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S. 1 (23) Landgericht Aschaffenburg

Der Landgerichtsbezirk Aschaffenburg um 1860

Bearbeitung: Julia Hecht

Der Autor: Dr. Philipp Hindernacht

Der Autor des Aschaffenburger Physikatsberichts, Dr. PHILIPP HINDERNACHT, wurde am 4. Juni 1802 in Würzburg in der katholischen Pfarrei St. Gertraud in der Pleich als Sohn des Mehlhändlers ("negotiator farinarius"1) IGNATIUS HINDERNACHT und seiner Frau ELISABETH, geb. GÖBEL, geboren. Sein Taufpate war ein Verwandter der Mutter, der Bäcker ("pistor") PHILIPP GÖBEL, dessen Vornamen er trug.

Über den beruflichen Werdegang HINDERNACHTS ist nicht all zu viel bekannt. In den Matrikeln der Universität Würzburg ist er für das Jahr 1817 als "cand. phil."2, und nicht als Student der Medizin, verzeichnet. Das Studium der Medizin hat er jedoch im Jahr 1825 mit einer Promotion abgeschlossen. Seine Dissertation "Über die Erkenntnis und Behandlung des Knochenbrandes" erschien 1827 in Würzburg. Im selben Jahr erfolgte auch die Proberelation, ein Probevortrag. Ein Jahr später erhielt er die Praxisbewilligung und schließlich nahm er 1830 am Staatsconcours, dem heutigen Staatsexamen, teil, bei dem er unter 35 Konkurrenten den 15. Platz belegte. Gleich nach der Praxisbewilligung 1828 arbeitete er bis November 1831 als Unterarzt im Militärdienst beim 2. Jäger-Batallion "zur allerhöchsten Zufriedenheit" seiner Vorgesetzten. Noch in diesem Jahr ging er als praktischer Arzt nach Sulzheim. Ende November erhielt er auch die Erlaubnis zur Heirat mit THERESIA SCHNEIDER aus Würzburg.

Aus dieser Ehe gingen keine Kinder hervor. 1836 verlegte Hindernacht seine Praxis nach Wiesentheid und begann, sich um LandgerichtsarztsteIlen zu bewerben: 1837 um Marktsteft, 1839 um Euerdorf. Um 1840 bewarb er sich um das Physi-



1

Bis ins 20. Jahrhundert war es vielerorts üblich, die Kirchenbücher in lateinischer Sprache zu führen. - SLEUMER, ALBERT: Deutsch-kirchenlateinisches Wörterbuch. Dritte, vermehrte Auflage Bonn 1962, S. 8.

2

Abkürzung für "Candidatus philosophiae". Student (eigentlich der Philosophie), der die unteren Semester bereits absolviert hat und sich auf die Abschlußprüfung vorbereitet. Die heutige Fakultäteneinteilung war jedoch im 19. Jahrhundert noch nicht üblich, so daß an vielen Universitäten die Naturwissenschaften (nicht jedoch die Medizin) zur Philosophischen Fakultät gehörten. "Phil." ist hier also nicht unbedingt ein Hinweis auf ein geisteswissenschaftliches Studium Hindernachts.