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Das Dorf

Von Rolf Sprandel*

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Die unteren bäuerlichen Schichten – Bezeichnungen

Bevor ich auf die Entstehung der Dörfer eingehe, möchte ich die Bauern unterhalb der Hofbauern besprechen, die für das Dorfleben besonders wichtig waren.

Im wesentlichen beschränke ich mich auf das Altsiedelland, das durch die Villikation stark geprägt wurde. Ein fränkisches Urbar des 11. Jahrhunderts zeigt die Ausgangslage. Es gab in einem Dorf das "dominicale", also den Fronhof, die "mansi" mit Naturalabgaben und die "beneficia" derer, die auf dem Fronhof Funktionen und dort zu arbeiten hatten.1 Im Spätmittelalter vervielfältigten sich die Verhältnisse. Der Fronhof wurde zum Eigenhof oder zum Hof des Hofbauern. Der Ausdruck Hof beschränkte sich aber nicht darauf , sondern bezeichnete mehrfach auch kleinere Betriebe. Etwa 1343 wurden im Würzburger Lehenbuch eine "curia" auf zwei "mansi" und eine andere auf 1 1/2 "mansi" geschätzt (1, Nr. 3923)2. Vergrößerte mansi erhielten den Namen Hof.

In Salzburg wurde sogar eine "ganze Hube", andernorts die Übersetzung für mansus, regelmäßig ein "Hof", eine "halbe Hube" "Hube" genannt.3

Im Würzburger Lehenbuch begegnet 1410 "ein Hof genannt eine Hube" (lf 11, f. 92). Nach der Sprechweise des Schreibers erfüllte die Hube die Anforderungen eines Hofes. 1453 wurde für Karlburg festgelegt, daß ein Bauer keine Renten nach auswärts verkaufen dürfe, sondern der Zins von Äckern, die er eventuell auslieh, immer "bei derselben Hube blieb" (krb 68). Eine Hube mit solchen Pertinentien konnte eigentlich nur ein Hof sein. Weistümer weisen bei der Beschreibung von Pflichten auf Unterschiede unter den Hubnern hin. Im fränkischen Obersfeld sollten nur die Hubner, die ein Pferd hatten, einen Frontag leisten.4

In Niedersachsen unterschied man bei den Hufenbetrieben zwischen Latenhufen und freien Erbzinshufen. Die Laten gingen aus dem sächsischen Bauerntum hervor und hatten als halbfreier Stand in anderen Gegenden Deutschlands keine Entsprechung. In der Entwicklung der spätmittelalterlichen Grundherrschaft in Niedersachsen kamen Anpassungen an die Verhältnisse dieser anderen Gegenden vor. Es wurde offenbar getrennt zwischen Laten und Latenhufen. Latenhufen konnten auch Nichtlaten, etwa Stadtbürger und Töchter des Adels, innehaben.5 Sie waren durch ein günstigeres Erbrecht und leichtere Belastungen ausgezeichnet.

Kommen wir zu den "beneficia", die auch "feuda" genannt wurden.

In Aufzeichnungen von herrschaftlichen Rechten an der Mosel 1249-1264 wird von den "feodales de allodiis" und von einem "allodium", das mit drei "feodales" verkauft wurde, gesprochen.

In einer Urkunde des Deutschen Ordens in Schwaben wird 1267 von einer ""curia cum duobus curtilibus, que lehen dicuntur" gesprochen. Ein in der Grundherrschaft von Zimmern 1367 genanntes Schmiedlehen weist auf Sonderfunktionen zurück, die Inhaber solcher Lehen in der hochmittelalterlichen Grundherrschaft hatten.6

"Beneficium", "feudum" und "Lehen" wurden mit denselben Worten wie die Objekte des Lehenswesens bezeichnet und nur durch den Zusammenhang werden sie als kleine Betriebe innerhalb von Grundherrschaften erkennbar. In der Tat hatte und behielt der Besitz dieser Betriebe eine gewisse Nähe zum Lehenrecht.

Im 14. Jahrhundert sollten z.B. die zu einem Hof in der Herrschaft Daun gehörende "homines" ihre "heriditates tamquam feuda", ihre Bauerngüter, wie Lehen erwerben.7

Neben behausten Lehen gab es, wie bei allen anderen Betriebstypen, unbehauste, die etwa von einem benachbarten Hof aus bewirtschaftet wurden. Im Urbar der Kommende Oettingen heißt es zu Hainsfarth: "Der Memminger gibt von einem Hof ... und gibt dann von einem Lehen ...".8

Der zum Schematismus neigende Ebracher Urbarschreiber von 1340 wertet ein "feudum" als einen "halben mansus". Bei einzelnen "feuda" notiert er jedoch, es habe soviel dazu gehört wie zu einem "mansus".

In Langheim galt generell ein "feudum" gleich einem "mansus" und einem "halben Hof". Ähnlich wird 1299 in dem Urbar von Kremsmünster ein "mansus dicitur praedium" oder "id est lehen" erwähnt.9

Die Schreiber hatte einerseits das Bedürfnis zur Stratifikation der Betriebe. Andererseits wurde er dabei durch die Entwicklung immer wieder korrigiert. Außerdem zeigen diese Quellenstellen, daß das feudum seine frühere Funktion eines Amts- und Versorgungsguts für einen Fronhofarbeiter verloren hatte und jetzt ein Bauerngut wie jedes andere war.

Im Rosenheimer Steuerregister von 1445 rücken Hube und Lehen mit einer Steuerpflicht von fünf, bzw. vier Schilling eng zusammen, während ein Hof neun Schilling schuldete. In einem Steuerregister der östlichen Alpenländer von 1470 wurden Hube oder Lehen mit 32 ß sogar gleich besteuert, während ein Hof das Doppelte zu zahlen hatte.10

Gelegentlich tauchen Zeugnisse eines rechtlichen Unterschiedes zwischen Hubnern und Lehnern auf. In einem fränkischen Weistum von 1469 wurde nur von den letzteren das Besthaupt gefordert (WSB 1, f. 276- 278). Überwiegend verschmolzen die Leiherechte der beiden Betriebstypen aber. Ein Bauer, der eine Hube gekauft hatte, sollte 1454 in Pfersdorf ein Gelöbnis sprechen, "wie es solcher Huben und Zinslehen Recht ist" (ldf 11, S. 137).

In der Grundherrschaft von Weitenau wird zwischen alten und neuen Lehen, die als Ausbausiedlungen gelten, unterschieden.11

Das Lehen nahm wie die Hube an den Angleichungsprozessen nach oben teil. Aber es gab bei beiden auch den Gegentrend.

Die Bamberger Kirche besaß in Zeuln nach einem Urbar von 1323/1328 5 ½ "mansi", die mehrfach geteilt und verschoben für die Herrschaft unübersichtlich geworden waren. Im Urbar von 1348 wird statt dessen von 34 Bauern in Zeuln gesprochen, die - soweit ihre Betriebe bezeichnet werden - "feuda" und Bruchteile davon besitzen. Man ist von der Seite der Herrschaft zu einem neuen Bezugsystem übergegangen, das es besser erlaubte, die real existierenden Betriebe gleichmäßig zu erfassen.12

Ein Zeugnis der Zersplitterung der Betriebseinheiten ist das im Salzburgischen genannte "Viertel", das den "Quartalia" im Urbar von Kremsmünster 1299 entspricht. Es verrät im Namen deutlich die Herkunft der Kleinbetriebe aus Teilung. Im "bayerischen Hofmaß von 1478" wurde das Viertel eines Hofes mit dem Lehen identifiziert , aber im Salzburgischen gab es schon 1445 das Viertel einer Hube, das einem halben Lehen entspsrach. 1488 trat dort die Bezeichnungskonfusion ein, die wir schon bei einer Hube gleich einer halben Hube oben beobachtet haben. Es hieß nämlich ein "Viertelhof", der auch ein "Viertelacker" genannt wurde, sei ein "Achtelhof".13

Bona oder Güter bildeten oft eine eigene Kategorie bei der Aufzählung der verschiedenen Betriebstypen in einem Dorf. Diese Ausdrücke können aber auch eine übergreifende, unspezifische Bedeutung haben, konnten kombiniert werden mit mansum "in bona mansualia" 14 oder "bonum sive mansum" (1, Nr.1358, 2026). Im Urbar von Ebrach von 1340 wird mit "bonum" sogar manchmal ein großer Hof, einmal mit fast 200 Joch Acker,15 also im Sinne eines modernen Gutes bezeichnet. Solche "bona" wurden in drei bzw. acht "feuda" zerschlagen. Sonst waren "bona" immer weniger als ein Hof und manchmal aus Aufteilungen von Höfen hervorgegangen.

Als spezifische Kategorie könnten die Güter auch aus einer Verknüpfung von walzendem Gut, also losen Äckern und Wiesen, mit Hofreiten oder Hofstätten entstanden sein. Die Kleinbauernbetriebe und die Kleinstellen sind eben nicht nur aus Teilungen größerer Bauernstellen, sondern auch aus Neubildungen hervorgegangen. Das walzende Gut ist eine typische Erscheinung der spätmittelalterlichen Urbare. Mit einer Hofreit verbunden wurde daraus ein Gut im Sinne von kleinem Bauernbetrieb. Manchmal wurden auch Hofreit und lose Äcker gesondert besteuert oder das ganze Gut als Hofstatt bezeichnet und mit einer entsprechend hohen Abgabe belegt.

Hofreit bezeichnete die Gebäudegruppe, die es ermöglichte, einen solchen Betrieb zu unterhalten.

1402 wird z.B. in einem mittelfränkischen Register eine Haus erwähnt, "das später eine Hofreit wurde". Bei Oberschreckenbach wird zu 1405 eine wüste, später wieder bezimmerte Hofreit bezeugt.16

Hofreit oder Hofstatt bezeichnete auch ein Realrecht, an einem bestimmten Platz einen Betrieb zu unterhalten. Das Recht ging nicht so schnell verloren. In Schönbrunn bei Bamberg gab es 1456 sieben Hofstätten, fünf bezimmerte und zwei unbezimmerte (lf 21 f. 42).

In mittelfränkischen Urbaren wird sichtbar, daß in einer Hofstatt oft mehrere besteuerbare Familien lebten. "Als manig Feuer er hat auf der Hofstatt, als manig Fasnachtshühner soll er geben".17

Die Selden tauchen im 14. Jahrhundert auf und im Würzburger Lehenbuch z.B. zuerst oft in Verbindung mit Haus als Seldenhaus. Das ist eine Doppelung. Denn Selde geht auf die germanische Wurzel sal, Haus, zurück. In einem solchen Haus wohnte ein Seldner, ein Lohnarbeiter, der die Rolle des hochmittelalterlichen Lehners übernommen hatte und auf einem größeren Hof arbeitete. An die Stelle des Landbesitzes als Gegenleistung war das Geld getreten. Selden als Landarbeiterstellen waren bezogen auf herrschaftliche Eigenwirtschaften und auf Hofbauern.

Die Entwicklung führte rasch dazu, daß mit den Seldenhäusern kleine landwirtschaftliche Betriebe verbunden wurden. Vielleicht war das Angebot an Lohnarbeitern geringer als die Nachfrage, so daß die Herren ihnen Häuser mit kleinen Betrieben zur Verfügung stellen mußten. In diesen Betrieben spiegelt sich erneut die Zersplitterung des Ackerbodens wider. In Remlingen hatten 1410 die Hubner Haus, Gaden und Scheuer, die Seldner nur Haus und Scheuer.18 Im Ebracher Dorf Buch war der Abstand größer. Die Mansen hatten durchschnittlich 20 Morgen zuzüglich Wiesen und Holz, die Seldner 1-2 Morgen ohne Wiese und Holz.

Die Verbindung von Selde und Gut im Seldengut bzw. von Selde und Hofstatt in Seldenhofstatt ist Ausdruck des Aufstiegs der Selde von der Tagelöhnerwohnung zum kleinen Bauernhof. Damit ist auch ein Verschwimmen der Unterschiede innerhalb des Kleinbauerntums verbunden. In Untersteinach gab es im 15. Jahrhundert 11 annähernd gleich große Betriebe. Davon wurden vier als Güter und sieben als Selden bezeichnet.19

Ein Dorfhandwerk konnte mit einem Seldengut verküpft sein.

In Horabach werden 1402 ein Hof, drei Seldengüter, davon eine Schmiede genannt.

In Rothenburger Quellen kommt auch das bezimmerte Seldengut vor.Bei Reichelshofen heißt es zu 1462: ein bezimmertes und ein wüstes Seldengut. 20

Es gab also wohl auch Seldengüter ohne Wohnhäuser, die auf dem Erbwege oder durch Verkauf an andere Höfe geraten waren und von diesen aus bewirtschaftet wurden. Allerdings wird man das Wort bezimmert wohl nicht regelmäßig, wenn Wohnhäuser vorhanden waren, sondern immer nur dann eingefügt haben, wenn Zweifel bestanden oder Veränderungen eingetreten waren.

In fränkischen Dörfern waren oft Hubner und Lehner die Vollbauern, die Seldner die Kleinbauern.Die Fronleistungen wurden gestaffelt und die Seldner von einigen Gemeinderechten ausgeschlossen.21

Wir hören auch von Selden, die Arbeiterwohnungen blieben, wie sie es gewesen waren.

Nach einem bayerischen Landtagsbeschluß für Gemeindeweiden von 1478 durfte ein Hof fünf Rosse, eine Hube drei Rosse, ein Lehen oder ein Schwaig zwei Rosse auf diese Weiden schicken. Dadurch wurde ein zehn Jahre älterer Beschluß erläutert, wonach jeder nur so viel Großvieh auf die Weide schicken durfte, wie er auf seinem Hof über Winter haben konnte. "Ein Seldner oder einer, der nichts auf dem Felde zu bauen hat, er sitze auf einer Selde oder auf der Gemeinde (in Gemeindehäusern), soll kein Roß haben, er sei denn ein Handwerksmann, der zu seinem Handwerk ein Roß haben müsse".22 Dadurch wurden also die Seldner mit jenen gleichgestellt, die zur Miete wohnten und keinen bäuerlichen Betrieb hatten.

Inquilinen oder incolae waren in der Grundherrschaft von Ebrach Kleinstelleninhaber, den Seldnern vergleichbar, an anderen Orten aber Bewohner eines mehr oder weniger verselbständigten klösterlichen Wirtschaftshofes.

In einer moselländischen Urkunde von 1269 soll der Inquiline, der den Eigenhof eines Klosters bewohnte, von jeder Abgabenforderung durch den Vogt frei sein, solange er Inquiline blieb. Diese Wurzel des incola ist noch erkennbar, als das Kloster Friedenwalde 1316 nur von den Inquilinen, nicht von seinen Leuten, die an anderen Orten wohnten, Todfallabgaben forderte.23

Den Selden sind weiterhin Katen oder Koten mit Kotsaten oder Kossäten und Häuser mit Häuslern oder Koblern (von Kobel,Haus) an die Seite zu stellen. Das dazu gehörige Land war in der Regel noch kleiner als das einer Selde, zu klein, um irgendwie davon leben zu können. Es waren Kleinstellen von Landarbeitern. Aber die Katen nahmen an der gleichen Bewegung der Vergrößerung wie die Selden teil.

Im norddeutschen Altsiedelland, in Niedersachen und Westfalen, wurden in einer großen Welle zahlreiche Meierhöfe neu gegründet .24 Dadurch wurde viel Kleinbauertum aufgesogen, die Tendenz zur Zersplitterung also regional gestoppt. Die Hildesheimer Lehenregister weisen aus, daß sich hier vielfach nur Meierhöfe und Kothöfe einander gegenüber standen. Immerhin wurde noch 1389 ein Kartäuser Kloster in Hildesheim mit acht Mansen, einer "curia villicalis", "que vulgariter Meygerhof dicitur" und einigen Kothöfen ausgestattet.25

In einem Schatzregister der Großvogtei Celle von 1438 stehen die Vollbauern den Großkötnern mit einer jeweiligen Steuerpflicht von 44 und 11 ß gegenüber. In diesen großen und wohl ursprünglichen Abstand hatten sich die Halbbauern , mit 33 ß den Vollbauern viel näher stehend als den Großkötnern, eingeschoben. Außerdem hatten sich von letzteren die Kötner nach unten abgesondert.26

Auch die Katen konnten offenbar zu größeren Betrieben werden.

Die "Gemeinen" von Hilden und Haan bei Köln beschwerten sich 1500 über eine Bedrückung durch bergische Beamte. Diese unterstanden sich, "von den Katen, das sind kleine Güter", Besitzwechselabgaben, ein Pferd und eine Kuh, zu nehmen, dessen allein etliche große Höfe schuldig gewesen wären.

Im Heilsbronner Amt Peteraurach hatte ein "Bauer" über 50 Morgen, ein "Pühlmeier" (?) 25-50, ein Köbler, der eine Kobel oder Kate bewohnte, unter 25 Morgen.27

Ein fränkisches Weistum verrät uns, daß es noch kleinere Güter als Seldengüter gab. Die lästige Verpflichtung, das Zentgericht zu besuchen, wurde für Viereth 1459 so gestaffelt, daß jedes "Bauerngut" es alle 14 Tage aufsuchen mußte, jeder Seldner alle vier Wochen. "Niedere Güter" seien davon gefreit (ldf 11, S. 337-347).

In den Gewerbelandschaften des südlichen Westfalen waren Katen als bäuerliche Kleinbetriebe oft mit Schleifmühlen verbunden. Schleifkotten war eine typische Bezeichnung. Abkürzend verstand man an einigen Stellen Kotten als Schleifkotten. So konnte Kotten auch zu einer reinen Fabrikbezeichnung werden. Solinger Bürger betrieben in der Umgebung ihrer Stadt (Schleif)kotten, ohne in diesen zu wohnen.28

Die Bezeichnungen für Kleinbetriebe hatten ihre landschaftlichen Schwerpunkte, kommen also nicht überall in dem gleichen Maße vor.

In Südwestdeutschland spielten die Schupposen eine Rolle, "die in den Hof gehören", die also an einen größeren Betrieb angebunden waren. Um einen Hof in Bohlingen waren 10 Huben, neun Schupposen und 12 Selden Güter gruppiert.29

Sofern sowohl Huben als auch Schupposen auf einen Hof bezogen waren, gehörten die letzteren einer deutlich kleineren Kategorie an.

Ein Schreiber von Beromünster notierte im 14. Synonyme für Schuppose waren in der Gegend von Basel Lunatio und Mentage.

Das Wort Schuppose, über das man viel herumgerätselt hat,30 hängt wie alle anderen hier behandelten Bezeichnungen außer Garten mit einem Gebäude, nämlich Schuppen, zusammen und ist von dort wiederum wie die anderen Bezeichnungen auf eine Fläche übertragen worden.

Schupposen lösten sich früher oder später vom Hof oder wurden sogar aus der Masse eines sich auflösenden Hofes neu gebildet.

Im Südwesten tritt der Begriff an mehreren Stellen zuerst als Maß für kleine Ackerflächen auf. In der Grundherrschaft von St. Alban kamen im Durchschnitt auf einen Zinser 1,2 Schupposen. In Lörrach wurde eine Schuppose an mehrere "Teilgenossen" gegeben, die einen Repräsentanten, einen "Träger" oder "Huber" hatten. Auch dieses Amt war nicht beliebt. 1492 legte es ein Peter nieder, weil er verarmt war. Die "Teilgenossen" mußten einen neuen Repräsentanten benennen. Zum Meierhof von St. Blasien in Hügelheim gehörten acht Schupposen, in Obereggenen 13. Von jeder Schuppose mußte ein Tag in der Woche Frondienst geleistet werden, in der Erntezeit durch zwei Frauen und einen Mann. Eine Schuppose konnte bis in 11 Teile geteilt sein, deren Inhaber eine Schupposen-Gemeinschaft bildeten. Ein Bauer konnte mehreren Schupposen-Gemeinschaften angehören.31

Das Schweizer Kloster St. Urban teilte 1349 einen Hof, den ein "Meister" bebaut hatte, in 72 Schupposen, die an fünf Leute ausgegeben wurden. Zwei Jahre vorher hatte man versucht, den Hof gesamthänderisch an 11 andere Leute zu verleihen, war dabei aber gescheitert. 1347 hatte man den 11 schon angedroht, wenn sie ihre - hohen - Abgaben nicht aufbrächten, würde man sie zu "rechten Hintersassen" auf Schupposen abstufen. Diese Abstufung trat also ein, wenn auch mit anderen Leuten und mit erheblich niedrigeren Abgaben.32

1402 beurkundeten 14 Bauern des Dorfes Leidringen (Kr. Balingen), daß der Abt von St. Georgen die Äcker, die zu dem herrschaftlichen Hof gehörten, in 14 Schupposen zu je vier Juchart, also zwei Hektar, auf sie verteilt habe. Diese Schupposen erstreckten sich über drei "Ösche" oder Zelgen.33

In Altwürtemberg ist die "Trägerei" mit einem Träger und mehreren "Inhabern" von Teilen auch ohne das Wort Schuppose anzutreffen. Sie war hier ein Mittel, um die Realteilung mit dem Wunsch der Herrschaft zu verknüpfen, gleichbleibend große Abgabeneinheiten zu behalten. Der Träger hatte die Gesamtabgaben an die Herrschaft zu liefern.34

Unbehufte

In Westfalen gab es im 13. Jahrhundert Ausdrücke für Dorfbewohner, die "unbehuft" waren: Losjungere oder einlucken ,einlicken Lude, "qui bona in campis non habent". Nach dem Hofrecht von Greffen wurden sie 1287 auf die Meier bezogen, zahlten bei Volljährigkeit einen Geldzins an diese, durften aber durch diese nicht vertauscht oder sonst entfremdet werden.35

In Bayern entsprachen ihnen am Ende des 14. Jahrhundertses in der Grundherrschaft von Frauenchiemsee "herwerg"-Leute, Männer und Frauen, wohl Beherbergte, die in den Feldern nichts hatten. Sie durften in die Allmende höchstens ein Rind oder drei Schweine treiben.36 Pankraz Fried unterscheidet zwischen den Bauern mit einer "Ehofstatt" und Dorfangehörigen ohne diese, aber mit Arbeitsverhältnissen. Sie hießen Inleute, Leerseldner und Ehalten.37

Warum hatten die Kanzleischreiber ein derartigen Bedürfnis nach Kategorisierung und Stratifikation, die immer wieder verbesserungswürdig zu sein schien? Auf diese Frage möchte ich eine mir plausibel erscheinenden Antwort vorschlagen. Durch die Beschneidung der Höfe, durch deren und anderer Betriebe fortgesetzte Aufteilung bestand für die Herrschaft die Gefahr, daß Boden der Abschöpfung entging. Um diese Gefahr abzuwenden, mußte man die kleineren Einheiten, auf die sich der Boden verteilte, erfassen. Deren Belastung sollte so hoch sein, wie sie konnte, ohne die Besitzer zu vertreiben.

Verteilung in einer Grundherrschaft

Unsere erste Quelle für die Verteilung der unteren Bauernschichten sind die grundherrschaftlichen Abgabenverzeichenisse. In Urbaren lassen sich die verschieden bezeichneten Betriebe durchzählen und so ihre Verteilung in einer Grundherrschaft ermitteln. Wir beschränken uns in der folgenden Tabelle auf einige Typen.38

Grundherrschaft

Höfe

Huben

Lehen

Güter

Selden

Hofstätten

Katen

Würzburger Salbuch I 42 250 200 80 40    
Tückelhausen 37 8 3 27      
Oettingen 14 (+ 13)   16     81  
Hildesheim 104 etwa 170         65
Neuwerk 32         35  
Rosenheim 34 138 284 176 (Viertel) 43    

In einem Steueregister des Landgerichts Rosenheim von 1445 wurden 876 Anwesen erfaßt. Die Grundeinheiten waren Höfe, Huben, Lehen, Viertel und Selden. Dazwischen lagen halbe und doppelte dieser Einheiten, außerdem Schwaigen, Mühlen, Joche u.a. Spezialbezeichnungen. In die Tabelle ordne ich sie so ein, daß die Viertel den Gütern gleichgesetzt und alle anderen entsprechend ihrem Steuersatz den Grundeinheiten zugeordnet werden. Die Selden zahlten weniger als einen halben Schilling, die Höfe neun Schillinge. Etwa 200 Anwesen bleiben übrig, die irgendwo zwischen den Grundeinheien zu suchen sind. 39

Das Schatzregister der Großvogtei Celle von 1438 erfaßte 1629 Hofstellen in 254 Dörfern. Die Hofstellen verteilten sich auf vier Größenordnungen, die Vollbauernstellen, die über 44 ß zahlten, die Halbbauernstellen mit über 33 ß, die Großkötner mit über 11 ß und die Kötner mit einem Steuersatz darunter. Vergleiche mit den bisher betrachteten Gliederungen sind schwierig. Wahrscheinlich lassen sich die Vollbauern den Höfen, die Halbbauern und die Großkötner der mittleren Gruppe und die Kötner der unteren zuordnen. Interessant ist es, daß nicht nur die Zahl der Hofstellen in den vier Größenordnungen, sondern auch deren Anteil am Gesamtsteueraufkommen bekannt ist. Die Vollbauern stellten zwar nur 21% der Betriebe, aber 47% der Steuern. Die Kötner stellten zwar 29% der Steuerzahler, aber nur 6% der Steuern. Die Großkötner stellten mit 41 % die größte Gruppe und waren mit 34% der zweit wichtigste Steuerzahler.40 In der Anzahl der Hofstellen lag das Schwergewicht auf der mittleren Gruppe im Sinne der vorherigen Tabelle.

Großvogtei Celle 1438

 

Vollbauern

Halbbauern

Großkötner

Kötner

% der Hofstellen 21 9 41 29
% der Steuer 47 13 34 6

Aus beiden Tabellen geht hervor, daß fortgesetzt ein Schwergewicht der Abschöpfung bei den Hofbauern und Höfen war, daß aber in etwa die Hälfte den Herren entgangen wäre, wenn sie nicht die anderen Kategorien erfaßt hätten.

Schwer vergleichbar, aber in sich von großem Interesse ist eine braunschweigisch-lüneburgische Aufgliederung von Bauern, dieses Mal ein Viehschatzregister, eine Viehbesteuerung von 1497 für 332 Bauern in 83 Dörfern. Von den in vier Kategorien gegliederten Bauern weisen die beiden mittleren Kategorien mit 232 Bauern die stärkste Besetzung aus. Dieses Mal kennen wir weder ihre Bezeichnungen noch ihre Anteile am Steueraufkommen, aber dafür die Anzahl des besteuerten Viehs, Pferde, Rinder, Schweine und Schafe. Neben knapp 800 Pferden und 6000 Schweinen fallen die Rinder, die nur knapp unter den Schweinen liegen und die über 15000 Schafe auf, so daß Ulrich Bentzien von einer Spezialisierung auf Rinder und Schafe spricht. Gerade im Hinblick auf Schafe fällt der Abstand der 78 Bauern der ersten Kategorie von den übrigen auf. Sie hatten im Durchschnitt 118 Schafe, ragten aber auch bei dem übrigen Vieh hervor.41 Hier noch die Gliederung nach Rossen: Sie stufen sich so : 3,3 - 2,7 - 1,6 - 0,2. Bei der untersten Kategorie hat immerhin noch jeder fünfte Steuerzahler ein Roß.

Gärtner

Eine Kategorie, die sich weitgehend auf das nord- und ostdeutsche Kolonisationsgebiet beschränkt, sind die Gärtner.

Das Kloster Czarnowaz nördlich Oppeln ließ 1319 ein Dorf, Frauendorf, anlegen. Außer den drei Hufen des Schulzen gab es 18 Hufen und 16 Gärten. Die Hufenbauern sollten dreimal im Jahr den Acker des Klosters pflügen, die Gärtner an zwei Tagen im Jahr andere Klosterarbeiten ausführen.42 Dafür hatten sie ihre Gärten. In den übrigen Tagen des Jahres konnten sie wohl gegen Lohn arbeiten.. In Franken finden wir die Gärtner kaut. Eine Tendenz zu ihrer Entstehung wurde z.B. in Hemmersheim 1331 abgeblockt: Ein "Gärtlein" durfte nicht bezimmert werden und gab kein "Hauptrecht".43

In Frauenwalde in der Lausitz gab es außer 18 Halbhufnern 19 Gärtner, "die haben went (nur) die Behausung da. Sie müssen ihre Nahrung anderswo suchen und müssen erbitten um den Tageslohn und dreschen". In der Regel hatten die Gärtner allerdings wenigstens einen Garten. In Groß Thiemig hatten acht einen halben, 10 einen ganzen und 21 einen Viertelgarten.

Die Zersplitterung schlug sich also bis in die unterste Gruppe der Dorfbevölkerung durch.

Besitzunterschiede, Existenzminimum

Die Bezeichnungen Huben, Lehen usw. spiegeln Besitzunterschiede wider. Der Eindruck der bäuerlichen Differenzierung vergrößert sich noch, wenn man hinzu nimmt, daß alle bezeichneten Betriebe bis hinunter zu den Gärten teilbar waren. Die geteilten Betriebe sackten in eine untere Bezeichnungskategorie ab, wie in Riedenheim Höfe zu Huben und in Zeuln im Hochstift Bamberg mansi zu feuda.44

In Salzburg wurde auch ein Teilbetrieb zu einer neuen Kategorie: Die Viertelhube oder der Viertelacker.45

Wie schon die herrschaftlichen Eigenwirtschaften in ihrer Größe zwischen 5 und 500 ha variierten, hatten auch alle Kategorien von Bauernbetrieben von den obersten bis zu den untersten eine Streuung der Besitzgrößen. Gelegentlich wurde die Streuung in den Steuerbüchern berücksichtigt.

In den Salzburger Steuerbüchern des 15. Jahrhunderts mußte von Amt zu Amt verschieden eine Vollhufe 60-240 d, eine Halbhufe 30-90 d, eine Viertelhufe 30-60 d versteuern.46

In Weistümern wurde manchmal bei der Bemessung von Abgabenpflichten und von Berechtigungen auf die Betriebsbezeichnung verzichtet und statt dessen die Wirtschaftskraft zugrunde gelegt. In Eschau und Willanzheim wurde die Zehntleistung, die das Dorf kollektiv zu erbringen hatte, auf die Dorfbewohner nach dem Besitz von Ziegen, in Reupelsdorf und Ostheim die Fronen nach dem von Pferden verteilt. In Kaltensundheim durfte nur, wer mehr als fünf Schilling Besitz hatte, backen, brauen, schenken und schlachten.47

Der Umfang der Betriebe der Hubner hatte, wie wir wissen, im Spätmittelalter nur noch wenig mit der Hube oder Hufe als Feldmaß zu tun. Immerhin ergab 1498 die Aufstellung eines Pfarrers, daß in Stockstadt 14 Huben 409 Morgen Land hatten, was auf 29 Morgen im Durchschnitt hinaus läuft. Allerdings wissen wir nicht, wie sich die Morgen auf die Huben verteilten.

In der Grundherrschaft des Spitals von Nördlingen reichten 1366 die Betriebe der Hubner von 10 bis 50 Morgen, also von 3-17 ha, in der des Klosters Zimmern aus dem folgenden Jahr besaßen sie etwa dieselbe Spannweite. In der Grundherrschaft des St. Blasius Stiftes von Braunschweig verteilten sich 1320/1340 die Hufenbetriebe unterhalb der großen Meierhöfe zwischen einer halben Hufe und acht Hufen, also 3,5 und 56 ha.48

Kommen wir zu den Lehen. In Tückelhausen werden Lehen von 32-38 Morgen genannt. Diese entsprechen also mit 6-8 ha durchaus kleineren Hubner Betrieben.

Die beiden gerade genannten schwäbischen Urbare von Nördlingen und Zimmern kennen Lehen von 10-40, bzw. unter 5 bis 35 Morgen, die also etwa denselben Bereich wie die Huben dort abdeckten, auch wenn sie sich mehr im unteren Teil dieses Bereiches konzentrierten.49

Weiterhin ist auf die Güter einzugehen.

Das Spital von Nördlingen hatte auch Güter zwischen 10 und 40 Morgen. Im Raum von Hildesheim wird ein (freies) Gut von 30 Morgen erwähnt. In Mittelfranken gab es ein Gut von 11 ½ doppelt so großen Morgen zuzüglich Wiesen und Holz. Alle diese Güter lagen also im Bereich der Lehen. Mittelfranken kannte nun zusätzlich die Kategorie des Gütlein. Das Gütlein war sogar teilbar. Man sprach von einem halben Gütlein.50

Von den Äckern, die in unterschiedliche Zahl einer Selde gehörten, lasen wir oben. Die Reihe der Beispele ließe sich verlängern. In Bundorf z. B. gab es 1461 eine Seldenhofstatt, zu der zwei Tagwerk Wiese und vier Äcker gehörten (lf 11, f. 77).

Der Abt des schlesischen Heinrichsau verlieh einem Knecht einen Garten von 1 ½ Morgen.51

Von den Gärtnern wurde ausdrücklich gesagt, daß sie von ihrem Grund und Boden nicht leben konnten. Wieviel Grund und Boden brauchte man, um davon leben zu können?

David W. Sabean hat diese Frage unter Berücksichtigung der Getreideerträge und der Bevölkerung der Grundherrschaft von Weingarten zu beantworten versucht. Er kam dabei zu einem Schema, wonach ein zwei Personenhaushalt 11 Juchart und fünf Personen 28 Juchart (5,5 bzw. 14 ha) Bruttofläche, also einschließlich Brache, brauchten.52 Dem gleichen 25 bzw. 70 unterfränkische Morgen. Dabei sind neben den Getreideerträgen pro Fläche der Abzug von Saatgut und Zehnt, nicht aber andere Abgaben berücksichtigt.

Um die Abgabenlast zu rekonstruieren, die vornehmlich die Bauernbetriebe zu tragen hatten, müssen außer dem Zehnt und der oben in Beispielen mitgeteilten Gült, dem eigentlichen Objekt von Herrschaftskäufen, noch Bede und anderes veranschlagt werden.

Die salzburgischen Grundholden, die zugleich Eigenleute des Erzbischof waren, mußten zu der Grundabgabe, der Bausteuer, die im Urbar verzeichnet war, die Leibsteuer, die im Steuerbuch zu finden ist, zahlen, bei Halbhuben Bausteuer 120 d, Leibsteuer 80 d, bei Viertelhuben entsprechend 60 d und zunächst 15, später 30 d .53 Unter Hinzunahme von Produktionskosten, insbesondere des Saatguts von etwa 16% der Ernteerträge, ist sicherlich eine Gesamtbelastung von 60% eine eher optimistische Schätzung. Sie nähert sich wohl auch der Belastung von Pächtern im Halbbau.

Ulf Dirlmeier hat den Jahresbedarf einer erwachsenen Person mit 310 kg, bzw. 390 l Roggen, 54 die 2 1/3 unterfränkischen Maltern entsprechen, bestimmt. Für deren Produktion würden einschließlich aller Kosten und Abgaben und bei der relativ günstigen Produktivität von 4,5 Maltern pro Hektar ein bis zwei Hektar oder 5-10 unterfränkische Morgen Bruttofläche ausreichen. Diese Rechnung bleibt unterhalb der von Sabean. Allerdings ist bei unserer Rechnung nur eine Kernversorgung erfaßt, die nicht den realen Bedarf abdeckt.

Eine andere Rechnung geht von der Abwanderungsschwelle für Bauern aus. Ein ungelernter Bauarbeiter konnte in Nürnberg im 15. Jahrhundert 16 fl im Jahr verdienen.55 Wenn ein Bauer 16 fl von seiner Jahresarbeit zurückbehalten wollte, mußte er für 40 fl Getreide erzeugen. Ein Malter Roggen kostete in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts in Unterfranken (174 l) 0,6 fl, 56 nach dem kleineren Mainzer Maß (120 l) 1401 0,5 fl.57 Bei einem Malterpreis von 0,6 fl erhielt der Bauer diese 40 fl, wenn er 66 Malter erntete. Dafür brauchte er etwa 70 Morgen oder 14 ha. Die überraschende Diskrepanz zwischen Kernversorgung und Abwanderungsschwelle erklärt einerseits die große Anziehungskraft der Stadt. Andererseits läßt sie erkennen, in welchem Maße der Marktanschluß das Leben eines Bauern veränderte. Überleben konnte er möglicherweise mit einer Kernversorgung. Aber um Zugang zu einer darüber hinausgehenden Versorgung zu haben, mußte er Überschüsse produzieren und verkaufen. Sabean meint, bei Bauern mit unter 10 ha sei der Hauptanteil des Einkommens von Löhnen gekommen.

Zum Vergleich sei mitgeteilt, daß am Ende des Mittelalters ein Kaplan in Schwaben 20 lb h, umgerechnet 14 fl, der Dorfpfarrer immerhin das Dreifache verdiente.58 Das Einkommen von Dorfpfarrern im Pleissenland lag 1269 und 1271 bei 3,5 und 5 m d und Dieter Rübsamen geht von drei Mark als "Existenzminimum" aus.59 Wenn ein Malter Roggen eine halbe Mark kostete, waren - gemessen an den oben genannten 2 1/3 Maltern Jahresbedarf in Unterfranken - für die Kernversorgung nur einer Person knapp 1 ½ m d notwendig. Eine Liste von 1313 aus dem Bistum Münster nennt Pfarreinkünfte, die bis zu einer Mark Silber hinuntergingen und stark gegliedert bis zu 35 Mark Silber ansteigen konnten.60

Es sei hier weiterhin angedeutet, daß auch die Hinwendung zu Spezialkulturen, insbesondere dem Weinbau, die Lage des Bauern erheblich veränderte. Bäuerliche Familienbetriebe wurden nicht wie herrschaftliche Eigenhöfe durch die hohe Arbeitsintensität, bzw. Lohnkosten vom Weinbau zurückgehalten. Sie konnten die hohe Produktivität des Bodens im Weinbau ausnutzen. Es scheint, als habe sich in vielen Jahren mindestens der zehnfache Geldertrag beim Wein gegenüber dem Getreide aus dem Boden herausholen lassen. Dem Geldertrag von 0,6 fl pro unterfränkischen Morgen bei der Getreideproduktion, den wir oben zugrunde gelegt haben, steht gegenüber, daß derselbe Morgen nach Karlstadter Rechnungen zwischen 0 und 2,1 Fuder Wein hergab. Nach modernen zurückblickenden Schätzungen und dem Zeugnis eines zeitgenössischen Erfurter Chronisten61 lag der Durchschnitt bei einem Fuder. Die Fuder Preise schwankten im Würzburger Raum zwischen 2 und 20 fl. Ihr Durchschnitt wurde durch zeitgenössische Kanzleischreiber auf 10-12 fl festgelegt.62

Weiterhin half die Schafzucht, das Überleben zu sichern. Neben der herrschaftlichen Schafzucht und der großen Höfe gab es die bäuerliche Schafzucht, die oft gemeindlich organisiert war.

Im Heilsbronner Gottmannsdorf hatte z.B. jeder Bauer 60 Schafe, in Betzmannsdorf 100 Schafe, die er in die Kloster Allmende treiben durfte.63

Direkte Nachrichten über bäuerliche Erträge oder gar Einkommen, also über Erträge nach Abzug der Belastungen und Kosten fehlen ganz. Wie weit können die ebenfalls spärlichen Steuerlisten, die auf Prozenten des bäuerlichen Vermögens, also Bodenbesitz, Vieh und Geräten, aufgebaut sind, herangezogen werden?

Ich wähle zwei solcher Steuerlisten, eine westdeutsche und eine aus dem ostdeutschen Kolonisationsgebiet. An der Spitze steht die Auswertung der Katzenelnboger Landbede von 1425 in der Obergrafschaft. Der Steuersatz betrug 10% vom Vermögen und erbrachte eine durchschnittliche Leistung der Vermögenden von 4,55 fl, was auf 45, 5 fl Vermögen schließen läßt. Adel und Klerus wurden nicht besteuert. Die Städte des Gebiets waren wenig bedeutend.64

Eine Quelle vergleichbarer Art ist das Register der sächsischen Landessteuer von 1495 für das Amt Grimma, die das bewegliche und unbewegliche Vermögen von 796 Zinspflichtigen in 57 Dörfern festhält. Darunter waren einige Stadtbürger, die Höfe bewirtschaften ließen. Auch einer der beiden Vermögendsten, die jeder für 300 fl versteuerten, war ein Stadtbürger. Aber im ganzen kann man das Register als eine Quelle für die Vermögenslage der Bauern nehmen. Nur 77 der 796 wiesen ein Vermögen von über 100 fl, nur acht über 210 fl aus.65 Das durchschnittliche Vermögen betrug 45,3 fl und befindet sich in einer erstaunlichen Nähe zu den Katzenelnboger Zahlen. Die beiden Beispiale zeigen damit auch, daß in den Kolonisationsgebieten nicht alle Dörfer durch gut ausgestattete Kolonen und Hufenbauern von den westdeutschen unterschieden. Die bäuerlichen Erträge werden von zwei Faktoren bestimmt: Vermögen und Arbeit. Modellhaft können wir davon ausgehen, daß der Faktor Vermögen entsprechend einer Kapitalverzinsung von 5% in beiden Beispielen jährlich 2,26 fl erbrachte. Wieviel dem Faktor Arbeit zuzurechnen ist, bleibt unbekannt. Eine gewisse Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß unsere Zahlen vom Bruttovermögen handeln, also die Kapitalerträge vor Abzug von Belastungen und Kosten anzeigen.

Die bäuerlichen Erträge werden von zwei Faktoren bestimmt: Vermögen und Arbeit. Modellhaft können wir davon ausgehen, daß der Faktor Vermögen entsprechend einer Kapitalverzinsung von 5% in beiden Beispielen jährlich 2,26 fl erbrachte. Wieviel dem Faktor Arbeit zuzurechnen ist, bleibt unbekannt. Eine gewisse Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß unsere Zahlen vom Bruttovermögen handeln, also die Kapitalerträge vor Abzug von Belastungen und Kosten anzeigen.

In mehrfacher Hinsicht erscheinen die Zahlen außerordentlich niedrig. Wie wollte ein Bauer von dieser Vermögensbasis zu einem Einkommen von - sagen wir - 15 fl pro Jahr kommen? Schockierend ist der Vergleich mit den oben zitierten Kaufpreisen fränkischer Höfe am Ende des 15. Jahrhunderts, im Durchschnitt 521 fl, der allerdings hauptsächlich von der kapitalisierten Herrengült gerwonnen wurde, also nichts über das Einkommen der Bauern, in diesem Fall wohl Hofbauern, aussagt. Dieses Einkommen dürfte aber kaum niedriger als die Herrengült, also 26 fl, gewesen sein. Die Kaufkraft des Gulden in Roggen war in Sachsen und in Franken etwa die gleiche. Ein Scheffel von 102 l kostete in Sachsen 10 Groschen oder ½ fl.

Eine Erklärung für die Diskrepanz zwischen den fränkischen Hofpreisen und den vorhergenannten Zahlen Katzenelbogens und Grimmas liegt wohl darin, daß letztere als Durchschnittszahlen viele unbedeutende Vermögen von Kleinbauern integrieren.

Darauf deutet auch eine obrigkeitliche Berechnung bäuerlicher Vermögen in Basel hin. Basel stellte 1525 - im Zusammenhang mit Tauschverträgen - Berechnungen über das Vermögen der eigenen Bauern und der Solothurner Leibeigenen, die im Basler Territorium lebten, an. Danach betrug das Vermögen der eigenen Bauern im Durchschnitt das Vierfache des der Solothurner. Es ist vorstellbar, daß die auswärtigen Leibeigenen zur Unterschicht gehörten. Allerdings könnte Basel aus dem Interesse an günstigen Tauschbedingungen die Solothurner zu niedrig veranlagt haben.66 Das Vermögen der eigenen Bauernfamilien hätte bei 200-400 lb d oder nahezu so viel Gulden gelegen, was bei einem Zins von 5% auf eine Rendite von 15 fl hinausgelaufen wäre. Da auch hier wieder die Arbeitskraft hinzu gerechnet werden muß, wären diese Bauern also besser gestellt gewesen als jene in den vorher genannten Gegenden. Die Solothurner Bauern im Basler Gebiet kämen dagegen nur wenig über das Vermögensniveau hinaus, das wir in Katzenelnbogen und Grimma kennengelernt haben.

Besitzverteilung in den Dörfern

Von der Grundherrschaft wenden wir uns nun der engeren Gruppierung der Bauern in den Dörfern zu.

Kleinstellenbesitzer konnten nur durch Lohnverhältnisse überleben. Hierbei stellt sich sogleich heraus, daß es neben Grund und Boden, den Produktionsmitteln und der Arbeitskraft noch einen weiteren Faktor gab, der für die Überlebensfähigkeit der Bauern wichtig war: die Dorfstruktur. Auch für sie waren in den Kolonistendörfern die Verhältnisse am besten. Im Altsiedelland gabe es ein eher prekäres Gleichgewicht.

Eine ausgesprochene Grenzsituation treffen wir in dem Hegauort Bohlingen etwa 1300, wo es um den ehemaligen Fronhof herum 10 Huben, 12 Seldengüter und 9 Schupposen gab.67 Letztere beide Gruppen waren zusammengefaßt gut doppelt so zahlreich wie die Huben. Wie lange würde der große Hof genügend Arbeit für die Selden und Schupposen bieten?

Hildegard Weiss führt aus dem Urbar von Ebrach eine Reihe von Dörfern an, deren Struktur man als die einer stumpfen Pyramide bezeichnen kann. Ihnen fehlte nämlich der zentrale große Hof. 35 Mansen lagerten sich z.B. über 52 Inquilinen. Wegen der hohen Zahl von Inquilinen war auch in diesem Dorf die Situation kritisch. Besser stand es in Buch mit acht Höfen (=Mansen) und zwei Seldenund in einem zu Heilsbronn gehörenden Dorf Höfstetten. Dieses hatte 1504 sechs Betriebe mit durchschnittlich 49 mittelfränkischen Morgen, also 25 ha, und war aus einer großzügig geteilten Grangie hervorgegangen.68

In den Überlebenskampf von Kleinstelleninhabern leuchtet ein Urteilsspruch hinein. 1487 gab es im Dorf Merkingen einen Streit zwischen den vier Bauern, die Höfe hatten - gemeint sind wohl Hufenbauern - , den vier Lehnern und den zwei Selden über die Anteile an der gemeindlichen Schafhaltung. Die Höfe bekamen die Genehmigung für jeder 45 Schafe, so auch drei Lehen. Dem vierte Lehen und den zwei Selden wurden jeder 29 Schafe zugebilligt. Von einem ähnlichen Konflikt berichtet auch ein Zeugnis aus Zipplingen. Dort klagten 1320 die Seldner gegen die Bauernschaft um die Benutzung der Brache.69

Weistumsregelungen über Pflichten und Rechte der einzelnen Gruppen bleiben sporadisch. Auch der Flächenumfang der Betriebe ist nur fragmentarisch, meist bei den größeren überliefert. Durchgehend kennen wir die Abgaben, insbesondere zwei: die Gült und den Zehnten als Spiegel der relativen Schichtung der Betriebe im Dorf zu ermitteln. Allerdings müssen wir die in verschiedenen Naturalien und Geldsorten geleisteten Abgaben auf eine Geldsorte hin umrechnen.

Zunächst beleuchten die Abgaben noch einmal die Streuung des Umfangs von Betrieben von gleicher Bezeichnung, Hof, Hufe, Selde usw. In dem Weindorf Sommerach leisteten nach einem Urbar von 1493 zwei Höfe, der eine 840 und der andere 40 d.70 Nur der erste darf als ein echter großer Hofbauernhof angesehen werden. Acht Huben leisteten 60-578 d. Zwischen den Betrieben verschiedener Bezeichnung gab es große Überschneidungen in den Abgaben, aber trotzdem einen deutlichen Unterschied im Abgabendurchschnitt. Bei den Huben betrug er 188 d, bei den Lehen 108d.

Das genannte Urbar verzeichnet 90 Hofstätten und Häuser, deren Abgabendurchschnitt bei 31 d lag. Zu diesen Hofstätten und Häusern gehörte aber eine große Zahl walzender Güter, für die gesondert zu zinsen war, was die Abgabenlast der Hofstätten und Häuser etwa verdoppelt haben dürfte. Über 100 weitere Zinspflichtige hatten keine zinspflichtige Behausung, sondern zinsten nur von dem walzenden Gut, das sie - soweit sie nicht Bauern aus benachbarten Dörfern waren - von Mietwohnungen aus bewirtschafteten. Sowohl die Inhaber der Hofstätten und Häuser als auch die Mieter standen vornehmlich als Lohnhäcker zur Verfügung.

Ich füge an Sommerach noch zwei weitere Weindörfer an. Gerade wegen der großen Zahl der zuletzt genannten Kategorie lag die durchschnittliche Abgabe in Sommerach bei 67 d sehr niedrig. In einem anderen Weindorf, Sulzfeld, betrug sie 1470 etwa das Doppelte, 132 d, und stieg bis 1498 auf 163 d.71 Die Zahl der Zinspflichtigen war etwa halb so groß wie in Sommerach. Auch die walzenden Güter waren viel weniger zahlreich. Die Produktion wurde in Sulzfeld offenbar anders als in Sommerach organisiert und geschah von den Betrieben mit hauseigenen Knechten und Mägden.

Das Fragment eines Weindorfes bildete Mühlbach bei Karlstadt, das immerhin einen eigenen Schultheißen hatte. Außer zwei Mühlen werden nur 72 walzende Güter, Weingärten, und 75 Zinspflichtige, von denen 55 Weingärten hatten, bezeugt. In diesem Fall kennen wir aus dem Urbar sogar den Flächenumfang des Weingartenbesitzes. Er lag im Durchschnitt bei 1,61 Morgen und trug eine Abgabe von 20 d. Die meisten Zinspflichtigen hatten einen Morgen, der etwa einen Fuder Wein zu 10 fl erbrachte. In einem oben erörterten Modell waren wir zu einer Abwanderungsschwelle von 40 fl Jahresertrag gekommen. Um über diese Schwelle zu kommen, wären hier also vier Morgen notwendig gewesen.

Unter den Dörfern, die Getreide anbauten, nahm Riedenheim eine Sonderstellung ein, weil nur hier die durchschnittliche Belastung der Huben mit 168 d kleiner als die durchschnittliche Belastung des ganzen Dorfes mit 188 d war. Die letztere wurde durch die zahlreichen Höfe angehoben, die wohl aus früheren Fronhöfen hervorgegangen sind und deren Belastung erheblich war. Gleichzeitig ist nur eine geringe Anzahl von Kleinbetrieben und walzenden Gütern festzustellen. Die Zahl der Zinspflichtigen ist mit 37 ebenfalls außerordentlich niedrig. Man wird sagen können, daß die Produktion ähnlich wie in Sulzfeld organisiert war.

Ich dehne die Betrachtung auf fünf weitere Getreidedörfer aus. Es gab erhebliche Unterschiede in der durchschnittlichen Abgabenbelastung, die von 62-303 d reichte. Ein Teil dieses Unterschiedes erklärt sich aus dem Verhältnis des walzenden Gutes zu den Betrieben, das in Dingolshausen mit dem kleinsten Abgabendurchnitt 10 zu 1, sonst 2 zu 1 oder gar 1 zu 1 betrug. Der größte Abgabendurchschnitt ist in Prosselsheim festzustellen. Dieses überrascht, denn die Spitze der Pyramide, zwei herrschaftliche Eigenhöfe, waren abgabenfrei und wirkten sich deswegen nicht auf den Durchschnitt aus. Außerdem war fast die Hälfte der Zinspflichtigen nur mit walzendem Gut ausgestattet. Aber die Betriebe selbst waren relativ groß. Eine halbe Hube zahlte 200 d. Ein Drittel der Zinspflichtigen hatte mehr als eine halbe bis zu fünf halben Huben.72

In Geldersheim, dem Dorf mit dem zweithöchsten Durchschnitt (262 d) wurde dieser ähnlich wie in Riedenheim durch drei große Höfe nach oben gezogen. In Saal (113 d) gab es unter den zahlreichen Betrieben viele kleine, darunter sogenannte Erben, wohl Hofstätten. In Willanzheim (101 d) überstieg die Zahl der Zinspflichtigen die der Betriebe etwa um das doppelte und war wohl mit walzendem Gut ausgestattet. So findet die Schichtung in jedem Dorf ihre eigene Erklärung. Im ganzen kann man wohl sagen, daß die Zersplitterung der Flächen den Abgabendurchschnitt ebenso drückte wie das walzende Gut, das nicht an Betriebe angeschlossen, sondern überwiegend von Landarbeitern nebenher mit bewirtschaftet wurde. Wenn ursprünglich einmal Huben in den Dörfern mit gleicher Größe ausgemessen worden waren, ging diese Gleichheit durch Teilungen und neue Zusammenlegungen verloren.

Die Aneinanderreihung der Abgabendurchschitte zeigt bereits, daß es durchschnittlich hoch belastete und niedrig belastete Dörfer gab. Daraus kann man hypothetisch auf arme und ärmere Dörfer schließen. Die Wertheimer Steuerbücher von 1359/1373 hat. Wilhelm Störmer verwertet und die Steuerzahler nach Dörfern ausgezählt . Danach gab es z.B. Dörfer, in denen die Hälfte der Bewohner nichts zu versteuern hatte, so in Greußenheim 15 von 32. In anderen Orten konnten alle Steuern zahlen, und zwar in kleinen Dörfern, wie Hasloch mit 14 Steuerzahlern und größeren, wie Freudenberg mit 56. Allerdings sind diese Zahlen für die Dörfer im ganzen nicht verwertbar, da wir die anderen Grundherrn in ihnen nicht kennen.73

Der Zehnte, ursprünglich eine Abgabe zum Unterhalt der Dorfkirchen, war im Spätmittelalter in der Hand der geistlichen und besonders der weltlichen Herrschaftsträger und wurde dorfweise eingezogen. Der große Zehnte oder Getreidezehnte dürfte, von Ausnahmen abgesehen, ein Zehntel des Ertrages gewesen sein und läßt also auf den Getreideertrag in einer Dorfmark zurück schließen.74 Eine Modelluntersuchung für die ehemaligen Landkreise Hofheim und Ebern erbringt folgendes. Da überwiegend die bewirtschaftete Getreidefläche aus neuzeitlichen Quellen bekannt ist und zurück projiziert werden kann, läßt sich die durchschnittliche Produktivität eines Morgens mit einem Scheffel (116-140 l) ermitteln.75 Dadurch wird das oben erörterte Produktivitätsmodell (Tabelle der Erträge und Abgaben von Hofbauern) in etwa bestätigt. Unter Berücksichtigung der Betriebe und Familien im Dorf kann man den durchschnittlichen Getreideertrag pro Betrieb und Familie berechnen. Rudolf Harrer hat nun 40 Scheffel als Existenzminimum postuliert, was in der Mitte zwischen Kernversorgung und Abwanderungsschwelle gelegen haben dürfte. Eine Kernversorgung von 390 l oder etwa drei Scheffeln pro Person, 15 Scheffeln pro Familie steht einer Abwanderungsschwelle von 66 Maltern oder 85 Scheffeln gegenüber. Nur in 13 von 81 untersuchten Dörfern wurden 40 Scheffel im Durchschnitt der Betriebe und Familien erreicht.

Sicherlich sind die Dorfstrukturen im Spätmittelalter nicht gleich geblieben. Von der Aufteilung alter Fronhöfe und Eigenhöfe, von der Ausstattung von Landarbeiterhäusern mit Ackerland, der Teilung sowohl der Huben als auch solcher Kleinstbetriebe, hörten wir. Teildorfwüstungen und Siedlungskonzentrationen in Großdörfern könnte man hinzufügen. Alles dies wird die Dorfstruktur verändert haben. Es fehlt an Studien, die den Strukturwandel verfolgen. Gab es ein Bevölkerungswachstum, das die Landflucht übertraf und sich in der Dorfstruktur niederschlug?

Rolf Kießling stellt diese Frage für Dörfer der Memminger Landgebiete. Neben solchen, die im 15. Jahrhundert, wie Woringen, eine gleichbleibende Struktur hatten, gab es solche, die offenbar umstrukturiert wurden und bei denen, wie Erkheim, die Kleinbauern-Stellen verdoppelt oder wie Stetten, wo aus einem Meierhof und vier Selden nach 1435 vier Güter, ein Gütlein und 10 Hofstätten mit Seldenhäusern wurden.76

Auch in der Grundherrschaft von Michelsberg gab es nebeneinander Dörfer, in denen sich die Betriebseinheiten durch Teilung vermehrten, und solche, in denen sich nichts veränderte. In Abtsdorf waren 1495 aus 10 ½ 15 Güter geworden, in Altershausen 1483 aus 2 ½ 8, in Bischberg 1432 aus einem mansus zwei halbe und 1433 ein halber und zwei Viertel. In Burk wurde vor 1481 ein Gut in vier Teile geteilt, in Dörnwasserlos vor 1498 ein Hof in einen halben und zwei Viertel. In Dörfleins konnte das Kloster demgegenüber die zwei Hälften des Klosterhofes 1451 wieder zusammenführen. Der Besitz in Burgellen schrumpfte sogar vor 1498 von einer Hufe und neun Lehen auf eine Hufe und ein Lehen.77

Für zwei hochstiftisch Würzburger Dörfer konnte Dieter Rödel jeweils zwei Einkünfteverzeichnisse des späten 15. Jahrhunderts, die 30, bzw. 40 Jahre auseinanderliegen, auswerten. Das erste Dorf, Sulzfeld, hatte eine gleichbleibende Gesamtzahl von Zinsern. Aber die Hubenteile, Lehen und Lehenteile stiegen zusammen um 31, die verzinsten "Häuser" und Hofreiten nur um 6 an. Daraus ist zu schließen, daß ein größer werdender Prozentsatz der Dorfbewohner an den kleiner werdenden Huben und Lehen partizipierte. In dem zweiten Dorf, Riedenheim, stieg die Bevölkerung 1467-1513 um 14%, also um 0,33% im Jahr. Gleichzeitig scheinen Huben zusammengelegt worden zu sein. Dafür hat sich der Besitz zu gesamter Hand verbreitet, der die Bevölkerungsvermehrung immer dann auffängt, wenn die Betriebe praktisch nicht mehr teilbar sind.78

Zusammenfassung

Im diesem Beitrag wurde – um kurz zusammenzufassen – zunächst die tiefe Aufsplitterung der bäuerlichen Besitzgrößen auch innerhalb einer gleich benannten Kategorie von Betrieben dargestellt. Sie wirkte sich auf die Differenzierung der Abgaben der Betriebe aus, die im Interesse der Herrschaft lag, um möglichst viele Landbewohner unterhalb der Hofbauern zu den Abgaben heranzuziehen. Und diese Landbewohner dürften einen erheblichen Teil der Abgaben aufgebracht haben, im Beispiel der Großvogtei Celle etwa die Hälfte, in anderen Fällen, wie der Kommende Oettingen, weniger. Wenn in einem Dorf die Hofbauern ganz fehlten, mußten die kleineren Bauern alle Abgaben aufbringen. Die Kleinheit vieler Betriebe führte zu der Frage: Wieviel Boden brauchte man, um zu überleben? Dabei sind die Begriffe Kernversorgung und Abwanderungsschwelle als untere und obere Armutsgrenze hilfreich. Nicht voll verwertbar sind die Vermögensangaben in Steuerlisten. Immerhin beeindruckt die überwiegende Geringfügigkeit der bäuerlichen Vermögen. Nur Kolonistendörfer, Weingegenden und Getreidedörfer in der Nähe größerer Städte dürften teilweise besser gestellt gewesen sein. Der Vergleich von Dörfern ist nicht nur von Interesse, um arme von ärmeren Dörfern zu unterscheiden, sondern um die Frage zu beantworten, ob das Verhältnis der überall vorhandenen Kleinstelleninhaber, die auf Lohnarbeit angewiesen waren, zu den größeren Höfen ausgewogen war. Im negativen Fall fand sich ein Dorf in einer Grenzsituation. Diese Situation wurde noch verschärft, wenn durch Geburtenüberschüsse die Dorfbevölkerung wuchs.

Die Entwicklung der Dorfgemeinde – Abgrenzungen und Vorgeschichte

Das Dorf hatte nicht nur eine wirtschaftliche Seite, sondern auch eine rechtliche, die mit der ersten mehr oder weniger korrespondierte. Derrechtlichen Seite wende ich mich nun zu.

Dörfer waren zunächst einmal Häusergruppen. Nicht jede Häusergruppe wurde zu einem Dorf im Rechtssinn. Im Würzburger Lehenbuch werden zu 1405 sieben Güter in einem "Dörflein oder Weiler" genannt (lf 11, f. 85). Dörfer, Weiler und Höfe warem zentrale Begriffe, die regelmäßig in formelhaften Aufreihungen der Siedlungen eines Herrschaftsbezirks, eines Burgbezirkes oder Amtes, erscheinen. Längere Aufreihungen größerer Bezirke begannen mit Städten und Märkten und schoben zwischen Weiler und Höfen die Wüstungen ein. Gemeindeverfassungen haben Dörfer, aber nicht die Weiler erlangt. Es fällt auf, daß in der EDV Quellensammlung bei der Mehrzahl der Weiler abgegangen notiert wird. Daraus ist zu schließen, daß ihre Bewohner weggezogen sind oder sich gemeindlich an ein benachbartes Dorf angeschlossen haben. Auf letzteres deutet es, wenn Dorf und Weiler den selben Namen trugen, wie z.B. Erlenbach, das 1496 an Berlichingen verliehen wurde (lf 29, f. 69), oder wenn in dem gleichen Jahr Hohenlohe das Dorf Künzelsau mit allen Weilern, Höfen usw. bekam (lf 29, f. 6-7). Die Namengeschichte läßt darauf schließen, daß wiederum 1496 ein Weiler zu einem Hof geschrumpft ist: Der "Hof Schlempersweiler" heißt heute Schlempertshof (lf 29, f. 94). 1427 erhielten die Vestenberg einen "Hof genannt Weiler" (lf 25, f. 76). Auch in diesem Fall möchte ich auf das Absinken eines Weilers zu einem Hof schließen.

Die Angelegenheiten der Weiler wie der Höfe wurden von der Herrschaft, zu deren Bezirk sie gehörten, geregelt. In der Herrschaft Weinsberg wurde 1502 einmal von der Vogtei des Weilers Klingen gesprochen, die eine Untereinheit des Herrschaftsbezirkes darstellte (lf 31, f. 139). Außerdem gehörten die Weiler zu Zentbezirken. Bei der Ordnung der Zent von Gelchsheim wurde 1470 von den Dörfern, Weilern, Höfen und Wüstungen, die in die Zent gehören, gesprochen (lf 21, f. 125). Bemerkenswert ist es auch, daß in einer Regelung neuer Wechselkurse durch den Bischof 1456 zu den Orten, an denen Geldgeschäfte getätigt wurden, nach Städten, Märkten und Dörfern auch noch Weiler, aber nicht mehr Höfe gezählt wurden (ldf 12, S. 661).

In anderen Gegenden Deutschlands gab es Gruppen von auseinander liegenden Einzelhöfen, die ein Dorf im Rechtssinn bildeten.

Das spätere Remscheid war im Spätmittelalter eine Streusiedlung von 40 Höfen an 34 Wohnorten, die eine "Gemeinde" bildeten und als solche gemeinsam ihre Abgabenpflicht erfüllten. An der Strunde, östlich Köln, lag eine Streusiedlung von 26 Höfen mit einer gemeinsamen Kirche. Im 16. Jahrhundert sind ein Schultheiß und sechs Schöffen dieser Siedlung bezeugt.79

Es gab auch Mischformen.

Im Memminger Landgebiet wurden zu den 40 Bauernstellen des Dorfes Woringen sieben "Einöden" und zu den 24 Bauernstellen von Frickenhausen drei "Einöden" gerechnet,80 die topographisch außerhalb des Dorfzusammenhanges standen, rechtlich aber dazu gehörten.

Das Verhältnis von Dörfern zu Einzelhöfen konnte langfristig stabil sein oder sich rasch wandeln.

Brüdeln bei Hildesheim schrumpfte vom Dorf zum Hof und war 1338 wieder ein Dorf geworden.81

Die Einzelhöfe waren im Spätmittelalter noch nicht so zahlreich wie heute.

Man spricht z.B. in Oberbayern von einer "Vergrünlandung", der Einrichtung immer neuer Schwaigen, einzelne Viehhöfe. Im Herzogsurbar von 1280 gab es 100 Schwaigen, später waren es Hunderte.82

Man wird annehmen können, daß das dörfliche Zusammenwohnen weniger dringend geboten war, als der moderne Staat seinen Gebietsfrieden errichtete.

Die Vorgeschichte der spätmittelalterlichen Dorfgemeinden reicht bis in die Anfänge der schriftlichen Überlieferung und darüber hinaus bis zu den Reihengräbern, man könnte sagen bis zum Beginn der Sesshaftigkeit der germanischen und slawischen Völker zurück. Sicherlich kennt man lange Zeit nur die bloße Existenz bäuerlicher Gruppensiedlungen. Mit dem Beginn der schriftlichen Überlieferung treten mehr und mehr rechtlich unterschiedliche Dorftypen zu tage. Die größten Rätsel geben sicherlich solche Dörfer auf, die, wie in Franken, zwar jeweils eine zusammenhängende Mark oder Gemarkung besaßen, deren Bauern aber unterschiedlichen Herrn gehörten. Das Zusammenleben in diesen Dörfern scheint in einer Weise organisiert worden zu sein, die uns unsichtbar bleibt. Die späte Karolingerzeit und das Hochmittelalter durchzogen der Aufbau und Abbau von Villikationen sowie die Ansiedlung neuer Dörfer im Rahmen der Binnen- und Ostkolonisation. Das Bild des Spätmittelalters wird von einer Aufsplitterung der Herrschaftsverhältnisse und einer kommunalen Bewegung der Bauern bestimmt, die sich an die herrschaftlichen Rahmenbedingungen anlehnte oder über die herrschaftlichen Aufsplitterungen hinweg ging. Der bäuerliche Impuls in der Entwicklung des Dorfes hängt mit anderen emanzipatorischen bäuerlichen Bestrebungen, etwa mit der Landflucht und Durchsetzung des Erbrechts, zusammen.

Es ist eigentümlich, daß in einigen Dörfern, wie wir es schon oben an einigen fränkischen Beispielen sahen, der Adel an der Gemeindebildung teilnahm.

Die hessische Gemeinde Leihgestern, "edel und unedel", trat - um ein weiteres Beispiel zu nennen - 1356 als Prozeßpartner auf.83 Schwieriger war es, die Teilnahme von Herrschaftsträgern zuzulassen. Das eben genannte Leihgestern stritt darüber mit den Deutschherrn von Schifferberg, die einen Hof im Dorf mit einem Bauern besetzten und in Holz- und Flurfragen zugezogen werden, sowie einen Flurschützen einsetzen wollten, was ihnen erst in einem Schiedsgericht eines Amtmanns des Grafen von Nassau zugestanden wurde.

Die Funktionsträger

Die Dörfer des Altsiedellandes sind überwiegend aus früheren Villikationen hervorgegangen. Aus Hofrecht wurde Dorfrecht. Die Kolonistendörfer beruhten dagegen auf einem herrschaftlichen Gründungsakt. Die dörflichen Funktionsträger wurden in beiden Fällen von der Herrschaft eingesetzt und hatten neben Herrschaftsfunktionen solche der Vermittlung zwischen Herrschaft und Abhängigen. Reichsdokumente, wie der Anschlag zur Hussitensteuer von 1427 zitieren Institutionen, mit denen man in den Dörfern rechnete. Die Steuer sollte von zwei Gerichtsschöffen oder, wenn diese nicht vorhanden, von zwei Kirchgeschworenen und zwei aus der Gemeinde eingesammelt werden.84

Schultheiß und Schöffen wurden in der Tat erst im 15. Jahrhundert allgemein verbreitet. Ein frühes Zeugnis ist jenes von Theres. In Obertheres setzte das Kloster Theres den Schultheißen ein, der in der Mitte des 14. Jarhunderts mit 24 Gemeindemitgliedern, wohl einer Art Vollversammlung, namens der Gemeinde urkundete.

1401 erlaubte König Ruprecht dem Endris von Weiler in seinem Dorf Auenstein solche Institutionen zu schaffen und durch sie dort Gericht halten zu lassen. !434 ließ sich das Spital von Nördlingen von König Sigismund für seine Dörfer das Privileg geben, sie mit Schöffen zu besetzen, die über "Erbe, Geldschuld" und ähnliches zu richten hätten.

Wenn kein Schultheiß vorhanden wäre, heißt es 1494 für Esselbach und Oberndorf, sollte der Dorfherr mit der Nachbarn, also der Gemeinde, Rat einen einsetzen.85

Nach der "Dorfordnung" des "Marktes" Bütthard von 1510 setzte der Bischof nicht nur den Schultheiß, sondern auch die 12 Gerichtsschöffen, den Gerichtsknecht und fünf "Steinsetzer" ein, die in "Gemeindesachen getreulich handeln" sollten (ldf 19, S.245-248). Zum Schultheiß gehörten die Schöffen. Die kleineren Dörfer schickten ein bis zwei Schöffen in das Zentgericht. Größere Dörfer mit einem eigenen Dorfgericht hatten für sich selbst eine Gruppe von in der Regel wohl 12 Schöffen.

Während schon im Hochmittelalter der Schultheiß mit Gericht und Polizei assoziiert wurde, war der villicus damals eine Art Fronhofsvorsteher gewesen. Villicus wurde im Deutschen wie maior mit Meier übersetzt. Nach der Auflösunbg der Villikationsverfassung blieben für den Meier oft Restfunktionen eines Fronhofsverwalters. Aber der Meier konnte auch in die Aufgaben eines Schultheiß einrücken.

In den Peterhof von Neumagen setzte der Trierer Erzbischof 1325 den "villicus" ein. Die "homines" des Hofes wählten die Schöffen. Ähnlich war es im Raum von Hildesheim, wo "Meierdinge" abgehalten wurden. In einige Dörfer des Kolonisationsgebietes wurde der "villicus" mit den Funktionen eines Schultheiß eingesetzt. 1253 wurden dem magdeburgischen Kloster Leubus Dörfer übergeben, in denen der "villicus" Gericht, die vier Hochgerichtsfälle ausgenommen, halten sollte. Ein nuncius des Klosters sollte daran teilnehmen.86

Umgekehrt konnte auch der Schultheiß die Restfunktionen eines Fronhofverwalters übernehmen. In Karlburg sagte 1453 der Schultheiß den Schöffen und der ganzen Gemeinde vor, was ihre Rügpflicht wäre. Gleichzeitig hatte er mit dem Grundbesitz zu tun. so daß er den förmlichen Besitzwechsel der Huben vornahm und Handlohn kassierte, was man eher von einem Meier erwartet hätte (krb f. 67-68).87

Ein weiterer herrschaftlicher Beamter war der bäuerliche Vogt, der den adeligen Vogt oder den Grundherrn, sofern dieser selbst Vogt war, vertrat. In Gochsheim, das in sich eine besondere Tradition der Reichsnähe ausgebildet hatte, wurde der Vogt von der Stadt Schweinfurt gestellt. Dieser durfte nur strafen, wenn "die sieben Schöffen des Heiligen Reiches" ein Urteil gefällt hatten.88

In den Würzburger Kopialbüchern werden regelmäßig Schultheiß, Dorfmeister und die ganze Gemeinde aufgezählt. Kleinere Dörfer oder Dorfteile, die einem Grundherrn gehörten, der nicht der Dorfherr war, hatten einen Dorfmeister. Die Aufgaben eines Dorfmeisters bleiben erwas unklar und waren wohl von Dorf zu Dorf verschieden. Überall treffen wir auf die Feldrichter oder Untergänger als Untergebene, ausführende Organe von Schultheiß und Dorfmeistern. Wenn die Gemeinde von Gerchsheim sich beklagte, die Dorfhecke sei nicht gemacht, hatten die "Heimerichen" oder die "Heimburgen", wie hier die Dorfmeister genannt wurden, 1488 Macht, den "Landschiedern" zu gebieten, die Hecke zu machen.

In Westdeutschland begegnen neben Dorfmeistern, die auch hier "Heimburgen" genannt wurden, die "Heimgereiden", deren Titel mit einer Haupttätigkeit der Dorfvorsteher, dem Berechnen von Nutzungen und Abgaben der Einwohner, zusammenhängt.89

Im Bambergischen wurde mehrfach einem Dorf ein Rat konzediert. Bürgermeister und Rat hoben ein Dorf aus den anderen heraus. Schlüsselfeld, das damit ausgestattet war, wurde 1498 in einer Ordnung "Markt" genannt (ldf 19, S.41f.). In lateinischen Dokumenten wird der Bürgermeister oder Bauermeister auch "iudex" genannt.

Die politisch gewichtigen Tiroler Gemeinden hatten "Syndici" genannte Gemeindevorsteher. Im Südwesten ist statt des Rats von den Vier, den Zwölf oder sogar den Vierundzwanzig die Rede, die entweder eingesetzt, kooptiert oder von der Gemeinde. gewählt wurde. Die Gemeinde heißt hier manchmal Geburschaft.90

Die Gemeindeentwicklung lag im Interesse der Bauern. Wesentliche Anstöße gingen dabei von der Herrschaft aus. Dabei ist hauptsächlich an die Vogteiherrschaft zu denken, die sich zu einer Dorfherrschaft ausgestalten konnte. Die Vogteiherrschaft konnte mit der Grundherrschaft identisch sein oder die Bauern anderer Grundherrn umfassen, die dann eine gewisse Einschränkung für die Dorfherrschaft bedeuteten. Die Leibherrschaft spielte für die Dorfbildung kaum eine Rolle. Die Herrschaft im Sinne von Vogtei oder Dorfherrschaft übte ihren Einfluß auf die Dorfentwicklung durch Maßnahmen, Forderungen, Verordnungen und Geboten aus, die sich alle an eine Gesamtheit, eine Gemeinde richteten, z.B. wenn die Herrschaft die Nachbarn als Kundschafts- oder sogar als Schiedsleute heranzog. Wer in diesem Dorfe zu gebieten und verbieten habe, lautete eine gern an die Schöffen gestellte Frage.91 Die Rolle als Vermittler zwischen Herrschaft und Abhängigen wurde den Funktionsträgern manchmal schwierig. In Urphar und Lindelbach wurde 1432 festgesetzt, daß der Schultheiß auszuführen hätte, was "die Mehrheit der Gemeinde um des gemeinen Nutzens willen" für richtig hielt. Der Graf von Wertheim wollte sich vor Zwischenherrschaften und Entfremdungen schützen, wenn er in einem Weistum für Steinfeld um 1450 feststellen ließ, daß kein Edelmann Schultheiß werden dürfe.92 Nicht nur das Verhältnis der Herrschaft zu den Bauern war oft schwierig, sondern auch das der Meier zu den kleineren Bauern. Das Meier-Amt war ungeliebt.

St. Alban z.B. hatte Schwierigkeiten, es in Appenwihr zu besetzen. 1388 mußte die Abgabe vom Meierhof von jährlich acht Gulden auf sechs gesenkt werden. Man verlieh das Meiertum einem der Hubner, zuweilen zweien. Die Frondienste der übrigen Bauern für den Meier, Pflug- und Schnittdienste, konnten nur als Gegenleistungen dafür, daß er Zuchttiere hielt, aufrecht erhalten werden.93

Der Hofmann auf einem Vorwerk hatte im fränkischen Obersfeld einen Vorrang bei der Besetzung der Stelle eines Bauermeisters, wenn er der Gemeinde "gefällig" wäre.94

Die herrschaftlichen Ämter im Dorf konnten zu Realrechten werden, die sich mit bestimmten Höfen verbanden und mit diesen in die Tendenz zur Erblichkeit hineingezogen wurden.

1278-1280 gab es im südbadischen Kembs einen Prozeß, in dem die "geschworenen Hubner" feststellten, daß der Meier das Amt nur im Namen seiner Frau ausüben dürfe, die es wohl geerbt hatte95

Es gab auch Dörfer, die sich, ähnlich den Städten, des Schultheißen entledigten oder die Herrschaft auf die Einnahmen aus dem Amt reduzierten.

Nur so ist es zu verstehen, daß 1453 in der Herrschaft von Mariengraden ein Schultheißenamt auf sechs Jahre an eine Witwe verpachtet wurde.96

Wenn Dorfgemeinden mit inneren Problemen nicht fertig wurden, griff die Herrschaft mit Ordnungen ein, so 1498 in Schlüsselfeld, wo die "Männer und Frauen einander ... je zu Zeiten mit schmählichen Worten angetastet und ... beschädigt haben"( ldf 19, S. 41). 1456 bescheinigte der Bischof von Würzburg der Gemeinde Saal, daß sie nicht den Klaus Koch vor dem Bischof verklagt und ihn deswegen in das Gefängnis gebracht habe, daß sie zu unrecht dessen beschuldigt worden sei (ldf 12, S.644f.). Ob dieser "Entschuldigungsbrief" das Dorf vor Revancheakten des Klaus Koch schützte?

Die Anteile der Herrschaft an der Entstehung von Dorfgemeinden waren in den Gegenden der Ost- und Binnenkolonisation am größten. Dort wurden ganze Dörfer mit allen Institutionen von oben in einem Zug gegründet.

Ein Beispiel aus der Binnenkolonisation ist 1258 die Gründung einer "villa nova cum molendino et furno bannalibus", ein neues Dorf mit Mühle und Backofen unter herrschaftlichem Bann, in der Grundherrschaft der Domkirche von Trier. Zwei adelige Herren, gewissermaßen Lokatoren, hatten die Güter zu verteilen und einen "officialis", wohl Schutlheißen, zu wählen, der ihnen die Abgaben des Dorfes auslieferte, die eine Hälfte dem Domkapitel und Vogt, die andere den beiden Herren. Die Bauern werden "rustici mansionarii" genannt. Die Herren konnten sie "secundum novarum consuetudinem villarum" , gemäß dem Recht der neuen Dörfer, für "expeditiones" aufbieten. Wenn die Herren selbst einen "aratrum" , einen Pflug, führen, also Eigenwirtschaft treiben wollten, unterlagen sie demselben Recht wie die Bauern. Ein Beispiel aus der Ostkolonisation ist jener Breslauer Bürger, der 1350 von Karl IV. das Recht bekam, "rusticana bona locare", bäuerliche Betriebe anzusiedelen, bis zu 30 Hufen zusammenzukaufen und in eine Dorf zu verwandeln, "in villam convertere", einen Schultheißen, eine Taberne und Handwerker: Schmied, Bäcker, Schlachter und Schuster, einzusetzen.97

In den schwäbischen Kolonistendörfern - um noch einmal zur Binnenkolonisation zu kommen - ist es bemerkenswert, daß die Gründungsbriefe die Autorität der Gemeinde gegenüber den "Meistern" stärkten. So hieß es 1346 für Neumünster: "Nach vier ehrbarer Männer Rat können die Lehen entzogen und auch der Meister entsetzt werden". Für Grünenbaindt wurde 1324 verfügt, daß ein "Meister", der sein Lehen wegen Feindschaft oder wegen Armut verkaufen muß, sein Amt einem Dorfgenossen geben soll, der den anderen genehm ist. Im übrigen wollte hier der Dorfherr - damals ein Augsburger Bürger - beim Streit zwischen "Meister" und Bauern selbst richten, aber "ehrbare Leute" aus anderen neuen Dörfern herbeiziehen.98 Die neuen Dörfer im schwäbischen Holzwinkel wurden als eine besondere Gruppe empfunden.

Herrschaftliche Belastungen

Ein weiterer Anstoß auf die Entwicklung der Dorfgemeinden ging von der Herrschaft deswegen aus, weil sie es bald bevorzugte, Abgaben, Bede, Zehnten und anderes dorfweise einzusammeln.99

Vom Mittelrhein erfahren wir im 13. Jahrhundert etwas über die Entstehung der Bede. 1256 konnten zwei Dörfer von Eberbach erreichen, daß eine bisher ungemessene Bede - also eine fallweise einer Notlage entsprechende Hilfe für die Herrschaft - fixiert wurde und zwar auf 40 m d kölnischer Prägung wohl jährlich. Schon drei Jahre früher gelang es dem Erzbischof von Trier, vom Grafen von Nassau mehrere Vogteien pfandweise zu erwerben. Die dafür vorgestreckten Summen holte er von den betroffenen und interessierten Dörfern in Form von Beden wieder herein.100

Die Bede war im Unterfränkischen, wie die Lehenbücher zeigen, zunächst eine städtische Steuer und wurde vom Rat der Stadt gezahlt. Sie konnte vom Bischof bequem als Rentenlehen vergeben werden. Danach taucht als erstes am Anfang des 14. Jahrhunderts die Bede von Siedlungen bei Burgen auf, die in dieser Hinsicht wie Städte behandelt wurden, auch wenn sie Dörfer blieben. Im 15. Jahrhundert wird dann auch die Bede anderer größerer Dörfer in Verschreibungen und Belehnungen genannt.

Wir erfahren die Höhe der jährlichen Bede oder eine Mindesthöhe, wenn nicht sicher ist, daß die ganze Bede verschrieben wurde. 1461 sind es in Escherndorf 100 fl (ldf 12 S.117), 1462 in Sulzfeld 63 1/3 fl (lf 25 f. 8-9), 1513 in Hohenstadt 30 fl (lf 30 f. 156). Von 1458 ist ausnahmsweise einmal eine Quittung für 20 fl aus Kürnach erhalten, die aber nicht etwa das Dorf, sondern der Bischof von einem Dritten, an den die Zahlung abgetreten war, erhielt (ldf 11, S.298).

Von 1378 stammt ein Einkünfteverzeichnis der Markgrafen von Meißen, das die Bede-Einkünfte dorfweise auflistet.101

Eine gewisse Verwandtschaft mit der Bede hat der Vogthafer, eine Naturalabgabe. Die ganze Gemeinde von Dingolshausen mußte 1471 zehn Malter an den Bischof von Würzburg abführen (WSB 1, f. 179). Wenn Vogt und Grundherr getrennt waren, mußte die Gemeinde mit dem Vogt wegen seiner Forderungen gesondert verhandeln.

Der Rat von Konstanz war 1301 Vogt von Triboltingen und trat der Gemeinde mit Fronforderungen gegenüber.1264 wurde die Gemeinde Güls bei Koblenz durch den edelfreien Vogt auf 15 Jahre gegen eine Geldleistung von allen Abgaben und Diensten an die Vogtei befreit. Wenn er die Vogtei ganz verkaufen wollte, sollte er sie zuerst dem Grundherrn, dem Kloster Siegburg und der Gemeinde Güls anbieten.102

Der Abt von Ebrach zog im größten Teil seiner Grundherrschaft das "Rauchpfund", ein Pfund Pfennige pro Herdstelle, ein. Davon waren nicht nur die Haus- und Hofbesitzer, sondern auch die Mieter betroffen. Entsprechend setzte sich in den Ebracher Dörfern die Gemeindeversammlung aus "Haussassen" und "Beisassen", den Mietern, zusammen.103

Die vogteiliche Dorfherrschaft belastete regelmäßig auch die Bauern anderer Leib- und Grundherrschaften im Dorf. Ausdrücklich forderte der Graf von Wertheim um 1450 von allen Bauern in Karbach die Baufron auf seiner Burg Rothenfels. Eine weitere Verpflichtung hier und in anderen Weindörfern war der Bannwein. Sechs Wochen im Herbst mußten zuerst etwa 1000 l des herrschaftlichen Weins, der durch Abgaben zusammengekommen war, im Dorf abgesetzt werden, bevor die Winzer ihren eigenen Wein verkaufen durften. Gab es keine Abnehmer für den Bannwein, mußten die Karbacher ihn selber käuflich übernehmen. In Greußenheim wurde der Bannwein durch eine jährliche Pauschalzahlung des Dorfes abgelöst.104

Schließlich ist die Atzung, der Unterhalt der Herrschaftsorgane bei vorübergehenden Aufenthalten, zu erwähnen. Auch sie wurde abgelöst. Aus Esselbach ist eine Gesamtrechnung von etwa 1450 erhalten: sechs lb h für Bannwein, zwei für Atzung und zwei für Bede. Als es 1494 zu einem Herrschaftswechsel kam, meinten die Bauern, sie hätten seit altem Herkommen keine Bede gegeben. Der Schreiber der neuen Herrschaft fand aber in alten Registern 10 lb h für Bede und Bannwein. Danach stritt man sich um die Währung.105

Wie hoch die Belastung ansteigen konnte zeigt ein Anschreiben an "Schultheiß, Bürgermeister und die ganze Gemeinde" von Frickenhausen von 1403. Sie hätten sich gütlich mit dem Bischof von Würzburg geeinigt, ihm innerhalb eines Jahres 650 fl und 200 Malter Getreide zu liefern, würden aber in der genannten Zeit keine weiteren Steuern und Beden leisten müssen (ldf 2, S.41). Diese außergewöhnliche Forderung hängt wohl mit dem Krieg der Hochstiftsstädte gegen den Bischof zusammen, an dem Frickenhausen wahrscheinlich teilgenommen hatte. Die Aufbringung der Kontributionszahlungen hat offenbar nicht nur in den besiegten Städten, sondern auch in Dörfern wie Frickenhausen die Ausbildung der Strukturen gefördert.

Der Zehnt war gegenüber der Bede die ältere Abgabe und die dorfweise Ablieferung war schon im frühen 14. Jahrhundert die Regel.

Dem Lübecker Zehntregister des 15. Jahrhunderts geht ein schon nach Dörfern gegliedertes Teilregister von 1280 voraus. Damals erhielt der "collector" den Auftrag, für die ganze Diözese die Namen der Dörfer aufzuschreiben - "plebanis cooperantibus" , unter Mitwirkung der Pfarrer - , damit man leicht wieder beschaffen könne, was den bischöflichen Einnahmen entfremdet sei.106

Teile des Zehnten eines Dorfes wurden in Franken als Lehen vergeben. Beim Wechsel des Abgabenempfängers entstand ebenso wie beim Herrschaftswechsel Streit. 1510 teilte Christoph Hane dem Domstift Würzburg mit, daß die Gemeinde Michelau sich dem Viehzehnten, den er vom Domstift gekauft habe, "mit Zucht widersetzt" (lfpw f. 29-30).

Es war das Interesse der Gemeinden, die Zahl derer. die zu den pauschalen Abgaben beizutragen hatten, nicht schrumpfen zu lassen. Man wehrte sich dagegen, daß Geistliche oder Adelige Land in der Dorfgemarkung aufkauften und dann für sich Immunität beanspruchten. Bei den Auseinandersetzungen kam man mit Hilfe von Vermittlern zu Kompromißvereinbarungen.

1272 befreiten die Schöffen und die Gemeinde von Zeltringen die Himmelroder Spitalgüter gegen eine Pauschale von der Gemeindelast.107

Es gab Gegenden, in denen die Entwicklung der Gemeinden rückständig war.

In Oberschwaben, wurde den Bauern noch 1494 verweigert, eine Steuer einzuziehen.108

Die schwer ablösbaren Burgfronen gehörten zu jenen Belastungen, die am leichtesten Widerstand hervorriefen.

Sandhofen beschwerte sich 1496 darüber, daß immer mehr Kurpfälzer Beamte Burgfron forderten. In Leutershausen wurde wenig später allgemeiner formuliert, "ziemlichen Geboten und Verboten, (die) ihrem alten Herkommen und Gebrauch" entsprachen, seien sie stets gehorsam gewesen. Aber jetzt werde ihnen "über Vermögen" zugemutet.109

Die Wiederbewaffnung der Bauern

Mit der Gemeindeentwicklung ging eine Wiederbewaffnung der Bauern einher. Zuerst ging es um die Befestigung des Dorfes. Die Herrschaft verlieh das Befestigungsrecht.110 1355 wurden einem Dorf die kleinen Gerichtsbußen zugewiesen, von denen Schlagbäume und Zäune zu errichten waren.111 Die Kirchhofbefestigungen mit Vorratsgaden behielt der Bischof von Würzburg in seiner Hand oder vergab sie, wie in Luelsfeld 1401, zu Lehen (lf 11, f. 79). In einer Ordnung für das Dorf Sommerach verfügte die Abtei Münsterschwarzach 1501, daß ein Ausschuß von Sieben, drei von der Abtei, vier aus der Gemeinde, die Tore und Torhäuser zu bewahren hätten. Sie sollten redlichen Leuten die Schlüsseln übergeben, die zu gebührlichen Zeiten auf- und zuzuschließen hätten, "damit der gemeine Nutzen bewahrt werde" (ldf 19, S. 170-172).

Der Abt von Michelsberg warnte in einem Rundschreiben von 1512 die Dörfer Rattelsdorf, Viereth, Ebing, Unterbrunn, Medlich, Lahm, Eggenbach und Gremsdorf vor dem "Feindsbrief" des Hans von Selbitz. Sie sollten die Dörfer mit Schranken und Schlössern, Gräben und anderem verwahren, "Eure Wache bei nächtlicher Weile wohl versehen."112

Der Schritt von defensiven Maßnahmen zur Mitwirkung an Feldzügen wurde in Etappen gemacht. Pülfringen mußte schon 1406 einen Wagen stellen, wenn der Graf von Wertheim "aus den vier Wassern und aus den vier Wäldern" - welche diese auch waren - einen Kriegszug täte. Bald mußten Mannschaften ausrücken, und es tauchte die Frage auf, ob der Dorfherr aus einem Dorf nur seine eigenen Grundholden heranziehen dürfe. In Urphar und Lindelbach mußten 1432 nur diese unbegrenzt in den Krieg ziehen. Die anderen hatten Waffendienst nur bis zur "Gerichts",- wohl Gemarkungsgrenze. Die Frage wurde schwieriger, wenn die verschiedenen Grund- und Leibherrn des Dorfes gegeneinander zu Felde zogen. In den Wertheimer Weistümern von etwa 1450 wurden drei verschiedene Antworten gefunden: Alle hätten dem Dorfherrn zu folgen. Die Leibeigenen der entgegengesetzten Partei dürften neutral bleiben. Alle hätten dem zu folgen, der sie zuerst aufböte.113

Michelsberger Dörfer mußten zuerst 1455 Bewaffnete stellen - als Sicherung für die Abhaltung eines Turniers in Bamberg. Zu den Feldzügen der nächsten Jahre mußten sie nur Wagen ausrüsten.114 Die Ausarbeitung einer Bauernmiliz wurde in dem "Wehrweistum" von Bermersheim bei Worms 1488 gemacht. Die Dorfmeister hatten für die Ausrüstung von Reisigen zu Fuß und zu Pferde und von Wagen zu sorgen.115

Der Rahmen der Kirche

Neben den herrschaftlichen Institutionen bot die Kirche einen Rahmen für die Entstehung von Dorfgemeinden. Dabei wirkte die Kirche sowohl mit der Herrschaft wie mit den Bauern zusammen.

Die Ausarbeitung einer Bauernmiliz wurde in dem "Wehrweistum" von Bermersheim bei Worms 1488 gemacht. Die Dorfmeister hatten für die Ausrüstung von Reisigen zu Fuß und zu Pferde und von Wagen zu sorgen.116

Weiterhin gibt es Pfarrkirchen, die früher da waren als die Dörfer. Wenn sich eine Villikation in Einzelhöfe auflöste, die sich in einem größeren Raum streuten, blieb die alte Fronhofkirche mit ihrem Pfarrer, möglicherweise neben dem "villicus", der jetzt Schulze oder Richter des Grund- oder Landesherrn war, bestehen.

Dieses hat Ludger Tewes an einzelnen Dörfern des westlichen Westfalen gezeigt.117 Bevor im 14. Jahrhundert eine "villa" genannt wird, erscheint im 13. Jahrhundert die "parochia". Um den Pfarrer gruppierten sich neue laikale Amtsträger, Räte und Kirchenmeister. Die Pfarrkirche wurde der Mittelpunkt des neuen Dorfes. Ein Marktprivileg wurde 1403 vom Erzbischof von Köln "dilectis villanis ac parochianis nostris in Gladbecke" verliehen. Der Markt fand bei der Kirche am Patroziniumstag statt. Ein anderes Beispiel ist die Pfarrkirche von (Oberhausen-) Osterfeld, die Kristallisationspunkt für eine Dorfbildung wurde. Noch 1520 trafen sich alle Kirchspielleute am "Steinhaus" und beratschlagten über die gemeinsame Schafweide. Diejenigen, die sich an die Abmachungen nicht halten würden, müßten Wachs für die Pfarrkirche stiften.

Das Marienstift von Aachen besaß etwa 1350 die villa Kesselheim "secundum longitudinem et latitudinem parochie". Die Parochie war also wohl früher da als die villa und gab ihr das Maß. In Vettweiß, ebenfalls am Niederrhein, sprach man noch 1385 nicht von einem Dorf, sondern von der Gemeinde des Kirchspiels und deren Schöffen. In Erpel hieß es zwar "parochia et villa". Aber der "magister parochiarum" hatte eine pauschale Abgabe für die Herrschaft einzusammeln. Der Wald gehörte der "parochia". An ihm hatte jeder "comparochianus" einen Anteil.118

Ähnliche Zeugnisse kommen vom Mittelrhein und aus dem Osnabrücker Land. Nach einer Urkunde von 1252 waren es die parochiani, die als Vertragspartner des Klosters Eberbach auftraten. 1293 begaben sich ein Pfarrer und Liten zur Äbtissin von Borstel und baten sie, sie von der Vogtei freizukaufen. Wenn der Pfarrer zu hohe Forderungen an die parochiani stellte, widersetzten diese sich, wie 1254, wo ein solcher Konflikt durch ein Schied des Klosters Hardhausen zuungunsten der Bauern entschieden wurde.119

1481 entwickelte das fränkische Dorf Gaukönigshofen seine Selbständigkeit im Streit mit dem Pfarrer. Dabei wurde es neben dem Schultheißen und den Dorfmeistern auch von seinen Gotteshausmeistern vertreten. Den Streit schlichteten der Dorfherr und der Patronatsherr nebeneinander.120

In Dithmarschen entstanden keine Dörfer, sondern die Einzelhöfe fügten sich zu Kirchspielgemeinden zusammen.

Manche Gemeinden hatten zwar eine eigene Kirche aber keinen eigenen Pfarrer. Der Pfarrer von Wustviel mußte in Untersteinbach Dienst tun. Darüber kam es zum Streit zwischen den Gemeinden, den der Bischof von Würzburg schlichtete (ldf 19, S. 136f.). Eine andere Gemeinde, Vorpachzimmern, hatte eine Kirche und zwei bäuerliche Heiligenmeister, die sich um sie kümmerten, und für deren Unterhalt die Gemeinde einen Hof kaufte, um ihn später wieder zu verkaufen und den Erlös in Gülten anzulegen (ldf 11, S. 143f.).

Viele Gemeinden engagierten sich finanziell für ihre Kirche. In Arnegg bei Blaubeuren versprachen 1498 die Vierer und die Heiligenpfleger, die Bücher, Meßgeräte und Bezüge des Messners zu bestreiten und den Kaplan einer neuen Pfründe an der Gemeindenutzung teilnehmen zu lassen.121 Wenn ich eine Notiz von 1521 richtig verstehe, kaufte damals die Gemeinde Marktzeuln 20 fl von dem Teil des Dorfzehnten, den ein Ritter zu Lehen hatte und wies sie dem "Besitzer" ihrer Pfarrei zu (lfpw f. 40).

Das finanzielle Engagement führte automatisch zu einer Mitregierung über die Dorfkirche.

1469 stiftete das hessische Dorchheim eine Sonntagsmesse. Falls der "Kirchherr" säumig wäre, sollte der Glöckner die versäumten Messen ankerben. Dann würde man die Zuwendung entsprechen verringern.

Hard bei Bregenz stiftete 1480 eine Pfründe. Da sich der "Kollator" mehrfach weigerte, sie zu besetzen, präsentierte die Gemeinde von sich aus einen Kaplan. Um 1490 beschwerte sich die Gemeinde Kirchen bei Lörrach wegen einer ungenügenden Besetzung der Pfarrpfründe. Eine Frühmesstiftung in Stetten bei Brackenheim wurde durch Pfarrer, Schultheiß und Gericht gemeinsam besetzt.

Hinter dem Aufstieg von Filialen zu Pfarrkirchen stand vielfach der Druck der Gemeinden.

1356 baten die Bauern von Klein Flöthe den Bischof von Hildesheim, ihre Kirche, die bisher Filiale der Kirche von Groß Flöthe war, zur Pfarrkirche zu machen, damit sie bequemer vom eigenen Pfarrer die Sakramente bekämen und dem Gottesdienst leichter beiwohnen könnten.122

Allmende und Gemarkung

Beim Übergang der Allmende von der Villikation auf die Dorfgemeinde, profilierte sich diese teils in friedlichen rechtlichen Vorgängen, teils kämpferisch. Die sprachliche Nähe von Gemeinde und Gemeinnutzung wird immer sichtbar. 1508 wurde in Franken ein Hof mit seinen Äckern, Wiesen, Holzrechten und "Gemeinden, die dazu gehören", verliehen. Damit waren Allmendeanteile gemeint (lf 31, f.66).

Noch 1325 sicherte sich das Kloster Bebenhausen eine Art Obereigentum an "allen Gemeinden, die andere Leute haben zu Entringen zu Wasser und Weide, zu Holz und Felde".123

Als Inhaber der Allmende wurde die Gemeinde eine juristische Person.

"Centurius" und "universitas" des Dorfes Briedel verkauften 1260 einen "Bannwald" an das Kloster Himmerod. 1469 schloß das Dorf Neustadt mit dem gleichnamigen Kloster, aus dessen Hof es hervorgegangen war, und mit dem adeligen Klostervogt einen Vertrag über eine Waldnutzung. Die Gemeinden wurden Prozeßpartner, so Keun 1266 im Streit um einen Wald mit St. Maximin zu Trier.

Auch Gemeinden untereinander prozessierten um Allmenden, so 1373 wiederum im Moselland124 und 1457 sowie 1497 in Franken (ldf 11,S.450-456; lf 31, f. 125).

Wenn auch juristische Personen, so waren doch nicht alle Gemeinden gleichermaßen selbständig. Moselländische Gemeinden mußten für Verfügungen über Dorfareal und Allmende Genehmigungen einholen. Solche Genehmigungsurkunden zeigen zugleich, wie umfassend der Gestaltungswille der Gemeinden war.

1471 erhielt eine Gemeinde an der Mosel die Erlaubnis zur Umwandlung eines Teiles des Gemeindewaldes in Wiesen, die verpachtet werden durften. Eine andere durfte freie Plätze im Dorf verkaufen, mußte den Erlös aber für die Dorfbefestigung verwenden.125

Soweit es ging, organisierten die Bauern sich selbst.

Großbockheim in der Pfalz beschloß 1483, Weg und Steg solle machen helfen, wer im Dorf Wasser und Weide habe. 126 1480 schloß das Kloster Weissenau mit der Gemeinde Ummendorf einen Vertrag. Die Gemeinde durfte durch gewählte Vier alle Fragen klären, die sich auf "Trib und Trat" bezogen.127

Für die Bauernschäferei errichteten die Gemeinden Hirtenhäuser. Wipfeld zahlte für ein solches Haus Abgaben an die Herrschaft (WSB 1, f. 134).

Die Herren statteten die dörfliche Allmende aus.

Das in Sagen sich spiegelnde Selbstverständnis schwäbischer Dörfer mißt ihnen dabei große Bedeutung zu. Die Sagen handeln von adeligen Fräulein, die die Dörfer ausstatteten. Sie verdichteten sich in einigen Dörfern zu Jahrtagen für die Stifterin und zu chronikalischen Berichten.128

Aber es gibt auch urkundliche Zeugnisse. Die Herren verschenkten, vertauschten und verkauften Allmendteile.

Den Bauern des Dorfes Pogel überließ der Herzog von Schlesien 1259 eine Hufe abgabenfrei, die bei Hochwasser überschwemmt wurde, "pro communi utilitate villanorum".129 1287 verkaufte Werner von Staufen Weiderechte auf den Matten an die "Geburschaft" Krozingen.130 Das Dorf Patzig verkaufte der Fürst von Rügen 1297den Dorfleuten mit der Allmende.131

Dettingen war 1473 durch den Grafen von Württemberg bei der Anlage von Seen geschädigt worden und erhielt zum Ausgleich einen Wald, den die Gemeinde 1489 roden durfte.132

Dem Schultheiß und einem anderen Bauern von Kleinochsenfurt gab der Bischof von Würzburg 1401 von der Gemeinde wegen Holz und Viehweide, nahe dem Dorf gelegen, zu Lehen (lf 11, f. 79). Dem Dorf Eussenheim gewährte der Bischof von Würzburg 1508 ein Holz und Holzrechte (lf 31, f. 67).

Die Herren überließen Allmendteile gegen Abgaben.

Eine Gemeinde im Moselland erhielt 1360 eine Weideberechtigung gegen die Verpflichtung, durchziehende Prozessionen zu beköstigen.133 Im schwäbischen Wessingen mußten die Geburen der Herrschaft einen jährlichen Zins für die Wiesennutzung "in der Gemainmerk" zahlen. Insbesondere empfingen in Schwaben Gemeinden Allmenden als Zinslehen.134

Wegen der Entstehung von Dörfern aus Fronhofsverbänden war die Zugehörigkeit der Wälder und Wiesen sowie der Weiderechte des Hofes zwischen der verbliebenen herrschaftlichen Eigenwirtschaft und dem Dorf manchmal lange Zeit umstritten. Die Herrschaft versuchte, sich durch Einzäunungen Teile der Allmende zu reservieren.

Die Bauern von Niedernschlatt rissen 1300 die Zäune nieder, die das Kloster Paradies errichtet hatte und ließen ihr Vieh auf der ganzen Allmende weiden. Die Klöster waren oft in einer schwächeren Position als weltliche Herren gegenüber Bauern und mußten sich mit dem begnügen, was die Bauern ihnen ließen oder mußten Kompromisse eingehen. Das Kloster Feldbach mußte den Viehbestand reduzieren und 1290 mit den Bauern Quoten absprechen.135

Die Bauern von Bleidenstatt räumten der Abtei des Ortes 1277 Weiderechte und Schaftrieb ein. Dasselbe erreichte das niederrheinische Kloster Steinfeld gegenüber dem Dorf Zier 1301 durch Hingabe eines Waldes. Das Kloster Indersdorf konnte "Markholz und Bannholz" 1376 vor der Viehtrift schützen, indem es sich mit den Bauern von Puchschlagen über die Nutzung einer Wiese einigte. Um 1450 einigte sich das schwäbische Kloster Kirbach mit drei Dörfern. Diese erwarben Wälder und Felder käuflich und verzichtete auf die Nutzung der übrigen Klostergüter.136

Eine andere Lösung fand Maulbronn 1289 mit dem Dorf St. Leon. Mönchshof und Dorf sollten verschiedene Marken haben, zugleich sollten beide Seiten "Gewehr" auf das Holz der anderen Seite haben. "Wohin der Mönche Vieh geht, soll auch des Dorfes Vieh gehen."137

Manchmal kam es nur durch die Intervention mächtiger Herren zu einem Kompromiß. Der Pfalzgraf schlichtete 1359 zwischen Stift und Dorf Herd wegen "Wälder, Unholz und Fischerei" auf der Linie der Nutzungsteilung. Der Graf von Wertheim stützte im fränkischen Steinfeld, wie in anderen Gemeinden, das Recht der Gemeinde auf die Weide ab. Es sollte keiner neben dem Gemeindehirten einen eigenen Hirten habe. In Pülfringen gab der Graf eine eigene Schafherde den Gemeindeschafen bei.138

Das System der Schweinezucht in den Katzenelnboger Obergrafschaft, das in der Mitte des 15. Jahrhunderts auf fast 2000 Schweine kam, setzte Dorfgemeinden voraus, die Mastrechte in den Wäldern pachteten oder ihre Schweine dem gräflichen Hirten mitgaben und pro Schaf eine Abgabe zahlten. 1468 waren es 19 Dörfer Rheinhessens, deren Schweine sich an einem Zug über den Rhein beteiligten.139

Subsidiär, das heißt vorbehaltlich herrschaftlicher und bäuerlicher Rechte an den Einzelgrundstücken, hatte die dörfliche Selbstverwaltung mit der ganzen Gemarkung zu tun. Die Gemarkung oder Mark eines Dorfes (von Mark=Grenze) ist das abegrenzte Gebiet einesDorfes. "Dazu gehören der besiedelte Ort, die individuell bestellten Gärten, Felder usw., sowie schlißlich die von den Dorfbewohnen gemeinsam genutzte Fläche, die Allmende.140

Das Dorf Friedland in Mecklenburg erhielt 1270 das Recht, Hufen zu vermessen.141

1459 konnte eine fränkische Gemeinde mit einem benachbarten Adeligen eine Vereinbarung über die Versteinung der Mark, ihre Abgrenzung zu dem Weiler des Adeligen treffen (ldf 11, S.291-293). Eine andere fränkische Gemeinde, Rohrbach, kaufte 50 Jahre später einem Adeligen den Hof, der in ihrem Dorf lag, gegen eine jährliche ewige Gülte ab (ldf 19, S. 241f.). Ob die Gemeinde das Hofland der Allmende hinzufügte oder sich in anderer Weise nutzbar machte, erfahren wir nicht.

Als die Gemeinde Neckartailfingen 1515 vom Kloster Hirsau einen Hof kaufte, wissen wir dagegen, daß sie die Hofäcker in Einzelstücken an die Einwohner ausgab.142

Außerdem verwaltete die Gemeinde die Immobilien des Dorfes.

1471 erhielt eine moselländische Gemeinde die Erlaubnis zur Errichtung eines Backhauses und dessen Verpachtung.143

1459 wurden in Viereth, wiederum in Franken, zu den "gemeinen Knechten, die hinter einer Gemeinde auf gemeinen Häusern sitzen und so Knechte der Gemeinde" seien, Kirchner, Schmiede, Flurschützen, Hirten und andere gezählt (ldf 11, S. 337-347).

Ein Dorf und mehrere Herren

Man unterscheidet zwischen Gemeinden, die aus einem Fronhofverband hervorgegangen sind, also mit der Umbildung einer Hofgenossenschaft in eine Dorfgemeinde,144 und solchen, die die Anteile mehrerer Herrschaften an einem Dorf zusammenfaßten. Schließlich gab es Hofgenossenschaften, die sich in mehrere Dörfer und Gemeinden auflösten.145 Am interessantesten für die Dorfgeschichte ist die mittlere der drei Typen, die noch dadurch erweitert wird, daß Leute aus einer anderen Herrschaft in ein Dorf zogen und ihre Herrschaft, die sich in den Grundbesitz eingekauft hatte oder nur Leibherrschaft war, mitbrachten. 1502 waren sechs oder sieben Männer des Adeligen Wilhelm Fuchs in das bischöfliche Dorf Gemeinfeld gezogen und hatten dem Schultheißen gelobt, "getreue Hausgenossen" zu sein (ldf 19, S. 133-136)146.

Nicht immer gelang die Integration der Abhängigen mehrerer Grundherren in einem Dorf. Dann geschah es, daß sich mehrere Genossenschaften in einer Dorfsiedlung abgrenzten, was die Dorfbildung im rechtlichen Sinn verhinderte oder abschwächte. An die Stelle der Dorfgenossenschaft traten verschiedene Hübnerschaften, wie es besonders deutlich bei Stockstadt am Untermain zu beobachten ist, wo sich die Hübnerschaften des Stiftes Aschaffenburg und des Klosters Seligenstadt das Dorf teilten. Gegenüber beiden Herren waren die Hübnerschaften Abgabengemeinschaften. Man verlangte nach einem Aschaffenburger Urbarfragment von 1261 von 48 Hübnern "coniunctim" sechs lb h. Im 14. Jahrhundert bildeten sich zwei Hubgerichte aus. Erst am Anfang des 16. Jahrhunderts erscheint ein Dorfgericht, das durch das Erzstift Mainz, dem Oberherrn von Stift und Kloster, gestützt wurde.147

Das einheitliche Dorfgericht war wesentlich, um überhaupt von einer Dorfgemeinde sprechen zu können.In Königheim sprachen die 12 Schöffen 1422 Recht über alle Dorfgenossen, welcher Herrschaft sie auch immer angehörten. In Knetzgau gab es den Oberschultheißen des Bamberger Bischofs, der im Dorf wohnte und die Schultheißen der anderen im Dorf vertretenen Herrschaften von seinen Maßnahmen in Kenntnis zu setzen hatte und helfen sollte, alle Amtleute, auch die anderen Schultheißen zu wählen.In Hardheim bei Buchen war der nach dem Ort benannte Ortsadel Dorfherr. Er durfte 1423 fremde, auswärtige Leute mit ihren Schultheißen oder Gebüttel auf ihren Gütern zulassen.

In Kembs teilten sich St. Alban und der Bischof von Basel die Herrschaft. Beide waren mit einem Dinghof vertreten. Die zwei Meier saßen gemeinsam dem Gericht vor. Der des Bischofs trug den Stab und hatte damit Vorrechte vor dem anderen.148

In einigen Dörfern, so im fränkischen Gemeinfeld, hatten die Bauern einer minoritären Herrschaft wenigstens einen eigenen Dorfmeister. In dem zu Wertheim gehörenden Birkenfeld hatten die Höfe eines Klosters einen eigenen Heimburgen oder Heinrich, in Pülfringen einen schweigenden Schultheiß. Einen solchen Vertreter brauchten sie auch. Sonst wurden die Angehörigen minoritärer Herrschaften leicht von der Allmendenutzung ausgeschlossen, wie es das Weistum von Remlingen 1410 zeigt.149

In Franken war die Herrschaftszersplitterung der Dörfer verglichen mit anderen Landschaften nicht am größten.

In Niederösterreich gab es Dörfer mit bis zu 27 Grundherrn, aber nur eine Dorfobrigkeit , oft mit Sitz im Dorf. Die Dorfgemeinde versammelte sich zum Banntaiding und wählte aus ihrer Mitte Dorfrichter.150

Die Durchsetzung des Flurzwanges in der nach Zelgen gegliederten Gemarkung war kein ursprünglich kommunales Anliegen.

Nach dem Urbar des Bischofs von Straßburg von 1350 lagen die Güter des Bischofs im Gemenge mit denen der Hubner auf drei Schläge verteilt. Der Bischof stellte die "Bannwarte", Leute, die auf die Einhaltung des Flurzwangs zu achten hatten.151

Für die Gemeinden wurde der Flurzwang zu ihrer eigenen Sache, wenn sie für ihren Viehtrieb zu sorgen hatten.

Die Bauern sollen nur dort weiden, wo nicht gesät wird, heißt es in einer Übereinkunft der Ritter und Bauern von Sagerloch mit der Abtei Eberbach.152 Einen solchen Viehtrieb hatten zwei Dörfer, zwischen denen Niederaltaich 1268 schlichten mußte. Von den drei Feldern jedes Dorfes stieß jeweils eines mit einem des Nachbardorfes zusammen. Diese aneinanderstoßenden Felder lagen gleichzeitig jedes dritte Jahr ohne Saat, "quod vulgo dicitur Trat". Sie standen also der Viehtrifft offen. Nun berührten sie sich zugleich mit einer Wiese, die von beiden Dörfern in ihre Viehtrifft einbezogen wurde. Das Kloster entschied auf eine Halbierung dieser Wiese.153

Insbesondere brauchte man die Gemeinde, wenn der Flurzwang in einem Zelgenverband durchgesetzt werden sollte, zu dem die Äcker mehrerer Herren und der Bauern mehrerer Herren gehörten.154 Nicht alle Gemeinden erfüllten solche Intergrationsaufgaben. Es gab solche, in denen zwei Zelgenverbände nebeneinander existierten. Am ehesten verschmolzen die Anteile verschiedener Herrschaften in den Zelgen einer starken Gemeinde, etwa jenen Dörfern, die in Franken im 13. und 14. Jahrhundert zu einer ackerbürgerlichen Kleinstadt aufstiegen. So waren z. B. die Äcker, die zu dem adeligen Vorwerk in Königshofen gehörten in die "Felder" der Stadt 1456 integriert (lf 21 f. 81). Die Lehen des Philipp Diemar waren 1496 in das obere, mittlere und untere Feld von Meiningen integriert (lf 29 f.75).

Neben der vertikalen Herrschaftsteilung im Dorf , der herrschaftlichen Segmentierung des Dorfes, muß mit einer horizontalen Herrschaftsteilung gerechnet werden Auf der oberen Ebene gab es die werdende Landesherrschaft oder eine Oberlehensherrschaft, auf der unteren die Grundherrschaft oder die vogteiliche Dorfherrschaft. Die vogteiliche Gewalt konnte auch auf der oberen Ebene, im Fränkischen etwa in Verbindung mit dem Zentgericht,155 angesiedelt sein. Auf der unteren finden wir dann eine grundherrschaftlich begründete Dorfherrschaft mit einem eingeschränkten Dorfgericht, auch Ettergericht genannt, das sich auf kleinere Grundherrschaften, die von der Dorfherrschaft verschieden waren, erstrecken konnte, aber sich leichter in Dörfern mit einer einzigen Grundherrschaft ausbildete.

In Efrizweiler ist z.B. 1479 ein solches Gericht bezeugt, das sich vom Landgericht der Grafen von Heiligenberg-Werdenberg nachdrücklich abgrenzte und auch in gewissen Hinsichten Gebot und Verbot für sich beanspruchte. In Benzenzimmern war das Kloster Kirchheim Grund- und Gerichtsherr und ließ den Grafen von Öttingen innerhalb des Etters nur die "vier großen Händel".156

Es versteht sich, daß solche nach außen durchgesetzten Dorfgerichte auch für die Dorfgemeinde einen starken Rückhalt bildeten.

Komplizierter wurden die Fragen, wenn die übergeordnete Gewalt, der Hochgerichtsherr oder Oberlehnsherr, zugleich mit einer Grundherrschaft in einem Dorf des Lehensmannes vertreten war. 1394 regelte ein Weistum in Reichenbach, dessen Dorfherrn Isenburg und Weilnau waren, daß der übergeordnete Abt von Fulda, wenn er wolle, ein Gericht auf den fuldischen Gütern im Dorf halten dürfe. Nur über die Abgaben, die wohl schon eine gemeindliche Sache geworden waren, habe er nicht zu richten. Bestimmte Bereiche von Gebot und Verbot scheinen aber solchen Grundherrn eines Dorfteiles reserviert gewesen zu sein.157

Wir lesen von der Ausnutzung von Herrschaftskonkurrenz durch die Bauern.

Eine Anspielung darauf enthält z.B. eine Urkunde König Rudolfs I. für St. Peter in Salzburg. Die coloni dieses Klosters in der Wieting hätten den mächtigen Schutz Einiger angerufen, um sich "servitutis oneribus" zu entziehen. Der König verbot es, ihnen beizustehen.

Ein Dorf konnte den Schutz auswärtiger interessierter Herrn, Nachbarherrn oder Oberlehnsherrn, etwa des Landesherrn, gegenüber dem Grundherrn anrufen.

Zwischen dem Dorf Sommerach und der Abtei Münsterschwarzach vermittelte der Bischof von Würzburg (ldf 19, S. 170-172), zwischen dem Dorf Theres und dem Kloster des Ortes der Bischof von Bamberg.158

Aus Eschau im Spessart ist ein merkwürdiges Weistum erhalten, in dem die Gemeinde sich zum obersten Hüter und Gebieter über die Wälder erklärte. Am Rande mehrerer Artikel findet sich im Original ein Vermerk des Grafen von Rieneck: "Das geste ich nicht". Dietmar Willoweit meint, die Lage von Eschau als Enklave im erzbischöflich Mainzer Territorium habe die Gemeinde zu ihrer anmaßenden Haltung ermutigten.159

Wie war es beim Herrschaftswechsel? Dietrich von Heidingsfeld ließ 1409 den Schultheißen und die ganze Gemeinde von Fuchsstadt wissen, daß er sie von jedem Gelübde und Eide, den sie ihm geschworen hatten, los sage. Er hieß sie, dem Bischof von Würzburg zu huldigen (ldf 2, S. 121). Ähnlich verfuhren 1439 die Brüder von Beringen mit Großwenkheim zugunsten des Klosters Bildhausen (stb 354, f. 39). 1457 wurden alle neun Gemeinden des Amtes Hillenberg durch den Bischof von Würzburg davon unterrichtet, daß die Pfandherrschaft über sie von Henneberg an Marschalk übergewechselt sei (ldf 12, S. 88). Kopien dieses zusammenfassenden Schreibens dürften an die Gemeinden verteilt worden sein. Allein schon diese schriftliche Benachrichtigung der Gemeinden dürfte sie aufgewertet haben.

Indirekt erfahren wir aus einem weiteren Schreiben dieser Art, daß ein solcher Herrschaftswechsel offenbar einen Anlaß zu Selbständigkeitsregungen bot. 1456 wurden zwei Dörfer davon unterrichtet, daß sie zusammen mit dem Schloß Binsfeld an Lichtenstein verpfändet worden seien. Sie sollten dem neuen Herrn schwören und sich "dem in keiner Weise widersetzen. Das ist unsere ... ganz ernste Meinung" (ldf 12, S. 59). Der Herrschaftswechsel dürfte die Bauern auch deswegen gestärkt haben, weil die Bauern von den neuen Herrn als Rechtsweiser herangezogen wurden (krb f. 68).

Profile der Gemeinden

Bei der Verfolgung eigener Interessen und in der Auseinandersetzung mit Herrn und Nachbarn verschärfte sich das Profil der Gemeinden. Davon zeugen Symbole.

Das Dorfsiegel wird im Moselland schon 1347 , in Franken 1422 und 1428 genannt. Dort gab es auch Dorfbanner. Ausdrücklich gaben Gemeinden mehrfach zu Protokoll, daß sie kein Siegel hätten, und lassen etwa einen Amtmann für sie siegeln. 1401 siegelten die Schöffen von Bliesheim mit dem Kirchsiegel. 1512 ließ sich die Gemeinde Schwaigern bei Brackenheim notariell beglaubigen, daß sie ihr Dorfsiegel verloren hätte, das aus Erz gegossen war und das Brustbild des heiligen Johannes sowie den Schild der Herren von Neipperg getragen hatte.160

An Stelle eines Rathauses hören wir - wie schon oben - von gemeinen Häusern, von denen z.B. die Gemeinde Feuerbach jährlich dem Würzburger Bischof zwei Fasnachtshühner leisten mußte (lf 25, f.70). Spielhäuser, Armenhäuser, Badhäuser und Backhäuser werden genannt.161

Nach der Hofgerichtsordnung von Rottweil sollte ein Dorf zwei "Gerichtsleuten" Vollmacht für Eidesleistungen geben. Wie stark Gemeinden werden konnten, zeigt die Acht, die Hirlingen 1496 gegen den Dorfherrn erwirkte.

Die mit der Vogtei verbundenen Herrschaftsrechte, die im Südwesten Zwing und Bann und im Fränkischen Gebot und Verbot hießen, konnten von den Dorfgemeinden gekauft werden, die darauf ein Satzungsrecht, eine "Dorfeinung" aufbauten.

In Schwaben erwarben Gemeinden auch den Zwing und Bann von benachbarten adeligen Weilern und konnten auf Grund dessen Höfe in Allmenden verwandeln.162

Die Ausbildung eines bäuerlichen Patriziats, einer Dorfehrbarkeit, ist nicht nur von den Besitzunterschieden, sondern auch von den Dorfämtern, in die man z.T. kooptiert wurde, veranlaßt worden. In Remlingen hatten neben dem Pfarrer der Schultheiß und die Heimburgen das Recht, acht Stück Vieh gebührenfrei dem Gemeindehirten mit zu geben.163

Rechtlich relevanter war wohl eine Zweiteilung, die auch aus der Wirtschaftsentwicklung der Dörfer resultierte. Die obere Schicht bildeten die Hubner.

"Scabini" und "villani", "die Hubner genannt werden", also aus den villani die Hubner, weisen nach einer Mainzer Äußerung von 1255 die Dorfrechte.164

Auch in Eussenheim besetzten nur die Hubner das Dorfgericht.165 Manchmal werden in die Aufzählung: Schultheiß, Dorfmeister, ganze Gemeinde noch die Hausgenossen an vorletzter Stelle eingeschoben (ldf 12, S. 696). In Grettstadt z. B. durften die Hausbesitzer allein die Allmende benutzen.166 Hausbesitzer standen hier an der Stelle von Hubnern als obere Hälfte der Dorfbewohner. Die Gegenüberstellung des engeren Kreises der "universitas rusticorum" und des weiteren der "universitas villanorum" ist für Opferbaum bei Würzburg bezeugt.167

Bei der Versorgung eines Messner in Brackenheim bei Heilbronn wurde 1319 zwischen denen, die volles "Dorfrecht" haben, und den übrigen Bauern unterschieden.168

Rechtliche Untergliederungen der Dorfgemeinde wurden auch durch Allmendkorporationen geschaffen.

1466 wurde von den Dorfleuten von Horgen eine Zelge zur Allmende erklärt, an der nur die teil haben sollten, die auch vorher Äcker in der Zelge besessen hatten.169

Manchmal ergaben sich Zweiteilung und Privilegierung eines Teiles der Dorfbewohner aus der Zugehörigkeit zu verschiedenen Herrschaften. Ebrach verlieh 1464 seinen Hof Kaltenhausen an die Klosterleute unter den Einwohnern von Untereisenheim.170

In einem Weistum für Pfunds im Oberinntal kam 1303 ein herrscherlicher Einfluß, der gegen die Zweiteilung eines Dorfes gerichtet war, zur Geltung. "Arme und Reiche" sollen die Allmende in gleichem Maße nutzen, "daß sie der Herrschaft desto baß dienen".171

Es gab Dörfer, die durch herrscherliche Privilegien zu Märkten erhoben wurden. Dadurch trat eine Stärkung und Festigung der kommunalen Entwicklung ein, und es wurden dem Dorf über den Ackerbau hinausgehende wirtschaftliche Funktionen eingeräumt. Bei diesen Märkten ist zwischen solchen zu unterscheiden, die sich in nichts mehr von Kleinstädten abhoben, und solchen die ein Dorf mit Jahrmarkt blieben. Kissingen wurde von Ludwig dem Bayern zu einem Markt erhoben, durfte aber durch eigene Organe nur Friedensbrüche während der Marktzeit innerhalb eines Freibezirkes ahnden.172 Nur bei diesen Märkten kam das Privileg einer Dorfentwicklung zugute. Die anderen Märkte - wohl die Mehrzahl - schieden praktisch aus dem ländlichen Siedlungswesen aus.

Die Erhebung zum Markt wurde immer wichtiger, weil - wie es für Österreich gezeigt wurde - den übrigen Dörfern die Beteiligung am Handel, der "Gäuhandel" , der Fürkauf oder Zwischenhandel, immer strenger verboten wurde. Ab 1448 wurden in Urkunden Listen von Städten und Märkten in Niederösterreich festgehalten, denen allein der Handel mit "Kaufmannsware" erlaubt war. In Österreich wurde gleichzeitig Dörfern mit Pfarrkirchen oder Dingstätten, also Gerichten, die über ein Dorfgericht hinausgingen, Marktbetrieb eingeräumt, der sich wohl beschränkte auf den Einkauf und Verkauf auswärtiger Zwischenhändler. Den Pfarrern der Dörfer selbst wurde es 1372 ausdrücklich untersagt, sich als Zwischenhändler daran zu beteiligen.173

In den Zusammenhang einer dörflichen Wirtschaftspolitik gehört ein Weistum des Dorfes Lengfurt von 1518. In Lengfurt durfte nur Wein ausgeschenkt werden, der dort gewachsen war. Nur wenn die Winzer überteuerten Wein anboten, durfte der Wirt auswärts einkaufen. Außerdem durfte ein Konsument, der wegen Armut seinen Wein auf Kredit einkaufen mußte, ihn von auswärts holen.174 Die Mainfähren wurden als bischöfliches Lehen nicht an einzelne, sondern an Dörfer verliehen, die dafür kollektive Abgaben leisteten, so Eibelstadt 1407 ein Pfund guten, weißen Ingwer im Jahr (lf 11, fl. 88).

Das größte politische Gewicht erlangten die Bauern in Landsgemeinden, die nicht eigentlich den hier behandelten Dörfern an die Seite zu stellen sind . Im Würzburger Hochstift trat eine Entwicklung der Dörfer zur politischen Selbständigkeit nicht ein. Immerhin ist in einem Würzburger Kopialbuch eine Liste von Rittern, Städten und Dörfern enthalten, die dem Bischof 1404 Landfrieden geschworen haben (ldf 2, S.286). In der offenbar nicht vollständigen Abschrift werden 10 dörfliche Gemeinden namentlich genannt. In der Zeit der Aufarbeitung der Folgen des Krieges von 1400 schien es dem Bischof opportun, Dörfer als selbständige Teilnehmer in den Landfrieden einzubinden.

Ein eigentümlicher Sonderfall ist aus Grundherrschaft von Ebrach bezeugt. Die Ebracher Bauern wuchsen zu einer eigentümlichen Gerichtsgemeinde zusammen. Der Abt kaufte 1340 vom Bischof von Würzburg die Zentgerichtsbarkeit für die niederen Fälle, 1373 und 1381 dazu das Recht, mit Delinquenten, die todwürdige Verbrechen begangen hatten, Sühneverträge abzuschließen. Nur wenn dieses nicht gelang, griff die außerklösterliche höhere Zentgerichtsbarkeit ein.175

Weiterhin hat Joseph Morsel darauf aufmerksam gemacht, daß am Anfang des 16. Jahrhunderts zwischen den Thüngen und den Hutten Schiedssprüche gefällt wurden, in denen nicht mehr die Interessen der beiden Herren, sondern die ihrer abhängigen Dorfbewohner im Vordergrund standen. Der Streit der "Thüngischen" und der "Huttischen", womit Dorfbewohner gemeint waren, sollte geregelt werden. Die Herren sind nur noch die Referenz für die Identifikation der Streitenden.176

Zusammenfassung

Wenn man in Kürze die Dorfentwicklung zusammenfassen will, muß man zunächst betonen, daß es sich nicht um einen chronologisch zusammenhängenden, etwa überall gleichzeitigen Prozeß handelte. Die Entwicklung ist vielmehr so zu verstehen, daß am Anfang des Spätmittelalters die herrschaftliche Initiative durch Errichtung von Institutionen und die Benutzung der Dörfer zum Abgaben Einsammeln überwog. Die Kirche spielte parallel dazu eine Rolle bei der Gründung und Festigung von Dorfgemeinden. Die Gewichte verlagerten sich zu Gunsten der Bauern bei der Vertretung ihrer wirtschaftlichen Interessen. Die Herrschaftskonkurrenz schuf stellenweise einen Leerraum, in den die Bauern eintraten oder den sie ausnutzten. Symbole wie Dorfsiegel drückten die veränderte Bedeutung der Dörfer aus. Die Bauern konnten in den Dörfern ihre Identität finden.

Anmerkungen

*

Für allgemeinere Ausführungen zu diesem und den übrigen Beiträgen, denen das Material der sozial- und wirtschaftsgeschichtlichen Datenbank zugrunde liegt, vgl. die Seite Zur Seite "Analysen". "Analysen". Dort sind auch die verwendeten Abkürzungen aufgelöst. Die vollständigen bibliographischen Angaben zur zitierten Literatur finden sich auf der Seite Zur Seite "Allgemeine Literatur". "Allgemeine Literatur". Zurück zum Haupttext.

1

Urbar von Kitzingen, Franz Nr.55.Zurück zum Haupttext.

2

Vgl. auch Hopfenzitz S. 41.Zurück zum Haupttext.

3

Dopsch bei Patze 2, S. 253.Zurück zum Haupttext.

4

Dinklage S. 87ff.Zurück zum Haupttext.

5

Döll S. 253-258.Zurück zum Haupttext.

6

Lamprecht 3, S.29-34;Hopfenzitz S. 38, 40f.Zurück zum Haupttext.

7

Lamprecht 3, S. 495.Zurück zum Haupttext.

8

Hopfenzitz S.96, Nr. 15.Zurück zum Haupttext.

9

Weiss S.28f.; Hopfenzitz S. 41; Klein, Beiträge S. 276. Zurück zum Haupttext.

10

Sorge S. 110f.; Franz Nr. 226.Zurück zum Haupttext.

11

Ott, Studien S.156.Zurück zum Haupttext.

12

Jäger bei Rödel/Schneider S. 254f.Zurück zum Haupttext.

13

Klein, Beiträge S. 265f., 276.Zurück zum Haupttext.

14

Lamprecht 3, S.18.Zurück zum Haupttext.

15

Weiss S.30.Zurück zum Haupttext.

16

Borchardt S. 462, 467.Zurück zum Haupttext.

17

Hopfenzitz S. 36.Zurück zum Haupttext.

18

Arnold, Dorfweistümer S. 873.Zurück zum Haupttext.

19

Weiss S. 31-33.Zurück zum Haupttext.

20

Borchardt S. 461, 463,468. Zurück zum Haupttext.

21

Rödel bei Rödel/Schneider S.285.Zurück zum Haupttext.

22

Sorge S. 105f.Zurück zum Haupttext.

23

Weiss S.30f.; Lamprecht 3, S. 57; Ulbrich S. 261.Zurück zum Haupttext.

24

Last bei Patze 1, S. 431.Zurück zum Haupttext.

25

Illemann S.7.Zurück zum Haupttext.

26

Masuch S. 182-184.Zurück zum Haupttext.

27

Milz Nr. 6; Heidacher S. 73.Zurück zum Haupttext.

28

Kreft S. 156f., 239.Zurück zum Haupttext.

29

Franz Nr. 156; Rösener bei Patze 2, S. 94, 110.Zurück zum Haupttext.

30

Bader 3, S. 22, 261; an letztere Stelle nach Lexer.Zurück zum Haupttext.

31

Gilomen S. 68f, 135, 169f., 197;Ott, Studien S. 12,37f.,42.Zurück zum Haupttext.

32

Wopfner Nr. 218, 220.Zurück zum Haupttext.

33

Jänichen, Beiträge S. 138.Zurück zum Haupttext.

34

Wunder, in: Bauernschaft S. 139.Zurück zum Haupttext.

35

Epperlein, Bauernbedrückung S. 150f.; Wopfner Nr. 179.Zurück zum Haupttext.

36

Wopfner Nr. 254.Zurück zum Haupttext.

37

Fried bei Patze 2, S. 307.Zurück zum Haupttext.

38

Belege bei: Rödel, Salbuch S. 62-66 (1474); Rödel/Schöffler S. S.105 (a. ca. 1430);Hopfenzitz S. 36 (a. 1346/1347), zu den 14 Höfen kommen 13 Widamhöfe und -güter; Kuchenbuch S.50 (a. 1321); Kuchenbuch S.37 (a. 1355); zu Rosenheim nächste Anmerkung.Zurück zum Haupttext.

39

Sorge S. 110f.Zurück zum Haupttext.

40

Masuch S. 182-184.Zurück zum Haupttext.

41

Bentzien, in: Bäuerliche Sachkultur S. 77-81.Zurück zum Haupttext.

42

Helbig 2, Nr. 45.Zurück zum Haupttext.

43

Borchardt S. 463.Zurück zum Haupttext.

44

Rödel, Salbuch S.136f., 144; Jäger bei Rödel/Schneider S. 254.Zurück zum Haupttext.

45

Dopsch bei Patze 2, S. 253.Zurück zum Haupttext.

46

Klein, Beiträge S. 220f. Zurück zum Haupttext.

47

Rödel bei Rödel/Schneider S. 283-285 auch zum folgenden.Zurück zum Haupttext.

48

Seidenspinner S. 58; Hopfenzitz S. 47f.; Hoffmann, Agrarkrise S. 233f.Zurück zum Haupttext.

49

Rödel/Schöffler S. 105.Zurück zum Haupttext.

50

Deeters S.50; Borchardt S.439, 464.Zurück zum Haupttext.

51

Franz Nr.191.Zurück zum Haupttext.

52

Sabean S. 65f. Eine ältere Schätzung nahm für eine sechsköpfige Familie 12-22 ha als notwendige Ernährungsgrundlage an, vgl. Engel/Zientara S. 299.Zurück zum Haupttext.

53

Klein, Beiträge S. 222f. für das Amt Werfen.Zurück zum Haupttext.

54

Dirlmeier S. 334.Zurück zum Haupttext.

55

Dirlmeier S. 164.Zurück zum Haupttext.

56

Rödel, Salbuch S. 48 mit Rödel/Schöffler S. 109.Zurück zum Haupttext.

57

Maulhardt S. 105f.Zurück zum Haupttext.

58

Müller, Wirtschaftliche Lage S. 311.Zurück zum Haupttext.

59

Rübsamen S. 211, 217.Zurück zum Haupttext.

60

Görner S. 24f.Zurück zum Haupttext.

61

Erphurdianus bei Thiele S. 141.Zurück zum Haupttext.

62

Sprandel, Malvasia S. 35f. und 126f., Maulhardt S. 105f.Zurück zum Haupttext.

63

Heidacher S.73.Zurück zum Haupttext.

64

Maulhardt S. 115f.Zurück zum Haupttext.

65

Schirmer, Das Amt S. 47-49, 342.Zurück zum Haupttext.

66

Ulbrich S, 305.Zurück zum Haupttext.

67

Rösener bei Patze 2, S. 110.Zurück zum Haupttext.

68

Weiss S.31, 58; Oppelt S.88.Zurück zum Haupttext.

69

Franz Nr.238; Bader 3, S. 304f. Zurück zum Haupttext.

70

Staatsarchiv Würzburg Standbuch 595, durchgezählt von Dirk O, Rösing, Zulassungsarbeit von 1994.Zurück zum Haupttext.

71

Rödel/Sprandel S.160-180, auch zum folgenden.Zurück zum Haupttext.

72

Rödel bei Rödel/Schneider S. 288-297.Zurück zum Haupttext.

73

Störmer, Probleme S. 154-158.Zurück zum Haupttext.

74

Harrer S. 31f.Zurück zum Haupttext.

75

Harrer S. 138, 358.Zurück zum Haupttext.

76

Kießling S. 420.Zurück zum Haupttext.

77

Braun 2, Ortsverzeichnis.Zurück zum Haupttext.

78

Rödel, Salbuch S. 149-152.Zurück zum Haupttext.

79

Kreft S. 247, 256.Zurück zum Haupttext.

80

Kießling S. 420.Zurück zum Haupttext.

81

Timm S. 104.Zurück zum Haupttext.

82

Haushofer, in: Bauernschaft S. 121.Zurück zum Haupttext.

83

Wopfner Nr. 227.Zurück zum Haupttext.

84

Reichstagsakten (Ältere Reihe) 9, S. 91- 100.Zurück zum Haupttext.

85

Scherzer, Herrschaft S. 453-455; Bader 3, S. 312; Arnold, Dorfweistümer S. 867.Zurück zum Haupttext.

86

Lamprecht 3, S. 136; Illemann S. 12; Helbig 1, Nr.59.Zurück zum Haupttext.

87

Ähnlich in nahen Wertheimer Dörfern, vgl. Arnold, Dorfweistümer S.866f.Zurück zum Haupttext.

88

Willoweit, Gebot und Verbot S. 108.Zurück zum Haupttext.

89

Willoweit, Gebot und Verbot S. 111; Bader 3, S. 186.Zurück zum Haupttext.

90

Franz Nr. 205, 233; Bader 2, S. 285-288, 347f. 3, S. 308f.Zurück zum Haupttext.

91

Bader 2, S. 51; Willoweit, Gebot und Verbot S.110f.Zurück zum Haupttext.

92

Arnold, Dorfweitümer S. 858, 872.Zurück zum Haupttext.

93

Gilomen S. 159f.Zurück zum Haupttext.

94

Dinklage Nr.34.Zurück zum Haupttext.

95

Gilomen S. 143.Zurück zum Haupttext.

96

Bader 3, S. 307.Zurück zum Haupttext.

97

Wopfner Nr. 155, 221.Zurück zum Haupttext.

98

Fehn S. 16, mit 160, 62 mit 181.Zurück zum Haupttext.

99

Vgl. auch Bader 2, 243f. besonders am Beispiel des Glarus.Zurück zum Haupttext.

100

Epperlein, Bauernbedrückung S. 47, 51.Zurück zum Haupttext.

101

Quirin, Ostsiedlung S. 102.Zurück zum Haupttext.

102

Bader 2, S. 237; 3, S.295f.Zurück zum Haupttext.

103

Weiss S.59, 164.Zurück zum Haupttext.

104

Arnold, Dorfweistümer S. 861-865. Burgfron auch in Blieskastell bei Zweibrücken, vgl. Willoweit, Gebot und Verbot S.114.Zurück zum Haupttext.

105

Arnold, Dorfweistümer S. 848.Zurück zum Haupttext.

106

Prange, Zehntregister S. 18.Zurück zum Haupttext.

107

Lamprecht 3, S.62.Zurück zum Haupttext.

108

Sabean S. 110.Zurück zum Haupttext.

109

Willoweit, Gebot und Verbot S. 125.Zurück zum Haupttext.

110

Lamprecht 3, S. 304f.Zurück zum Haupttext.

111

Franz Nr. 182.Zurück zum Haupttext.

112

Braun 1, S. 270f.Zurück zum Haupttext.

113

Arnold, Dorfweistümer S.853, 861-866,871,876. Ähnliche Beispiele von Zentgerichten für die Dörfer ihres Bezirks bei Willoweit, Gebot und Verbot S. 111.Zurück zum Haupttext.

114

Braun 1, S. 303f. Zurück zum Haupttext.

115

Franz Nr. 240.Zurück zum Haupttext.

116

Franz Nr. 128; Jänichen bei Mayer, Landgemeinde S. 211.Zurück zum Haupttext.

117

Tewes S.32, 39f. 66-69.Zurück zum Haupttext.

118

Wopfner Nr. 223, 248, 258.Zurück zum Haupttext.

119

Epperlein, Bauernbedrückung S. 47, 78f., 109.Zurück zum Haupttext.

120

Bünz bei Rösener S. 161.Zurück zum Haupttext.

121

Bader 3, S. 300 auch zum folgenden.Zurück zum Haupttext.

122

Kuchenbuch S. 170.Zurück zum Haupttext.

123

Jänichen bei Mayer, Landgemeinde S. 210. Zurück zum Haupttext.

124

Lamprecht 3, S.17, 50, 240; Franz Nr. 225.Zurück zum Haupttext.

125

Lamprecht 3, S. 285f.Zurück zum Haupttext.

126

Bader 2, S. 241f.Zurück zum Haupttext.

127

Sabean S. 110.Zurück zum Haupttext.

128

Jänichen bei Mayer, Landgemeinde S. 215-217.Zurück zum Haupttext.

129

Helbig 2, Nr. 52.Zurück zum Haupttext.

130

Jänichen bei Mayer, Landgemeinde S. 210f. mit ähnlichen Verkäufen u.a. in Zimmern und Vöhringen.Zurück zum Haupttext.

131

Franz Nr. 153.Zurück zum Haupttext.

132

Jänichen bei Mayer, Landgemeinde S. 217f.Zurück zum Haupttext.

133

Lamprecht 3, S.234.Zurück zum Haupttext.

134

Jänichen bei Mayer, Landgemeinde S.211f.Zurück zum Haupttext.

135

Sablonier S. 238.Zurück zum Haupttext.

136

Epperlein, Bauernbedrückung S. 37; Wopfner Nr. 198, 239; Jänichen bei Mayer, Landgemeinde S. 211.Zurück zum Haupttext.

137

Wopfner Nr. 181.Zurück zum Haupttext.

138

Wopfner Nr. 231; Arnold, Dorfweistümer 858, 875.Zurück zum Haupttext.

139

Maulhardt S. 62f.Zurück zum Haupttext.

140

A. Cordes, LexMa 6, Sp. 298.Zurück zum Haupttext.

141

Helbig 1, Nr.76.Zurück zum Haupttext.

142

Jänichen bei Mayer Landgemeinde S. 211.Zurück zum Haupttext.

143

Lamprecht 3, S. 285.Zurück zum Haupttext.

144

z. B. Franz Nr. 224.Zurück zum Haupttext.

145

Bader 2, 69-89.Zurück zum Haupttext.

146

Ähnlich in Esselsbach und Oberndorf, vgl. Arnold, Dorfweistümer S. 869. Zurück zum Haupttext.

147

Seidenspinner S. 77, 136; Fischer-Pache S. 109.Zurück zum Haupttext.

148

Rödel bei Rödel/Schneider S. 286; Willoweit, Gebot und Verbot S. 112; Gilomen S. 149.Zurück zum Haupttext.

149

Arnold, Dorfweistümer S. 855, 862, 875.Zurück zum Haupttext.

150

Lechner bei Mayer, Landgemeinde S. 107-162.Zurück zum Haupttext.

151

Schröder-Lembke S. 12.Zurück zum Haupttext.

152

Epperlein, Bauernbedrückung S. 37.Zurück zum Haupttext.

153

Wopfner Nr. 164.Zurück zum Haupttext.

154

Ott, Studien S. 53 (Beispiel Tunsel), 58 (Beispiel Langenbergen).Zurück zum Haupttext.

155

Willoweit, Gebot und Verbot S. 104-110.Zurück zum Haupttext.

156

Bader 1, S. 181, 200. Zurück zum Haupttext.

157

Willoweit, Gebot und Verbot S. 112.Zurück zum Haupttext.

158

Franz Nr. 142, 176, 182.Zurück zum Haupttext.

159

Arnold, Dorfweitümer S. 829; Willoweit, Gebot und Verbot S. 115f.Zurück zum Haupttext.

160

Lamprecht 3, S. 199; Franz Nr. 205; Rödel bei Rödel/Schneider S.286; Bader 3, S. 316f.Zurück zum Haupttext.

161

Bader 2, S.373f.; 3, 317f.Zurück zum Haupttext.

162

Bader 2, S. 341; 3, S. 319; Jänichen bei Mayer, Landgemeinde S. 206f.Zurück zum Haupttext.

163

Arnold, Dorfweitümer S. 875.Zurück zum Haupttext.

164

Franz Nr. 126.Zurück zum Haupttext.

165

Rödel bei Rödel/Schneider S. 285; vgl. dort S. 286 wonach in einem anderen Dorf die Bevorrechteten des "Klosters Landsiedeln", also wohl die Bauern einer Herrschaft, sind.Zurück zum Haupttext.

166

Rödel bei Rödel/Schneider S. 283.Zurück zum Haupttext.

167

Hoffmann, Himmelpforte Nr. 263. Zurück zum Haupttext.

168

Bader 3, S. 300.Zurück zum Haupttext.

169

Bader 2, S.127.Zurück zum Haupttext.

170

Weiss S. 39.Zurück zum Haupttext.

171

Timm S. 108.Zurück zum Haupttext.

172

Mahr S. 45.Zurück zum Haupttext.

173

Mitterauer S. 231-239, 294, 300.Zurück zum Haupttext.

174

Arnold, Dorfweistümer S. 870.Zurück zum Haupttext.

175

Weiss S.84-88.Zurück zum Haupttext.

176

Morsel, Thüngen S. 416f.Zurück zum Haupttext.