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S. 1 (167) Landgericht Lohr

Landgerichtsbezirk Lohr

Bearbeitung: Julia Hecht

Der Autor: Dr. Joseph J. Goy

Dr. Joseph J.1 Goy wurde am 11. April 1804 in Lohr geboren und entstammte

einer Medizinerfamilie. Sein Vater, Jakob Peter Goy, war Landgerichtsarzt in Lohr, sein Bruder Michael Eugen (geb. 1802) wurde ebenfalls Landgerichtsarzt und verfaßte später den Physikatsbericht für Hofheim.

Joseph J. Goy studierte Medizin in Würzburg und wurde 1825 mit einer Dissertation "Über die Wirkungsart und Anwendung der Geburtszange" promoviert, die im Jahr 1826 publiziert vorlag. Proberelation und Staatsconcours absolvierte er im Jahr 1827.

Ein Jahr später erhielt Joseph J. Goy die Praxisbewilligung und arbeitete fortan als praktischer Arzt in den königlichen Amtsgerichten Lohr und Rothenbuch, in denen er auch als Verweser der Landgerichtsarztstelle tätig war.

Um 1834 bemühte er sich erstmals um ein eigenes Physikat im Untermain- oder Rezatkreis und galt fortan als "vorgemerkt" für eine dieser Stellen. Ab 1836 begann er sich gezielt und sehr häufig auf Landgerichtsarztstellen zu bewerben: 1836 um Schweinfurt (26. Dezember) und Aschaffenburg, 1837 um die Physikate Hofheim (9. März) und Marktsteft (3. April). 1838 wollte er eine Stelle in Gleusdorf besetzen (2. März). Alle Bewerbungen blieben jedoch ohne Erfolg, obwohl er zumeist seine vorhandenen Qualifikationen und seine Berufserfahrung durch die Verwesertätigkeit in Lohr und Rothenbuch hervorgehoben hatte.

Am 29. September 1839 bewarb sich Joseph J. Goy um das Physikat seines Vaters in Lohr, nicht ohne ungeduldig darauf hinzuweisen, daß er als letzter Aspirant seines Staatconcours-Jahrgangs nun auch an der Reihe sei, eine Stelle zu erhalten. Der Vater, der über 42 Jahre diese Stelle innehatte, unterstützte den Sohn bei diesem Vorhaben, indem er dem König seinen Rücktritt aus Altersgründen nur zugunsten seines Sohnes und sogar unter Verzicht auf seine Pensionsansprüche vorschlug2. In München ging man auf diesen Vorschlag ein und



1

Der zweite Name wird in Kreis-Amts-Blättern verschieden angegeben: 1855 nennt man ihn "Joseph Jacob" mit Vornamen, 1861 hingegen "Johann Joseph". Wahrscheinlicher ist der Zweitname "Jacob", da Goys Vater ebenfalls diesen Namen trug.

2

"... um aber in dem Greisenalter fremder Beihilfe mich nicht überlassen zu müssen, sondern im Kreise meiner Familie die Lebensbahn vollends beendigen zu können, habe ich mich entschlossen, zu Gunsten meines Sohnes, des praktischen Arztes Dr. Joseph Goy, auf das Physikat Lohr unter der Bedingung zu verzichten, wenn demselben dieses Physikat von S. M. dem König allergnädigst verliehen werde, wobei ich für diesen Fall auf die gebührende Pension verzichte". - Staatsarchiv Würzburg, RA 6264.