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S. 1 (39) Landgericht Gemünden

Landgerichtsbezirk Gemünden

Bearbeitung: Julia Hecht

Der Autor: Landgerichtsarzt Dr. Otto Schröder

Der Gemündener Landgerichtsarzt Dr. Otto Schröder wurde am 24. Januar 1816 in Neumarkt in der Oberpfalz geboren. Über seinen beruflichen Werdegang ist nur wenig bekannt. Promoviert wurde er im Jahr 1838, Proberelation und Staatsconcours geschahen 1840. Ein Jahr später erhielt er die Praxisbewilligung.

Schröder arbeitete vor seiner Anstellung als Landgerichtsarzt in Gemünden als Gerichts- und Brunnenarzt im Badeort Brückenau. Dort waren Patienten und Obrigkeit mit seiner wissenschaftlichen Eignung durchaus zufrieden, denn er hatte genügend Erfahrungen gesammelt und sich immer wieder fortgebildet. Trotz dieser Vorzüge blieb er aber hinter den hohen, wohl auch gesellschaftlichen Erwartungen zurück, die man in einem Badeort an einen Brunnenarzt zu stellen pflegte. Er stand in dem Ruf, etwas zerstreut und unaufmerksam zu sein, was aber in seiner Schwerhörigkeit begründet lag, die er zu überspielen bestrebt war. Außerdem befürchtete man, dem Ansehen von Brückenau zu schaden, weil Schröder im "Umgang mit dem weiblichen Geschlechte, das vorzugsweise in Brückenau Hilfe sucht, den gehörigen Takt und die nötige Diskretion" vermissen lasse.

Als daher 1856 die Stelle des Landgerichtsarztes für Gemünden, das als "besseres" Physikat bezeichnet wurde, ausgeschrieben war, wurde Schröder, der seit 1854 bereits im Staatsdienst stand, unter 22 Bewerbern für die Stelle ausgewählt. Am 14. Mai 1856 wurde er unter Beibehaltung seiner offenbar höheren, bisherigen Gehaltsbezüge zum Landgerichtsarzt von Gemünden ernannt. Sechs Jahre später, 1862, als in Bayern im Zuge einer Verwaltungsreform die beiden Landgerichte Gemünden und Orb zu einem Bezirksamt zusammengefaßt wurden, beförderte man ihn zum Bezirksarzt I. Klasse.

Drei Jahre später zog es Schröder nach Oberbayern. Am 13. Dezember 1865 trat er als Bezirksarzt I. Klasse mit 1000 Gulden Gehalt in Traunstein seinen Dienst an.