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S. 1 (29) Landgericht Werneck

4 Der Verfasser des Berichts: Dr. Michael Katzenberger1

Michael Adam Katzenberger wurde am 8.5.1808 in Würzburg als Sohn des Appellationsgerichtsrats Nikolaus Katzenberger ( + 1846) und dessen Ehefrau Josepha (+ 1830) geboren. Über Elternhaus und Schulausbildung liegen keine Unterlagen vor. Da er 1827 die Universität Würzburg bezog2, dürfte er ein Gymnasium seiner Heimatstadt absolviert haben. Er studierte Medizin.

1832 wurde er in Würzburg mit der Arbeit "Von den Wunden im Allgemeinen. Inaugural-Abhandlung von Michael Katzenberger, der Medicin, Chirurgie und Geburtshülfe Doctor3“ zum Doktor der Medizin promoviert. Die Widmung auf dem Vorsatzblatt seiner Dissertation weist auf ein gutes Verhältnis zum Vater hin: "Seinem verehrten Vater, dem königlich-bayerischen Appelationsgerichts-Rathe Nikolaus Katzenberger aus inniger Liebe und Dankbarkeit".

Danach setzte er seine praktische Ausbildung ein Jahr lang an medizinischen und chirurgischen Anstalten in Wien und Berlin fort und beschloß sie beim Landgerichtsarzt im unterfränkischen Arnstein. 1834 legte er - wie vorgeschrieben - Proberelation und Staatskonkurs (= Examen) mit Erfolg in Bamberg ab, wo sich seit 1808 eines der drei (seit 1814 zwei) bayerischen Medizinalkomitees befand, vor dem bis 1843 die fränkischen Ärzte ihre Prüfungen zu absolvieren hatten4. Daraufhin erhielt er noch 1834 die Praxisbewilligung (Approbation) und ließ sich als praktischer Arzt in Gerolzhofen im südöstlichen Unterfranken nieder. Dieser Ort mit etwa 2.100 Einwohnern war Sitz des gleichnamigen Landgerichts mit rund 12.000 Bewohnern.

Die Bevölkerungsentwicklung der mittleren Jahre des 19. Jahrhunderts stagnierte damals bzw. war sogar leicht rückläufig. 1854 gab es im Landgerichtsbezirk Gerolzhofen 5 akademische Ärzte - der Landgerichtsarzt, der quieszierte Landgerichtsarzt und Katzenberger in der Stadt Gerolzhofen, 2 weitere Praktiker auf dem Lande5. An niederärztlichem Personal waren ein Chirurg, drei Bader neuerer Ordnung, 18 Hebammen, zwei Apotheken und eine lokale Krankenanstalt vorhanden.6

Die demographischen und medizinischen Gegebenheiten des Landgerichts Gerolzhofen wurden deshalb ausführlicher behandelt, weil Katzenberger in Gerolzhofen offenbar nicht das erhoffte Auskommen gefunden hatte. Anders nämlich wären seine häufigen Bewerbungen um eine Staatsstelle als Landgerichtsarzt nicht zu erklären.

1842 bewarb er sich um die Physikate Karlstadt und Hofheim,

1843 um die in Hofheim, Haßfurt, Marktsteft und Volkach, 1848 um das schwäbische Krumbach, 1849 um Mindelheim, 1850 um Neustadt/Saale, 1852 um Gerolzhofen, Kulmbach, Gemünden, Hammelburg u.a.

Alle Bewerbungen verliefen erfolglos, bis er am 1.10.1855 im Alter von 47 Jahren das Physikat Obernburg am bayerischen Untermain, an der Westgrenze des Landes, erhielt7. Als verbe-



1

Die Darstellung folgt, wenn nicht anders angegeben, dem im Bayerischen Hauptstaatsarchiv München, MInn 60762 vorhandenen Personalakt des Staatsministeriums des Innern. Bei den ebd. MInn 61260a liegenden Qualifikationstabellen bayerischer Amtsärzte fehlt die für Katzenberger.

2

Sebastian Merkle (Bearb.), Die Matrikel der Universität Würzburg I/2 München-Leipzig 1922, 992 unter Nr. 30081: "Michael Katzenberger von Würzburg Philosoph."

3

Gedruckt: Würzburg (bei Franz Bauer) 1832, 8° 32 Seiten. Vorhanden Bayerische Staatsbibliothek München, Signatur: DISS. 2024/23.

4

Hans Hahn, Balneatores, Barbitonsores et Chirurgi Geldersheimenses. In: Mainfränkisches Jahrbuch 24 (1972) 129. Erst seitdem nehmen die Universitäten diese Prüfung ab. \Zum Studium der Medizin im 19. Jahrhundert vgl. Reinhard Weber, Ärzte und Medizinalwesen im 19. Jahrhundert. In: Amperland 29 (1993) bes. 175 f.

5

Hermann Oettinger (Hrsg.), Schematismus der im Königreich Bayern zur Praxis berechtigten civil- und Militär-Ärzte. München 1854, 24.

6

Aloys Martin (Hrsg.), Schematismus der im Königreich Bayern zur Praxis berechtigten Civil- und Militär-Ärzte. München 1858, 44.

7

Staatsarchiv Würzburg (StA W), Regierung Unterfranken 6290. Die offizielle Besetzung erfolgte am 6.11.1855. Die Amtsübergabe an seinen Nachfolger in Obernburg, Dr. Fuchs, fand am 25.11.1857 statt.