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S. 1 (95) Landgericht Haßfurt

Landgerichtsbezirk Haßfurt

bearbeitet von Stephan Diller

Vorbemerkung zum Bericht Haßfurt

Der Physikatsbericht des Landgerichts Haßfurt umfasst lediglich 20 Seiten, von denen acht Seiten, also fast die Hälfte des gesamten Berichtes, den meteorologischen Beobachtungen der Jahre 1858 bis 1861 gewidmet sind. Diese meteorologischen Daten werden in etwas umständlicher Weise Monat für Monat in Textform anstelle einer übersichtlichen tabellarischen Darstellung aufgeführt. Wichtige Fragen bzw. Themen, wie die körperliche und geistige Konstitution der Menschen, deren Unterkünfte, Nahrungsweise, Arbeitsmöglichkeiten, Vergnügungen, sittliches Leben, Religion und Krankheiten werden mit wenigen Worten abgehandelt. Auffällig ist, dass Dr. Baur - ebenso wie sein Kollege Dr. Schneider in Eltmann - in seinem Bericht nicht auf das Judentum und die jüdischen Einwohner im Landgerichtsbezirk Haßfurt eingegangen ist. Statistische Daten - wie in zahlreichen anderen Physikatsberichten aufgeführt - finden sich im Physikatsbericht Haßfurt ebenfalls keine.1

Auch auf besondere historische, kulturelle oder geographische Eigenschaften des Landgerichtsbezirkes wird nicht eingegangen; ebenso finden die zum Landgerichtsbezirk gehörenden Ortschaften und deren Bewohner sowie ihre Lebensverhältnisse keine Erwähnung.

Insgesamt gesehen orientiert sich der Text des Physikatsberichtes Haßfurt sehr eng an dem Frageplan des bayerischen Staatsministeriums des Innern, wobei alle dort aufgeführten Fragen und Begriffe zwar erwähnt, aber häufig lediglich mit Platitüden, wie: »Die Verteilung der Bevölkerung im Bezirke ist der örtlichen Lage entsprechend; die Fruchtbarkeit des Bodens ist je nach den einzelnen Richtungen mehr oder minder vortrefflich« oder »die Wohnungen der Bezirkseinwohner sind je nach den finanziellen Verhältnissen sehr verschieden« beantwortet werden. Aus diesen Beispielen wird ersichtlich, dass der Informationsgehalt des Physikatsberichts Haßfurt wohl als eher gering einzuschätzen ist.



1

Es war den Ärzten selbst überlassen, ob sie ihrem Bericht Tabellen hinzufügten oder nicht. Bildung und Neigung des Arztes waren ausschlaggebend, wie der Arzt seinen Bericht gestaltete und die Fragen beantwortete.