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S. 1 (151) Landgericht Würzburg links des Mains

Landgerichtsbezirk Würzburg links des Mains1

Der Autor: Dr. Friedrich August Vogt

In Aschaffenburg wurde Friedrich August Vogt am 24.7.1812 als Sohn des Obergerichtsrates Theobald Vogt geboren. Das Gymnasium besuchte er in Würzburg, wo er anschließend von 1828 bis 1832 ein Medizinstudium absolvierte. Es folgten Praktika in Münchener und Wiener Kliniken. Während des Studiums trat er der Studentenverbindung "Corps Moenania" bei; die Mitgliedschaft pflegte er bis zu seinem Lebensende. 1833 promovierte er als Doktor der Medizin. Seine Dissertation behandelte das Thema "De Solaneis"2. Im Oktober 1834 bestand er im Alter von 22 ½ Jahren das Staatsexamen als Drittbester. Ein Jahr später, 1835, trat er die Assistentenstelle am Land- und Stadtgerichtsphysikat Aschaffenburg an und erhielt die Erlaubnis zur "Ausübung der Medicin, Chirurgie und Geburtshilfe in Aschaffenburg". Nach dem Tod seines Vorgesetzten wurde ihm die interimistische Verwaltung dessen Stelle als Amts-,

Spital- und Armenarzt übertragen. Diese Stelle behielt er insgesamt 17 Jahre inne. Angeblich verließ er Aschaffenburg schweren Herzens, aber hoch befriedigt durch die ihm entgegengebrachte Anerkennung und den vielfach geäußerten Dank für erwiesene Hilfe. Weitere Quellen belegen jedoch, daß Vogt während all der Jahre in Aschaffenburg immer wieder versuchte, von dort wegzukommen, denn es sind mindestens 6 Bewerbungen auf Stellen in anderen Landgerichtsbezirken bekannt.

Eine Bewerbung vom 28. November 1852 führte schließlich zu seiner Versetzung im Dezember 1853, wo er die Stelle des Landgerichtsarztes von Gemünden einnahm. Dort fühlte er sich offensichtlich nicht heimisch, denn in einem Nachruf auf Vogt heißt es: "Nach 3 Jahren Landaufenthaltes schlug für Vogt die Stunde der Erlösung durch seine im Jahr 1856 erfolgte Ernennung zum Landgerichtsarzte in Würzburg".

Hier stieg er nach weiteren 5 Jahren zum Bezirksgerichtsarzt auf. 1873 bewarb er sich erfolgreich auf die Stelle des Kreismedizinalrates. In einem Gutachten für den Staatsminister des Inneren werden Vogt ein "ehrenhafter Charakter,



1

Das Manuskript befindet sich in der Bayerischen Staatsbibliothek in München unter dem Titel "Medizinisch-topographisch und ethnographische Beschreibung der Physikatsbezirke Bayerns. Landgerichte Volkach, Weyhers, Werneck, Wiesentheid, Würzburg rechts des Mains, Würzburg links des Mains" mit der Signatur Cgm 6874 (184).

2

Vogt befaßte sich dabei mit dem "Nachtschatten", einer Gattung der Nachtschattengewächse, die durch das Vorkommen einer Reihe von meist stark giftigen, medizinisch zum Teil sehr wertvollen Stoffen eine als Heilmittel eine bedeutende Rolle spielen.