-1683) mit hervorragenden 19 Porzellanvasen in Fünf-Farben-Dekor und 13 Porzellanen mit Unterglasur-Blau-Dekor.

Der überwiegende Teil der Aschacher Porzellane entstand in der Kangxi-Ära (1662-1722), die in technischer und künstlerischer Hinsicht als die fruchtbarste Zeit der Porzellanherstellung in China gilt.

Auch beim Erwerb von Bronzen scheint Luxburg eine glückliche Hand gehabt zu haben. Unter den 50 Bronze-Exponaten sind ein Speiseopfergefäß und fünf Bronzespiegel der frühen Zeit zuzurechnen. Seine besondere Liebe galt den sog. „Späten Bronzen“, ein Sammelgebiet, das erst in den letzten Jahren größeres Interesse gefunden hat. Hier sind vor allem die Weihrauchbrenner der Ming- und Qing-Zeit hervorzuheben, dazu ein Altaraufsatz mit einem Weihrauchbrenner und zwei Leuchter in Kranichgestalt. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang auch zwei hervorragende Cloisonné-Weihrauchbrenner aus der Ming-Zeit.

Im Graf-Luxburg-Museum befinden sich mehrere buddhistische Kultfiguren, darunter acht Bronzestatuen aus der Ming-Zeit, eine frühe kleine Guanyin-Figur aus Stein und ein Marmor-Buddhakopf aus der Tang-Zeit.

Unter den wenigen Lackgegenständen sind drei hervorragende Rotschnitzlack-Dosen aus dem 15. und 16. Jahrhundert zu erwähnen.

Das älteste Stück in Aschach dürfte ein Erdsymbol aus dunkler Jade aus dem 9. Jahrhundert v. Chr. sein. Daneben gibt es noch sechs weitere Jadearbeiten in Form von Anhängern, Schmuckstücken und Briefbeschwerern. Elfenbein ist mit sieben Beispielen vertreten.

Schließlich gehört zur China-Sammlung auch die Ausstattung eines Zimmers mit chinesischen Möbeln und bestickten Seidenbehängen und -kissen.

Eine Auswahl von 34 Objekten vermachte Graf Karl von Luxburg testamentarisch dem Rietberg-Museum Zürich, die 1968 aus Aschach abgeholt wurden.


4.) Sammlungsgeschichte

Die Ostasien-Sammlung im Museum Schloss Aschach verdankt ihre Entstehung der Familie Luxburg in zwei Generationen.

Graf Friedrich von Luxburg (1829-1905) legte den Grundstock der Ostasien-Sammlung. Zur Neuausstattung des Schlosses Aschach sollten auch chinesisches und japanisches Porzellan gehören. Schon zwei Jahre nach dem Kauf des Schlosses begann er ab 1875 auf dem heimischen Kunstmarkt in Bad Kissingen, Würzburg nach chinesischem und japanischem Porzellan zu suchen. In München besorgte sein älterer Bruder Max Graf von Luxburg (1823-1881) den Ankauf von Kunstwerken und Antiquitäten. Einen wesentlichen Teil trug auch seine Schwester Caroline Baronin von Cetto, geb. Gräfin von Luxburg (1820-1881) bei. Sie war Hofdame der Königin Marie von Bayern und hatte eine Vorliebe für japanisches Imari-Porzellan und chinesisches Porzellan der „famille-rose“. 1875 schenkte sie aus ihrem Besitz nachweislich zwei chinesische Porzellanteller der „famille-rose“ und vererbte 13 weitere chinesische und japanische Teller und Vasen nach ihrem Tod 1881. Den Eingang der ostasiatischen Porzellane und gegebenenfalls auch den Ankaufspreis erfahren wir aus dem Inventarverzeichnis des Hauses. Die drei „schwarzen Vasen“ z.B. (Kat.Nr. 111), die als Blickfang im heutigen Festsaal stehen, hatte der Vater 1875 bei Frau Antiquar Scharold in Würzburg für 684 Mark gekauft. Sie erregten mit Recht das Interesse des Kronprinzen Friedrich Wilhelm, des späteren Kaisers Friedrich III., als er 1882 zu einem Besuch in Aschach weilte.

Den größeren Teil der Ostasiensammlung brachte Graf Karl von Luxburg (1872- 1956) ins väterliche Schloss, den er während seines mehrjährigen Aufenthalts in China erworben hatte. Seit 1901 war er im auswärtigen Dienst tätig mit Aufenthalten in USA, England und Ägypten. In Kairo erstand er 1903 auf dem Basar die ersten chinesischen Porzellane, drei große Powderblue-Vasen (Kat. Nr. 168, 172). Im April 1905 meldete er sich nach Beijing an die Deutsche Gesandtschaft, wo er bis Ende 1906 die Stellung des Zweiten Gesandten bekleidete. Die Faszination des Fernen Ostens war wohl der Beweggrund dafür. Er schildert 1953 in seinen Memoiren „Nachdenkliche Erinnerung“: „In Peking ist in mir von den ersten Tagen des Aufenthalts an eine ungeheure Liebe für die Erzeugnisse des alten Kunstgewerbes erwacht, insbesondere die Porzellane, Bronzen, Emaux (émail), Lack, Seidengewebe oder Stickereien. Es ist auch überwältigend, welcher Reichtum von Formen, Farben, Sinngebung dem chinesischen National-Genius entsprungen ist.“ Der Gesandte Karl von Luxburg galt bei den chinesischen Händlern als ein sehr erfahrener Kenner und Sammler. „Nun konnte ich wieder, wie nach Vaters Art früher in Deutschland, bei den Antiquaren im Hattamen und Soochou Wutung suchen zu finden und dem unerhörten künstlerischen Geist des alten China mich hingeben.“ (S. 46). „Wenn sich die Händler mittags vor den Veranden des ersten und zweiten Sekretärs versammelten, ihre blauen Pakete von der Schulter nahmen, und den Inhalt lobend ausstellten: Schau, zweiter Gesandter, diese Vase ist iting kangchi (=ganz bestimmt Kangxi), ió sjau mauping (=ein bisschen beschädigt), aber maskee, das macht nichts, sie ist billig. Dann wurde parliert, das Objekt meist for look-see (wie es im pidgeon-englisch heißt) einige Tage da gelassen.“ (S. 29). Er besuchte so oft wie möglich die Antiquitätenhändler im Hatamen, damals die große Geschäftsstraße zum gleichnamigen Tor, und in den engen Gassen der Suzhou-Straße. „Die größeren Händler in der Stadt, bei denen man auch aufpassen mußte, besuchte ich nachmittags meist zu Pferd und kam oft auf meinem ungebärdigen ‚jellow peril‘ mit einer Vase oder Ähnlichem im Arm nicht ohne Not zurück“ (S. 29). Auf der Unterseite einiger Schalen und Vasen haben sich Aufkleber mit der Bezeichnung der Ware und dem Preis erhalten. In einer Vase fand sich eine Liste von sieben Porzellanen, die Luxburg bei einem seiner Besuche im Hatamen gekauft hatte.

In einer Vase fand sich diese Rechnung:

1. Langyao-Schale 50 Yuan
2. Yuan Porzellan Waschgefäß ? Yuan
3. kleiner Keramik-Topf 20 Yuan
4. 8 Waschgefäße zusammen 20 Yuan
5. kleiner roter Keramik-Topf 15 Yuan
6. Guangyao, einfach 6 Yuan
7. Longquan, kleine Schale 10 Yuan

Zweimal war er mit dem diplomatischen Korps in der Verbotenen Stadt zu Hofempfängen eingeladen. Die mächtige Kaiserinwitwe Cixi (1835-1908) saß in Manchutracht mit großem Kopfputz auf einem prächtigen Thron, neben ihr der junge Kaiser Zaitian (1871-1908), bekannt unter dem Namen seiner Regierungsdevise „Guangxu (1875-1908)“, bekleidet mit einem langen blaugemusterten Seidengewand, mit Winterhut und langer Bernsteinkette um den Hals, saß schweigend auf einem einfachen geschnitzten Zitan-Sessel. „Plötzlich erhob die kleine blasse, stark gemalte Kaiserin die Stimme um etwas zu fragen, mit einem schrillen, durchdringenden Ton. Dann war die Audienz beendet, das Korps retirierte mit Verbeugungen. In einer Nebenhalle war ein echt chinesisches Büfett, Kuchen, Obst, Süßigkeiten, flankiert von zwei Pyramiden Orangen, aufgebaut.“ (S. 26)
Sein Dienst in der Gesandtschaft erlaubte ihm eine ausgedehnte Reise in den Norden Chinas. Zu Pferd, begleitet von zwei Dolmetschern, einem Koch und einem Diener, besuchte Luxburg die Große Mauer und die weiten Gebiete bis hin zur Wüste Gobi. Der Rückweg führte über Jehol, die kaiserliche Sommerresidenz Chengde. Auf zwei Dienstreisen, die mit dem Ausbau des Eisenbahnnetzes zu tun hatten, kam er nach Hankou am Yangzi und nach Jinan am Huanghe. Im Frühwinter 1905 wurde die mit belgisch-französischem Kapital erbaute Beijing-Hankou-Bahn eingeweiht. Graf Luxburg nahm als Vertreter der Deutschen Gesandtschaft an der Jungfernfahrt teil. Danach besuchte er auch die Baustelle der großen Eisenbahnbrücke über den Huanghe bei Jinan. „Die Überschreitung des Huangho mit seinen wilden Fluten, wechselndem Flußlauf, wobei hunderte von Dörfern verschwanden, kostete einen mehrjährigen Brückenbau, den deutsche Ingenieure glänzend lösten. Es mußten riesige Caissons an die 20 Meter unter dem beweglichen Flugsand des Flußbettes versenkt werden, um die Pfeiler zu gründen“ (S. 27). Die Tianjin-Pukou-Bahn zwischen Tianjin und Nanjing wurde 1911 fertig gestellt.
Als Graf Karl von Luxburg erfuhr, dass der Vater Ende November 1906 in Würzburg gestorben war, beantragte er Heimaturlaub. Er setzte zunächst nach Japan über, um auch dieses Land kennen zu lernen. Kobe, Kyoto und Tokyo waren Stationen seiner kurzen Japanreise. Hier erwarb er wohl einige japanische Gegenstände, wie das kleine schwarze Lack-Reisweinkännchen (Kat. Nr. 291), oder die Lack-Weihrauchdose in Takamakie-Technik (Kat.Nr. 290), den Bronze-Weihrauchbrenner mit Einlegearbeiten (Kat.Nr. 252), eventuell auch die schwarze Guro-Weinflasche aus Seto-Keramik (Kat.Nr. 218). Im September 1909 wurde er auf seinen Wunsch wieder nach Beijing entsandt, zunächst als Erster Sekretär, dann ab 1911 als Zweiter Gesandter. Er blieb dort bis Ende Februar 1912. Während dieser Zeit konnte er mit zwei Begleitern, seinem Boy und seinem Koch, eine längere Erkundungsreise ins Innere des Landes machen und kam bis in die Nähe der tibetischen Grenze. Den Marmor-Buddhakopf (Kat.Nr. 276) und zwei kleinere Steinfiguren (Kat.Nr. 273, 275) brachte er auf einem Karren von dieser Reise mit.
Als Luxburg seine Abreise vorbereitete, „fegten schon Stürme von Unruhen und Aufstände durch das Land“. Das chinesische Kaiserreich war zusammengebrochen und die Republik ausgerufen. Am 12. Februar wurde das offizielle Edikt mit der Abdankung des fünfjährigen Kaisers erlassen. „Gerade in diesem Moment allgemeiner Erregung und natürlich auch Besorgnis kamen wieder schöne alte Kunstwerke auf den Markt. Mehrere gute Porzellane, das Paar großer roter Kanghi-Lackvasen und diverses anderes konnte ich damals erwerben“. Viele sorgsam gepackte Kisten umfasste seine Sammlung. „Das Packen meiner zu einem mäßig großen Komplex gewachsenen Sammlung, alles erst sorgfältig in kleine Kisten, diese dann mit Stroh ausgelegt in große, dauerte in Peking mehrere Wochen. Auch darin sind die Chinesen Meister. Runge, der für J.P. Morgan kaufte, hat alle meine Sachen durchgesehen, nur zwei disqualifiziert, die dann verkauft wurden.“ (S. 60). Luxburg hatte kaum Beijing verlassen, als auch hier das Chaos ausbrach. Über die Ereignisse berichtet Georg Baur, Direktor der Firma Krupp, in seinen China-Tagebüchern, Bd. 1911-12/13. Er muss Luxburg gekannt haben, denn er berichtet, dass er am 15. Dezember bei Graf Luxburg zum Mittagessen eingeladen war (S. 654). „Am 1. März hörte man Kanonenschüsse in der Weststadt. Die Adelsschule, wo die Delegierten aus dem Süden wohnten, wurde überfallen und ausgeraubt, sie selbst entkamen durch das Fenster. Selbst die Polizeitruppen beteiligten sich an den Plünderungen. Alles mögliche Gesindel strömte in die Stadt, um auch seinen Teil am Raub zu haben. Die großen Kurioläden im Hatamen wurden vollständig verwüstet und ausgeraubt.“ (S. 611 ff.). Am 10. März, nachdem ausländische Truppen eingegriffen hatten, schaute sich Prof. Ernst Grosse im Hatamen um. Er war vom 30. 10. 1908 bis 30. 9. 1912 als wissenschaftlicher Sachverständiger für die Kulturgüter Chinas, Japans und Koreas bei der Deutschen Gesandtschaft in Beijing tätig und kaufte für die Berliner Sammlungen ein. „Prof. Grosse erzählte mir, dass er jetzt – nach den Plünderungen – alle Kurioläden besucht habe. Mit Ausnahme eines einzigen seien alle total ausgeplündert. Weggetragen sei offenbar nur weniges, nur kleinere Sachen, das übrige sei alles kurz und klein geschlagen worden. Das Bild der Zerstörung so vielen kostbaren Materials sei schauderhaft.“ (S. 623). Prof. Grosse sah jetzt keine Einkaufsmöglichkeiten mehr. Am 19. März schreibt Baur: „An der Bahn, um mich von Prof. Grosse zu verabschieden. Er geht nach Japan, da er hier absolut keine Einkäufe für die Museen mehr machen kann. Er hat im Ganzen nur für ca. 20 000 Mark gekauft, während er Kredit für 400 000 Mark hatte.“ (S. 630).
In der Luxburg-Sammlung befinden sich zwei Yuan-Teeschalen mit lavendelblauer Glasur und lilafarbenen Transmutationsflecken (Kat. Nr. 10, 11). Eine ähnliche Schale hat auch Georg Baur in seinem Tagebucheintrag im Mai 1913 beschrieben: „Vor einigen Tagen sah ich eine kleine Fayence-Schale, für die 7300 Dollar = 15000 Mark bezahlt wurden, blau mit rötlichen Flecken, etwa wohl Song-Zeit, d.h. vor 1150, ohne Fehler, ferner eine Reihe kleiner Porzellane, auch zu horrenden Preisen aus der Yuan-Zeit, nach 1270. Diese Sachen haben Geschichte – die Kuriohändler fahnden schon lange nach ihnen. Sie stammen aus den Kaiserpalästen in Jehol. Von dort aus sollten sie vor einigen Jahren nach Peking transportiert werden, im ganzen 140 000 Stück Kurios. Die Hälfte ging aber unterwegs ‚durch Bruch kaputt‘. – Die Stehler und Hehler verbargen sie in ihren Häusern, und jetzt kommen sie allmählich heraus. Carlowitz schickte zwei Herren nach Jehol, um dort Kurios zu kaufen. Zu ihrer Enttäuschung war aber ganz wenig da, hochgeschätzt für 100 000 Dollar – wofür die Chinesen eine Million Dollar haben wollten. Nach und nach kam man erst dahinter, auf welche Weise die berühmten alten Stücke der Jehol-Sammlung verschwunden sind.“ (S. 664). Die chinesische Regierung war schon seit den beiden Opiumkriegen 1839 bis 1842 und 1858 bis 1860 geschwächt. Der Alte Sommerpalast Yuanmingyuan vor den Toren Beijings war 1860 von den Alliierten Truppen der Briten und Franzosen geplündert und in Brand gesetzt worden. China wurde gezwungen, sich den europäischen Mächten zu öffnen. Viele wertvolle Kunstgegenstände gelangten auf den Markt oder wurden gleich als Beute mitgenommen. Die Ausländer, die damals in China lebten, erkannten ihre Chancen, möglichst viele und gute Antiquitäten zu erwerben. Einer von ihnen war der Deutsche Max von Brandt, von 1875 bis 1893 kaiserlicher Gesandter in Beijing. Er genoss wegen seiner Integrität und seiner Sachkenntnisse hohes Ansehen. Ein lebendiges Bild vom Sammeleifer und Geschmack Max von Brandts berichtet der Reiseschriftsteller Otto E. Ehlers (1855-1895), als er die deutsche Gesandtschaft in Beijing besuchte: „Hier fanden sich neben farbenprächtigen Geweben, Stickereien und Teppichen die herrlichsten Bronzen, alte und moderne Cloisonnées, Porzellane aus allen Jahrhunderten, Emaillearbeiten, Elfenbeinschnitzereien und tausenderlei interessanten Kuriositäten.“ Max von Brandt sammelte für das Kunstgewerbemuseum und Völkerkundemuseum in Berlin. „1879 übergab er eine Sammlung älterer chinesischer und japanischer Arbeiten, insgesamt 1136 Stück. Schon vorher sind zu verschiedenen Zeiten erhebliche Gruppen verwandter Arbeiten durch Kauf und Geschenk von Herrn von Brandt dem Museum zugegangen,“ wie im Jahrbuch der Königlich Preußischen Kunstsammlungen vermerkt ist. Heute allerdings gelten sie als verloren. Erhalten blieb seine Blauweiß-Sammlung, die an Ernst Ohlmer übergegangen war und zusammen mit der Ohlmer’schen Sammlung den Grundstock des Roemer-Museum Hildesheim bildet. Ernst Ohlmer war selbst ein großer umsichtiger Sammler, der 46 Jahre in der Seezollverwaltung in China tätig war, als er 1914 als Zoll-Direktor aus dem Dienst schied (Wiesner, U., S. 30).
Wir erfahren in den Tagebüchern von Georg Baur auch etwas über den Händler Runge, der Luxburgs Sachen durchgesehen hatte. Am 25. Dezember 1911 schreibt Baur: „Gestern kam der große Kuriohändler Runge aus New York an. Dieser kauft ja nur wenige große Stücke, die er dann an die Milliardäre in New York zu hohen Preisen losschlägt“ (S. 560). Wie wir aus Luxburgs Memoiren „Nachdenkliche Erinnerung“ entnehmen (s.o.), kaufte Runge für den amerikanischen Unternehmer J.P. Morgan (1837-1913) ein, dessen Sammlungen man heute im Metropolitan Museum of Art, New York, bewundern kann. Nach seinem Tod hat seine Witwe seine private Sammlung dem British Museum, London, vermacht. Stephen Wootton Bushell (1844-1908) verfasste 1907 den Katalog für die Morgan-Ausstellung im Metropolitan Museum. Bushell selbst war von 1868 bis 1900 Arzt an der Britischen Gesandtschaft in Beijing und wohl der beste Kenner der chinesischen Porzellane des 19. Jahrhunderts. Er sammelte 1883 im Auftrag des Victoria and Albert Museum‘s, London, 233 Stücke. Später kaufte er für das British Museum London ein, darunter u.a. 1887 eine tibetische Schädelschale und 1898 eine Sammlung Bronzen.
Daraus mag man ersehen, dass Graf Luxburg wohl eher zu den kleinen Sammlern zu zählen ist. Er hat nie in fremdem Auftrag gekauft, sondern, soweit sein Geld reichte, in Gedanken an das Vorbild seines Vaters für die Ausgestaltung des Familiensitzes Schloss Aschach.

In den Wirren des Ersten Weltkrieges wurden die Kisten in Simla und Kalkutta von den Engländern beschlagnahmt und kamen erst zu Beginn der zwanziger Jahre in Aschach an. Großen Schaden hatten die Textilien genommen, die von Meerwasser durchnässt und verdorben waren. Die sorgfältig verpackten Porzellane kamen nicht alle wohlbehalten an. Vermutlich hatten viele schon beim Kauf in China kleinere Beschädigungen. In München ließ Luxburg einige beschädigte Porzellanvasen und -platten reparieren. „Welche Freude hatte ich nun an den einzelnen Stücken, Ton, Porzellan, Bronze, Lack, mit der genialen chinesischen Komposition, Form und Farbgebung. Vieles blau-weiß (ching-hua), fünffarbig (wu-tsai) oder monochrom (guan-iao) etc.“ (S. 127).
Graf Karl von Luxburg und seine Gattin Carola integrierten die wertvollen chinesischen Objekte in den Räumen ihres Schlosses. Die Gräfin liebte es, große Vasen und Schüsseln in der Diele mit üppigen Blumensträußen zu füllen. Viele Gegenstände stehen noch heute an dem von ihr erwählten Platz. Man findet chinesische und japanische Teller und Vasen auf den Konsolen der Wandvertäfelung, auf Türrahmen, Schränken und Kommoden. Neben Porzellanen findet man Buddhas und Weihrauchbrenner aus Bronze auf Kommoden und Kaminen. Das Schlafzimmer des Grafen ist bis heute mit chinesischen Möbeln ausgestattet. Viele kleinere Raritäten aus Elfenbein, Lack und Jade entdeckt man auf den verschiedenen Schreibtischen im ganzen Schloss. Wie Handbücher und Kataloge in seinen Bücherschränken erkennen lassen, beschäftigte sich der Hausherr intensiv mit der alten chinesischen Kultur. Einige leider allzu sparsame handschriftliche Aufzeichnungen, die er im August 1949 in ein Schulheft geschrieben hat, lassen auf ein sicheres Urteil schließen.

In seinem Testament von 1955 vermachte Graf Karl von Luxburg einen Teil der China-Sammlung dem Rietberg-Museum in Zürich in Erinnerung daran, dass seine Vorfahren bis Mitte des 18. Jahrhunderts in St. Gallen in der Schweiz ansässig waren. 34 Gegenstände wurden nach dem Tod der Gräfin Carola 1968 in einem mit Stroh ausgepolsterten Wagen abgeholt. Das ganze Schloss mit dem übrigen gesamten Inventar und Liegenschaften vermachte er dem Bezirk Unterfranken. Seit 1957 ist das Schloss nach einer behutsamen Umgestaltung durch den damaligen Direktor des Mainfränkischen Museums Prof. Max H. von Freeden als Graf-Luxburg-Museum für die Öffentlichkeit zugänglich.


5.) Bedeutung der ostasiatischen Sammlung

Die Ostasiensammlung im Schloss Aschach ist bisher kaum bekannt, sie kann sich jedoch durchaus mit anderen renommierten Sammlungen messen lassen. Mary Tregear vom Ashmolean Museum Oxford, ehemalige Präsidentin der Oriental Ceramic Society London, beurteilte die Sammlung u. a. so: „Ich war vom Umfang und dem Reichtum der Sammlung außerordentlich beeindruckt und überrascht. Es handelt sich hier tatsächlich um einen verborgenen Schatz, der all jene überraschen wird, die an ostasiatischer Kunst interessiert sind, denn die Sammlung ist ungemein attraktiv und enthält herausragende Stücke...“

Zu diesen seltenen Stücken gehört u. a. die Buddhafigur „Der lachende Buddha“ aus dem Jahr 1585 (Ming-Dynastie), ein vergleichbares Stück des Künstlers Chen Wencheng ist im British Museum in London bekannt. Viele Stücke aus der Aschacher Ostasiensammlung haben ihre Entsprechungen in großen Museen und Sammlungen, wie etwa im Museum für Kunsthandwerk Frankfurt, im Roemer-und Pelizaeus-Museum Hildesheim, im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, im Ashmolean Museum Oxford oder auch im Palastmuseum Beijing.

Die Datenbank soll dazu beitragen, die ostasiatische Sammlung des Graf-Luxburg-Museums in der Öffentlichkeit und in der Fachwelt bekannt zu machen.

Die Publikation eines Bestandskatalogs mit den Forschungsergebnissen von Dr. Cornelia Morper ist für das Jahr 2012 geplant.


Wie kann ich suchen?

Alle Objekte sind katalogisiert nach Objektbezeichnung, Ort, Datierung, Material, Maßen, Beschreibung und Inventarnummer.

Jedes Objekt kann als Fotografie betrachtet werden. Neben einer Gesamtübersicht aller Objekte gibt es die Möglichkeit gezielt nach Materialgruppen oder dem Herkunftsland China, Japan oder Tibet zu suchen. Mittels eines Mausklicks kann jedes Foto zur genaueren Betrachtung vergrößert werden.


Wann kann ich die Sammlung besichtigen?

Die ostasiatische Sammlung kann während der Öffnungszeiten des Graf-Luxburg-Museums besichtigt werden.



Kontakt

Museen Schloss Aschach
Schlossstraße 24, 97708 Bad Bocklet – Aschach
Telefon: 09708 6142 oder 358 (Kasse) Fax: 09708 6104
E-Mail: schloss.aschach@bezirk-unterfranken.de
Internet: www.museen-schloss-aschach.de


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