zur Navigation

Internetportal Historisches Unterfranken

Die Wüstungsbewegung

Von Rolf Sprandel*

In dieser Seite navigieren.

Gliederungen und Abgrenzungen

Einen neueren Überblick über den Stand der Wüstungsforschung verfaßte Helmut Jäger 1998.1 Schwerpunkte der Wüstungsforschung sind u. a. der Umfang und die innere Gliederung der Wüstungsbewegung, der Rechtscharakter der Wüstungen und ihre wirtschaftliche Bedeutung. Die Begrifflichkeit der Quellen, der Akten, Urkunden und Chroniken, ist dafür bisher verhältnismäßig selten genutzt worden. Im folgenden soll als erstes die Frage gestellt werden, ob die Begrifflichkeit unseres Materials in dieser Hinsicht die Wüstungforschung erhellen kann, und es werden Vorschläge dafür gemacht.

Man unterscheidet zwischen Flur- und Siedlungswüstungen. Siedlungswüstungen erfassten entweder ganze Dörfer, Teile von Dörfern oder nur Höfe. Flurwüstungen und Siedlungswüstungen hängen oft, aber nicht immer miteinander zusammen. Wenn die landwirtschaftliche Bevölkerung einen oder mehrere Orte verläßt, um sich an einem anderen Ort zu konzentrieren, von dem aus die alten Fluren weiter bearbeitet werden, kann man von einer kleinräumigen Migration sprechen, die die Bodennutzung nicht verändert.

Fluren sind Äcker, Wiesen, Weingärten und andere Gärten. Sie werden von Wäldern, Moor, Heide, verschiedenen Arten von Brache und verschiedenen Gewässern umgeben. Eine Flurwüstung bedeutete eine Ausdehnung der zuletzt genannten Bodenarten zu Lasten der vorher genannten. Sie wurde in der Regel nicht als Wüstung bezeichnet. Die wenigen Flurstücke, die davon eine Ausnahme bildeten, waren Weinberge (1, Nr. 681, 2099; 2, Nr. 1322) und einmal Äcker um eine Burg herum (2, Nr. 375).2

Die Aufgabe einer Flur führte entweder zu einem vollkommenen Verzicht auf die Bodennutzung durch den Menschen oder - häufiger - zu einer extensiveren Nutzung als vorher.

Schrumpfung von Fluren bei Fortbestand von Siedlungen wird im spätmittelalterlichen Deutschland häufig beobachtet. In der Michelsberger Grundherrschaft waren Dörfer, die bestehen blieben, aber einen Teil ihrer Äcker verloren: 1432 Tiefental 18 ½ Äcker, Viereth 22 ½, 1433 Elsendorf 9 ½ von 102 Äckern.3

In den Würzburger Lehenbüchern und ergänzendem Material erscheinen Wüstungen, die in der Quellensprache wustunge oder wustenunge genannt werden. Sie waren Objekt eines Belehnungsvorgangs und wurden dabei so wie Siedlungen, etwa Dörfer und Huben, behandelt. Sie erscheinen in Aufreihungen solcher Objekte, etwa: Huben, Lehen, Seldenhäuser, Wüstungen (2, Nr. 705) oder: Dörfer, Weiler, Höfe, Wüstungen (lf 21, f. 125v-126v; vgl. auch ldf 11, S. 51 und ldf 12, S. 699-701). Wüstungen wurden wie andere Objekte als "rechte Mannlehen" vergeben (lf 11, f. 33v; lf 21, f. 91r; lf rieneck, f. 44f.). Die Wüstungen der Lehenbücher hatten feste Grenzen und konnten innerhalb derselben halbiert und gevierteilt werden (1, Nr. 1369, 1698). Teile wurden getrennt verliehen (1, Nr. 1756).

Es fällt auf, daß bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts, als die Lehenbücher noch lateinisch geführt wurden, der deutsche Ausdruck wustunge in einen lateinischen Kontext eingefügt wurde. Er wechselte ab mit villa deserta, seltener bona oder area deserta, bzw. desolata. Der weitaus überwiegende Sprachgebrauch ist aber wustunge, also Wüstung,4 offenbar ein Terminus der mündlich ablaufenden lehenrechtlichen Vorgänge und schwer in die damals noch lateinische Registersprache zu übersetzen. Die Übersetzung villa deserta lag nahe, war aber offenbar nicht vollkommen befriedigend. Eine Wüstung war mehr als nur ein verlassenes Dorf. Aber worin war sie mehr?

Die Quellen des oberfränkischen Michelsberg haben einen parallelen Sprachgebrauch. Eine Wüstung war in der Regel ein Dorf. Man sprach sogar von Wüstung und Äckern oder Äckern (einer) Wüstung. In Bamberger und Ebracher Quellen ist die Weiterbenutzung von Äckern einer Wüstung von Nachbardörfern aus ausdrücklich bezeugt. 1356 stritten vier Bauern aus Ebing mit dem Kloster Michelsberg um die Benutzung der Äcker der Wüstung Schlammersdorf. Sie behielten Recht, aber mußten aus Gründen, die man nicht mehr erklären kann, in das benachbarte Rattelsdorf umziehen.5

Der Wert, der ehemalige Siedlungen zu Lehenobjekten machte, lag natürlich nicht in ihrer Verlassenheit begründet. Wüstung cum decima et pertinentiis suis, heißt es einmal (1, Nr. 3587). Der Zehnte, den man von der Wüstung einsammeln konnte, und die Pertinentien sind die deutlichste Umschreibung für diesen Wert und werden immer wieder genannt. Der Zehnte von einer Wüstung konnte auch für sich allein als ganzes oder in Teilen Objekt einer Belehnung sein. Der jährliche Ertrag eines Teilzehnten aus einer Wüstung wird einmal mit zwei oder drei Maltern Getreide angegeben (WSB 2, f. 222r). Dadurch wird zugleich der Getreideanbau auf den Äckern der Wüstung bezeugt.

Mit Pertinentien bezeichnete man entweder die gesamte Fläche, die zu einem Dorf gehört hatte, "Holz, Feld, Wiesen, Äcker", (lf. 21, f. 41r) oder die Allmende eines Dorfes, bzw. den Allemende Anteil eines Hofes.

Wüstungen wurden wegen dieser Ertragsfähigkeit zur Fundierung von Witwenvorsorgekapital (Bekennungen) benutzt (lf 21, f. 113v, 115r, 118v; 29, f. 168v). Zur Ausstattung eines Zentgrafenamtes bei Meiningen gehörte ein Kranz von fünf Wüstungen (B 388, C 204). Eine Wüstung wurde verkauft (lf 21, f. 43v) oder verpfändet. Die Pfandsummen betrugen im 14. Jahrhundert z.B. 60 Pfund Heller, also lb h,6 157 lb h (B 111), 80 lb h (B 186). Die Wirtschaftsfläche wird gelegentlich benannt: Die Erdäcker, die zu einer Wüstung gehören (lf 21, f. 91r) oder sogar mit Maßangaben: 40 Äcker und sechs Joch Wiese (1, Nr. 1734). Nicht nur Abgaben, sondern auch Frondienste mußten für die Nutzung von Wüstungen erbracht werden (ldf 12, S. 83-87).

Die Lehenbücher unterrichten nicht nur über die Eigenart der Wüstungen, sondern auch über den Wüstungsprozeß. Dörfer wurden oft nicht in einem Zuge wüst, sondern wurden von dem Prozeß langsam aufgesogen.

Wieder ist auf Parallelen aus Michelsberg hinzuweisen. Im Dorf Blanck waren 1360 ein mansus desertus, 1470 alle sieben Hufen wüst.8

Nachdem die Würzburger Lehenbücher deutschsprachig geworden waren, begegnen wir gelegentlich terminologischen Umständlichkeiten. Mehrmals spricht der Schreiber von einem Objekt, das früher ein Dorf war, jetzt aber eine Wüstung sei (lf 21, f. 41r; ldf 19, S. 312-317) oder von einer Wüstung des Dorfes (lf 21, f. 15r). Einmal ist das Wort Wüstung sogar entfallen: Gerungs, das vor Zeiten ein Dorf war (B 675). Ein Schreiber des Würzburger Lehenbuches wußte manchmal nicht genau, ob es sich noch um ein Dorf oder schon um eine Wüstung handelte (lf 21, f. 41r).

Zu unterscheiden ist zwischen Wüstungen, die wie ein Dorf einen Namen tragen und solchen, die mit dem Namen durch ein "zu" oder "in" verbunden wurden. Hier kann es sich um partielle Wüstungen handeln. In den Lehenbüchern wird an der einen Stelle z.B. von der Wüstung zu Teichenstätten und an der anderen von Dorf und Wüstung zu Teichenstätten gesprochen (lf 29, f. 90v; lf 31, f. 145v). Das Dorf war noch neben der Wüstung vorhanden.

Der Beginn eines Wüstungsprozesses ist auch in Geusfeld zu beobachten. Es ist die Rede von besetzten und wüsten Selden (lf 21, f. 40r). Aber der Ort blieb erhalten. Der Prozeß wurde gewissermaßen gestoppt. Ähnliches gilt für mehrere Orte, in denen zugleich Höfe bzw. Hofstätten und Wüstungen erwähnt werden (1, Nr. 3186; lf 21, f. 45v; lf 25, 116r).

Auf einen fortschreitenden Namensverlust läßt es wohl schließen, wenn Wüstung durch dicta mit einem Namen nach dem Typ Wüstung dicta Coppenwind (1, Nr. 2455) verbunden wird. Immerhin ist etwa die Hälfte der derart in den Lehenbüchern bezeichneten Orte später wieder zu einer Siedlung geworden. Die Bezeichnung villa Prelsdorf cum Wüstung dicta Rodelin (1, Nr. 3199) scheint darauf schließen zu lassen, daß eine kleinere Rodung, die aus der villa vorgenommen worden war, wieder aufgelassen wurde.

Der Namensverlust ist wohl ein Symptom der Dorfauflösung. Reinhardswinden vulgariter dicta Wüstung wird mehrmals genannt (1, Nr. 3849; 2, Nr. 58). Reinhardswinden ist heute abgegangen. Mit Wüstung gebildete Ortsnamen haben mehrfach bis heute Kontinuität. Sie lassen wohl auf eine neue Ortsbildung in der Wüstung eines alten Dorfes schließen. Auch solche neuen Ortsbildungen waren wüstungsanfällig. Es wird von aree desolatae in Wüstenfurtese, einer Wüstung in Wüstenstreu und einer halben Wüstung in Wüstenfischbach gesprochen (1, Nr. 1775; 2, Nr. 1051).

Der Zehnte von Wüstungen hieß meistens einfach Zehnter oder decima, in einigen Fällen aber auch Neubruchzehnter oder decima novalium. Man machte den Versuch, einige Äcker der Dorfwüstung wieder in Nutzung zu ziehen und wählte dafür das Rechtsmittel des Neubruchzehnten. Eine solche Beobachtung macht man sowohl bei später abgegangenen Orten wie Varichsdorf (1, Nr. 1763f., 2177), deren wüste Fluren also von anderer Seite als Neubruch bearbeitet wurden, als auch bei Orten, die erhalten blieben, wie Bergtheim (2, Nr. 380), bei denen also die Rodung und die Inanspruchnahme des Neubruchzehnten von dem bedrohten Ort selbst erfolgte. Die Bergtheimer bekamen also den Neubruchzehnten von einer bei ihrer Siedlung gelegenen Wüstung. Thüngbach wurde 1326 als Wüstung bezeichnet, wurde aber schon 1333 wieder als villa mit einem gewöhnlichen Zehnten, kombiniert mit einem Neubruchzehnten verliehen (1, Nr. 2451, 3035).

Die Quellensprache unterrichtet also nicht nur über den Beginn des Wüstungsprozeses, sondern auch über sein Ende. Die Lehenvergabe von bona, Huben u.ä. in einer mit Namen benannten Wüstung wird man als den Anfang einer Neubesiedlung werten dürfen. Ein "wüstes Dorf zu Kornbrunnen" wird schon 1317 bezeugt. Die aus ihm 1354 erfolgte Verleihung von 16 Äckern läßt sich noch als Umorganisation der nutzbaren Flur deuten.9 Aber wenn im Henneberger Lehenbuch von zwei Vorwerken und vier Huben darin die Rede ist (A 333), so ist doch wohl an eine energische Wiederbesiedelung der alten Ortschaft zu denken. Das Dorf Kornbrunnen ist trotzdem nicht wieder erstanden. Auch andere Wüstungen, in denen zeitweise bona und Huben genannt werden, Strambach, Hauxmoor, Dürrbach (2, Nr. 561, 639; lf 21, f. 40r), konnten trotzdem nicht wieder zu Dörfern werden. Nur die 11 bona in Reulbach führten offenbar zum Erhalt des Ortes (1, Nr. 2079).

Mehrmals beobachten wir die Wiedererrichtung oder die Fortdauer einer villa, eines Dorfes in dem kleineren Rahmen einer villula, eines Hofes oder gar einer Hofreit. Limbach war 1320 villa, 1327 eine Wüstung und erscheint 1329 wieder als villula (1. Nr. 1751,2538, 2566, 2665). 1505 wird die "Wüstung Sambach, die ein Dorf gewesen ist, und dort hinein gehören 100 Morgen Holz", erwähnt (ldf 19, S. 312-317). Ein Sambachhof existiert fortgesetzt.10 1478 erwähnt das Würzburger Salbuch eine Hofreit. "Davor war sie eine Wüstung" (WSB 2, f. 54v).

Das "Holz" von Sambach weist auf einen weiteren wichtigen Faktor der Wiederbesiedelung hin: die Verschiebung der Bodennutzung. Kloster Aurach hatte 1497 auf der Wüstung Bremersdorf, die 1366 noch eine villa war, ein Gehölz (2, Nr. 1817; ldf 19, S. 45), also einen nutzbaren Wald, der hier wie in Sambach möglicherweise die Wiederbesiedlung nach der alten Weise verhinderte.

Art der Herrschaft

Eine Reihe von Zeugnissen weist darauf hin, daß für die Fortexistenz und das Wiedererstehen von Siedlungen die Art der Herrschaft nicht unwesentlich war. Ich wähle hier zwei Fallbeispiele. 1371 gab es ein damals noch zweigeteiltes allodium Berkach (2, Nr. 2217). 1498 wurde das Dorf Berkach, "das jetzt eine Wüstung sei", vom Bischof aus einer Verpfändung, in die es unter Bischof Albrecht (1345-1372) geraten wäre, zurück gelöst. Damals hatte der Bischof dafür 250 lb h bekommen. Jetzt wurde das Dorf dem Bischof umsonst zurückgegeben, einerseits weil der Pfandinhaber keinen "Hauptbrief" vorweisen konnte, aber andererseits sicherlich auch weil die Wüstung nicht mehr den Wert eines Dorfes hatte (ldf 19, S. 43). Schon 1456 taucht eine Wüstung "genannt zum Berkess" auf, die mit Berkach identifiziert wird ( lf 21, f. 43v und lf 29, f. 90r). Nach der Rücknahme durch den Bischof wurde dann offenbar die Grundlage für den Wiederaufbau des Dorfes gelegt, das schon fast seinen Namen verloren hatte.

Der andere der beiden Fälle ist einfacher. 1499 und 1512 wurde die Wüstung Würzbach als Lehen vergeben. Der Bischof behielt sich beide Male vor, die Wüstung, "wenn es ihm genehm sei,.. zu Händen, Gewalt und Gebrauch zu nehmen" (lf 29, f. 128v; 30, f. 22v). Aber der Ort blieb wüst und der Bischof fand wohl keine Gelegenheit, seine Option zu realisieren.

Nachdem ich oben mehrfach Parallelen aus der Grundherrschaft Michelsberg des benachbarten Oberfranken herangezogen habe, möchte ich nun den Kreis der Vergleichsbeispiele ausweiten.

Zisterzienser traten als Sanierer von Wüstungen auf. 1308 verkaufte der Probst von Lammspringe ein Dorf, das durch Kriegswirren ganz wüst geworden war und in dem sich keine Bauern mehr fanden, den Zisterziensern von Marienrode mit der Erwartung der Wiederbesiedlung. Andere alte Klöster und Stifte warteten nicht auf die Zisterzienser, sondern übernahmen selbst die Sanierung. So hatte St. Michael in Hildesheim 1487 vier Hufen Landes, die früher wüst waren, aber jetzt bemeiert wurden.11

Daneben gab es ausgesprochene Wiederbesiedlungsabkommen. 1286 waren die Güter des Hildesheimer Kreuzstiftes durch einen Krieg verwüstet worden. Ein Abkommen des Stifts mit dem Bischof sah vor, daß der Bischof dem Stift ein Drittel der Aufbaukosten abnahm. Das Kloster Altzelle in Sachsen vereinbarte 1327 mit einem Kleinadeligen in dem verlassenen Dorf Neudorf, heute Neudörfchen, Bauern anzusetzen. Er durfte auf Lebenszeit alle Abgaben derselben einnehmen, sollte selbst aber keine Gebäude errichten. Man wollte eine adelige Eigenwirtschaft verhindern.12

Ein Niederadeliger wurde vor 1348 ermutigt, auf eine Wüstung wieder Bauern zu setzen, weil der Bamberger Bischof davon jährlich 40 lb h und mehr bekommen könne. Ähnlich vereinbarte Michelsberg 1407 mit den Truchseß, eine Wüstung, die früher fünf Güter hatte, wieder zu "bezimmern und in redlichem Baue zu halten". Dafür waren nur ½ Sumer Roggen jährlich an das Kloster zu entrichten, das früher von den Gütern 28 Sumer Roggen und Hafer erhalten hatte. Das Unternehmen wurde ein Fehlschlag, obwohl das Kloster später noch die Zeitpacht der Truchseß in Erbpacht und den Naturalzins in Geldzins umwandelte.13

1361 wurde der Prior des kluniazensischen St. Alban in Basel von einem Generalkapitel ermahnt, sich zu bemühen, daß die Ländereien, die von der Zeit seines Vorgängers her unbebaut seien, wieder unter den Pflug kämen. Manchmal wird die Perspektive der Wiederbesiedelung fest in das Auge gefaßt. Das Dorf Ottersberg in Niedersachsen bekam 1437 die "Rechtigkeit" an Gütern, die wüst waren, bis zur Wiederbesetzung. So hatte Ottersberg sein "uplicht", Vorteil, und die Herren ihren Zins. Der Abt von Michelsberg konzedierte 1469 bei einem Pachtvertrage in Gremsdorf, daß der Pächter im Kriegsfall den Hof und das Dorf räumte und dem Feuer überließ. "So sollen sie,wenn der Unfriede sich gelegt hat, die Hofreit bebauen mit Häuser, Stedeln" usw.14

Man ging auch mit Zwang vor. St. Blasien durfte gemäß einem Weistum von 1383 Gotteshausleute, die außerhalb des Klosterterritoriums lebten, zwingen, unbesetzte Höfe zu übernehmen.15 Solche Zwangsmaßnahmen waren dort um so leichter dort durchzuführen, wo der Leibherr auch die Territorialherrschaft besaß.16 Die Herren zogen auch Bauern heran, die grundherrlichen Höfe bebauten, die den verödeten Gütern benachbart waren. Frauenchiemsee verfügte für seinen Tiroler Besitz, daß seine Kapläne die Bauern des Klosters "nehmen und darauf nöten", wenn die Kapellengüter "geödet und nicht baulich" lägen.17 1413 ordnete der Rat von Basel an, daß in seiner Vogtei Waldenburg alle diejenigen, die den Ackerbau aufgegeben hatten, vom Vogt gezwungen werden sollten wieder zu pflügen. Wenn sie keinen Pflug mehr hätten, sollten sich zwei "zusammen spannen", damit ihr und der Stadt Gut nicht wüst bleibe.18

Die drei Herren Würzburg, Mainz und Rieneck hatten in Schonderfeld und Michelau Gebot und Verbot und ordneten 1469 an, daß die Hubner die wüsten Güter dieser Herrn bestellen sollten. Wenn sie es getan und drei "Scheub", wohl Vogelscheuchen, aufgestellt hätten, sollten sie frei von Buße sein (WSB 1, f. 276r-278r).

So wie bei Rodungen Eigentumsverhältnisse oft neu konstituiert wurden, unterlagen sie auch bei der Wiederbesetzung temporärer Wüstungen einseitigen Veränderungen. Lehen, die wüst fielen, scheinen automatisch zum Herren zurückgekehrt und von diesen neu vergeben worden zu sein, so eine Hofstatt bei Rothenfels, die Eberhard von Dottenheim 1404 bekam (lf 11, f. 38v-39r).

In einer Niederschrift des Klosters Niederaltaich wurde etwa 1247 darüber geklagt, daß durch die Kriege der Grafen von Bogen in villa Isarhofen schon lange keine coloni mehr anzutreffen wären. Keiner kenne mehr die Äcker und Wiesen. Sie mußten durch den Abt neu vermessen werden. Ein Teil wurde in Huben an andere ausgegeben, einen Teil behielt das Kloster. 1280 stritten sich das Kloster Prüm und ein adeliger Vogt um das Verfügungsrecht über Güter, von denen die mansionarii geflohen oder ohne Erben gestorben wären. Über zwei Drittel sollte der Abt, über ein Drittel der Vogt verfügen19. In der Mitte des 15. Jahrhunderts beschwerte sich die Ritterschaft eines kurkölnischen Amtes darüber, daß andere als die früheren Besitzer wüste Güter bebauten und sie von diesen keine Besitzwechselabgaben mehr bekämen. 1481 verbot der Graf vom Württemberg der Gemeinde Neckartailfingen zum wiederholten Mal, die dem Neckar abgewonnenen Gründe als Allmende zu nutzen, und anerkannte das Zuwachsrecht der früheren Besitzer der abgeschwemmten Liegenschaften.20

1500 wurde ein Prozeß über einen Wald zwischen den Leuten von Reutern (Kr. Augsburg) und dem Kloster Oberschönefeld geführt. Der Wald sei denen von Reutern zum Roden überlassen worden. Die entsprechende Urkunde von 1344 wurde vorgelegt. Das Kloster meinte dagegen, in dem Wald sei nie gerodet worden, worauf die Gegenseite auf die noch sichtbaren Furchen hinwies. Da Reutern in Kriegen bis auf zwei Häuser zerstört worden sei, habe es die Rodung nicht offen halten können. Darauf veränderte das Kloster die Argumentation. In der vorgelegten Urkunde sei dieses Reutern nicht gemeint gewesen, und das Kloster behielt vor dem Schiedsgericht Recht. Die Herren von Welden, die das Dorf als Dorfherrn gegen das Kloster vertraten, hatten 1327 mit dem Kloster einen Vertrag geschlossen, um ein anderes Dorf wieder zu besiedeln. Dafür sollte das Kloster 60 Juchart zusteuern, die es aber zurücknehmen würde, falls das Dorf "immer wieder zu einer Wüste" werde.21

Aus Streitigkeiten, die aus einer Verschiebung der Macht- und Rechtsverhältnisse in der Zeit der temporären Wüstung hervorgingen, entstanden Widerstände gegen eine Wiederbesiedlung. Als die Herren von Hatzfeld bald nach 1500 das wüste Dorf Eifa wieder aufbauen wollten, vereitelte dieses der Amtmann von Battenberg, weil die Herren von Hatzfeld die hessische "Oberhoheit" nicht anerkennen wollten. Ähnlich erging es dem Dorf Andenhausen im Streit zwischen den Herrn von Tann und dem Abt von Fulda. Ein Hindernis zur Wiederbesiedelung entstand auch dadurch, daß viele Herrschaftsteile im Spätmittelalter verpfändet waren, befristete Pfandherrn aber nicht die Neigung zu Investitionen hatten. So nahm der Domprobst von Münster 1276 Pfandgüter unter dem Vorbehalt an, keine Kriegsschäden ausbessern zu müssen.22

Verlängerte Brache

Innerhalb der Flurwüstungen sind die Egerten, in Nord- und Westdeutschland Driesch genannt, "Sondergebiete verminderter Nutzungsfähigkeit", zu unterscheiden.23 In den Würzburger Lehenbüchern erscheint 1317/1318 zuerst egerde als deutsches Wort im lateinischen Kontext (1, Nr. 1284). Matthias Lexer übersetzt Brachland. Allerdings ist das Brachland der Dreifelderwirtschaft nicht gemeint. Karl Siegfried Bader schlägt eine Ableitung von agerida = ungepflügtes Land vor.24 Die Lehenbücher geben wenige genauere Auskünfte über egerden und egerten. 1519 heißt es einmal von einem Acker, er sei schon jahrelang eine egerten (lf 31, f. 186r). In anderen Einträgen finden sich Äcker, Weingarten und egerten nebeneinander gestellt. Egerten wurden gemessen. Innerhalb der Würzburger Weinberge und in der Gemarkung Sommerhausen werden 1496 und 1502 je eine egerten von zwei und 1 ½ Morgen bezeugt (lf 31, f. 3r und 52r). Man zahlte Abgaben von egerten, 1461 bei Schlüsselfeld die relativ hohe Summe von 7 ½ d (lf 21, f. 54v-57r).

Ferdinand Tremel ist für das Ostalpenland bestimmt: "Unter den Egerten versteht man eine sehr extensive Wirtschaftsform, bei der das Feld ein Jahr mit Wintersaat bestellt und hernach je nach Bonität und nach dem Klima drei bis sechs Jahre brach gelassen wurde", was der Viehwirtschaft sehr entgegenkam.25

Man kann auch sagen: Wenn Ackerflächen erweitert werden sollten, nahm man zuerst die Egerten und Driesch. Bei Braubach wurde 1509 vereinbart, einen Driesch wieder zu einem Weingarten zu machen und dem Bebauer sechs abgabenfreie Jahre zu gewähren. Oder man begann mit Sommergetreide. 1444 hatte der Kellner von Oberlahnstein auf einen Driesch Hafer säen lassen, der aber verdarb. 26

Wie Egerten ist also die Brache von Flurwüstung zu unterscheiden. Immerhin erscheint die Brache im Rahmen von Fruchtfolgesystemen gewissermaßen als besonders kurze, geplante Flurwüstung. Die Nähe der Brache zur Flurwüstung wird besonders deutlich, wenn Bauern sich gezwungen sehen, die Brache auszudehnen.

Gertrud Schröder-Lembke hat für Rheinhessem wahrscheinlich gemacht, daß man im 14. Jahrhundert von einer Dreifelderwirtschaft zu einer Zweifelderwirtschaft überging. Der Ort Hanheim hatte 1255 z.B. drei Felder, 1321 aber nur zwei. Sie versteht diesen Rückgang dadurch, daß man wegen Dürreschäden auf das Sommergetreide verzichtete und die Brachezeit entsprechend verlängerte. Ein wenig Hafer, soviel man brauchte, konnte auf dem Brachfeld gewonnen werden. Im übrigen kam die ausgedehnte Brache der Viehtrift zugute, was insbesondere dort erwünscht war, wo Mangel an Waldweide bestand.27 Otto Volk gibt einen Überblick über die weiteren Forschungen zu dem Thema, meint die Ausbreitung der Zweifelderwirtschaft habe mehrere Ursachen, sei von Rheinhessen aus wohl nach Süden und Norden erfolgt.28

Es ist die Frage zu stellen, ob überall dort auf Zweifelderwirtschaft zu schließen ist, wo unter den Abgaben Sommergetreide entweder gar nicht oder nur in einem kleinen Bruchteil zum Wintergetreide erscheint. Soweit diese Frage zu bejahen ist, war auch im Hochstift Würzburg im 14. und 15. Jahrhundert die Zweifelderwirtschaft bedeutend. In der Grundherrschaft des Klosters Himmelpforten gab es 1230-1405 26 Orte, aus denen nur Wintergetreide abgeliefert wurde, und 21 Orte, in denen sich Sommer- und Wintergetreide kombinierten.29

Eine ähnliche Durchzählung des Würzburger Lehenbuches 21 (1455-1466) ergibt 81 Abgabenverpflichtungen für Winter- und 46 für Sommergetreide. In fast der Hälfte der Verpflichtungen fehlte also das Sommergetreide. In den Verpflichtungen mit kombinierter Abgabe variiert das Verhältnis von Winter- und Sommergetreide zwischen 1:1 und 2:1, bzw. noch weniger Sommergetreide.30 Die Auswertung dieser Zahlen bleibt insofern in der Schwebe, weil man nicht weiß, ob die Abgaben mehr die Anbauverhältnisse oder mehr die Wünsche und Interessen der Abgaben empfangenden Herren widerspiegeln.

Nach Hans Jänichen wurde beim Teilbau mit Drittelabgabe von der Herrschaft manchmal einseitig Roggen ausgewählt, der deswegen Herrengetreide hieß.31

Immerhin ist es denkbar, daß es auch im Hochstift Würzburg große Bracheflächen und -zeiten auf Grund von Zweifelderwirtschaft gab. Selten bleiben die ausdrücklichen Zeugnisse von zwei Feldern, wie 1495 ein oberes und ein unteres Feld im mittelfränkischen Kaubenheim (lf 29, f. 113v). Bei zwei Bauern in einem Ort mit dem bezeichnenden Namen Wustenfelden (heute Wustviel bei Rauhenebrach im Steigerwald) wurde für die Abgaben zwischen dem einen Jahr und dem anderen Jahr unterschieden. Hier wird man wieder auf Zweifelderwirtschaft schließen können. Diese muß aber von besonderer Art gewesen sein. Denn in dem einen Jahr sollten fünf, bzw. sechs Metzen Korn und neun Metzen Hafer, in dem anderen eine Handvoll Flachs abgeliefert werden (lf 25, f. 59v,, 66v). In dem einen Jahr wurde also wohl Sommer- und Wintergetreide nebeneinander angebaut, in dem anderen Jahr, einem Brachejahr, wurde nur etwas Flachs auf der Brache gewonnen.

Hier sind nun einige Beobachtungen anzufügen, die erkennbar machen, daß auch in der Ernte bei einer Dreifelderwirtschaft das Sommergetreide durchaus unter repräsentiert sein konnte.

Die Deutschordens Kommende Heilbronn erhielt 1427 ihre Getreideabgaben etwa ein Drittel in Roggen, ein Drittel in Dinkel und ein Drittel in Hafer, also auch Wintergetreide und Sommergetreide im Verhältnis von 2:1. Diese Dreiheit galt für Schwaben allgemein, führte zu dem Begriff eines Dreikornanbaus und war durchaus mit der Dreifelderwirtschaft verbunden.32

Es ist zu bedenken, daß die Produktivität des Bodens für Sommergetreide halb so groß sein konnte wie für Wintergetreide. Auf dem Katzenelnboger Hof von Wallerstädt wurde nach einer Rechnung von 1401 für Roggen das Verhältnis Saat : Ernte von 1 : 6, für Hafer von 1 : 3 erzielt.33 Bei anderen Höfen war der Hafer dem Roggen zwar mehr angenähert. Aber das Sommerfeld wurde offenbar schonender behandelt als das Winterfeld. In Gremsdorf bei Bamberg wurde 1481 im Rhythmus der Dreifelderwirtschaft deutlich weniger Hafer ausgesät als Roggen, zwei Sumer Hafer statt drei Sumer Roggen. Gleichzeitig war auch hier das Verhältnis von Aussaat zu Ernte beim Hafer niedriger als beim Roggen, lag immer unter 1:6, häufig bei 1:3 und bei Roggen auf 1:6 und höher.34 Nach einem Heilsbronner Gutachten von 1563 konnten auf einem Acker 60 Garben Roggen oder 40 Garben Hafer, deren Umfang allerdings fast doppelt so groß war wie der der 60 Garben Roggen, geerntet werden.35 Der Adel verlangte 1473 in der Neumark z.B. von den Bauern drei Pflugtage Fron für die Wintersaat und einen Tag für die Sommersaat.36 In Schwaben war der Hafer des Sommerfeldes mit Hülsenfrüchten und Wicken, durchsetzt.37

In der Dreifelderwirtschaft war die Zeit des Sommergetreides eine zusätzliche Schonzeit für den Boden. Neben der Schonung des Bodens dient die Dreifelderwirtschaft gleichzeitig der verstärkten Ausnutzung des Bodens. Insbesondere stellt sich sowohl bei der Zwei- wie bei der Dreifelderwirtschaft die Frage nach der Behandlung der Brache.

Im Rheinland wurde die Brache stellenweise mit Wicken durchsetzt. Eine Besömmerung der Brache war nicht immer ungefährlich. Die Ausnutzung der Brache für anspruchsvolle Sonderkulturen, wie den Waidanbau, führte zur Unfruchtbarkeit und Erschöpfung des Bodens. 1316/1317 untersagten deswegen die Kölner Stifte einen solchen Anbau in ihren Grundherrschaften.38

So ordnen sich der Fruchtwechsel und die Behandlung der Brache wie der Kampf gegen Wüstungen in denselben Zusammenhang, in das Bemühen um eine bessere Ausnutzung des Bodens, ein.

Sicherlich gibt es Beispiele dafür, daß sich die Zahl der Felder eines Hofes oder Ortes mit einer gewissen Konsequenz veränderte, von drei auf zwei sank, wie wir oben sahen, oder anstieg, in Niederlenbach in der Wetterau von zwei auf drei und schließlich auf vier Felder. Die Urkunden des Deutschen Ordens in derselben Gegend zeigen eine Zunahme von drei auf vier im Spätmittelalter.39 Man kann daraus wohl auf die Einführung einer verbesserten Dreifelderwirtschaft, ein Zurückdrängen der Brache und eine Verwendung des zusätzlichen vierten Feldes für Gemüse und ähnliches schließen.

Außerdem ist der Rhythmus der Pachtzeiten zu beachten. Es waren 1339 und 1479 in Werlau am Mittelrhein zwei Jahre. Überwiegend waren es drei Jahre und ein Vielfaches davon.40

Eine Bemerkung der Annalen von Colmar zu 1303 zeigt, wie sehr man sich der unterschiedlichen Produktivität des Bodens bewußt war. Es wird preisend davon berichtet, daß die Ährenspindel (culmi) in diesem Jahr sieben und 13 Ährchen (aristae) trugen.41

Um die Ertragsfähigkeit des Bodens zu erhalten oder zu steigern, düngte man mit Mist. Mist wird in der Überlieferung immer wieder genannt. Bei der Mainfähre von Homburg setzte der Fährmann in einem Schiedsvertrag von 1511 durch, keinen Mist transportieren zu müssen, was man von ihm wohl verlangt hatte (ldf 19, S. 270-273). Bei der Verpfändung des bischöflichen Amtsschlosses Hillenberg bei Fladungen ließ sich der Pfandnehmer 1457 die Fronleistungen im einzelnen aufzählen, mit denen seine umfangreiche Eigenwirtschaft betrieben wurde. Dazu gehörte auch das Misten und Düngen. Der Mist wurde in den Ställen des Schlosses gewonnen. "Die Leute in den genannten Dörfern sollen auch jedes Jahr Mist fahren mit Dungwagen" (ldf 12, S. 83-87).

Aber Mist war knapp und wurde rationiert. Als das Kloster Bildhausen 1467 einen Hof in Groß Wenkheim verpachtete, wurde dem Pächter auferlegt, nicht etwa Mist und Streu davon zu entfernen (stb 354, f. 40r ), also etwa zu verkaufen. Der Verwalter des bischöflichen Hofes von Prosselsheim sollte dagegen Stroh verkaufen, aber genug für das Vieh und den Mist des eigenen Hofes zurückbehalten. Zu Entlohnung des bischöflichen Schäfers in Hundelhausen gehörte zwar nicht der Schafmist, wohl aber der Mist, den sein sonstiges Vieh, also Kühe, Pferde und dergleichen, "im Hause" produzierten (WSB 1, f. 126r, 227r).

In dem Heilsbronner Eigenbau vor den Toren von Nördlingen wurde wahrscheinlich nur vor der Wintersaat gedüngt.42Im Rheinland wurde - nach einem Zeugnis aus Köln von 1277 - der Mist durch Mergelfuhren ergänzt.43

Im ganzen zeigen die aus dem EDV Material herausgeholten Beobachtungen über Abgrenzungen und Aufgliederungen, daß die Wüstungen gewissermaßen mitten in der Landwirtschaft des Spätmittelalters saßen und daß sie genutzt wurden wie andere Teile derselben, an der Mobilität der Bodennutzung teilhatten und von den herrschaftlichen Verhältnissen beeinflußt wurden.

Ursachen I

Ein anderer wichtiger Schwerpunkt der Wüstungsforschung ist die Frage nach den Ursachen. Dabei stehen sich vornehmlich drei Modelle gegenüber: die Pest als Ursache der Wüstungen, was besonders von Wilhelm Abel vertreten wurde44, zweitens die Feudalkrise: der Kampf der Herren um das Land führt zu dessen Verwüstung,45 drittens eine vornehmlich monetär bedingte allgemeine wirtschaftliche Schrumpfung führt auch zu einem Niedergang der Landwirtschaft46. Es wird sich zeigen, ob die EDV Informationen einem dieser oder anderen Modellen ein besonderes Gewicht verleihen.

Bevor ich zu den eigentlichen Wüstungen komme, sollten kurz die Landverluste durch Naturereignisse angesprochen werden.

Die wichtigsten waren die an der Nordseeküste durch Sturmfluten. Damals entstanden Wasserflächen im heutigen Dollert, im Jade Busen sowie zwischen den Nordfriesischen Inseln und dem Festland.47 Es gab auch im Binnenland Gefährdung durch Hochwasser. Wieweit der Mensch dafür mitverantwortlich war, wurde schon im Mittelalter erörtert. Um 1300 fiel einem Dominikaner in Colmar auf, daß es vor 100 Jahren im Elsaß viele Wälder gab, die gerodet worden waren, und er sah Folgen der Rodungen: Gießbäche und Flüsse wären damals nicht so groß gewesen wie jetzt. Damals hätten die Wurzeln der Bäume die Feuchtigkeit von Schnee und Regen längere Zeit in den Bergen zurückgehalten.48 Das Habsburger Urbar des ausgehenden 13. Jahrhunderts nennt Zinsabschläge wegen Hochwasser. Das Kloster Gengenbach schloß 1423 in Elgersweier an der Kinzig mit einem Meier einen Leihevertrag, wonach er verpflichtet war, "dem Wasser zu wehren, so es in die Güter bricht, ohne meines Herrn Schaden".49

Siedlungen im Überschwemmungsgebiet von Flußtälern gingen zugrunde. Gainfurt im Maintal unterhalb Karlstadt galt im 16. Jahrhundert als wüst.50 Im 15. Jahrhundert bemühte man sich noch um den Ort. Die Herrschaft gab die "Gemeinde" oder das "Gemeindefeld" von Gainfurt an Hubner aus benachbarten Orten in Zeitleihe. Man sah mehrmals eine Verlängerung vor, falls nicht inzwischen jemand dort "häuslich bauen und (sich) setzen würde". (krb f. 60r-61r).

Im Michelsberger Burk ging 1494 eine Siedlung teilweise zugrunde: "Das Wasser hat etliche Häuser hingerissen. Doch bleiben die Zinse noch auf den übrigen Stücken als Wiesen, Gärten und Weingärten".51

In der Uckermark hatte man es mit dem Flugsand zu tun, der durch ungünstige Bodenqualität und die umfangreichen Rodungen bedingt wurde. Die Zisterzienser von Himmelpforten klagten 1375 über "die Hufen, die mit vom Winde angewehten Sand bedeckt und deswegen verlassen seien".52

Ergänzend sei hinzugefügt, daß in der Mitte des 14. Jahrhunderts Kärnten und die Gegend von Basel von den Zerstörungen zahlreicher Dörfer durch Erdbeben betroffen wurden. In demselben Zusammenhang führt die Kölner Weltchronik auch noch Heuschreckenschwärme an.53

Es liegt nahe, als nächstes an Grenzböden zu denken. Grenzböden werden trotz geringer Rentabilität bei hohem Bevölkerungsdruck bewirtschaftet, bei dessen Nachlassen aufgegeben. In einem Weistum für Karlburg, das dem Würzburger Domkapitel gehörte, wurde 1453 festgelegt: "Wenn ein Acker schwach wäre", wohl für den Bauern nicht mehr rentabel zu beackern, dann dürfte er ihn zu einem Zins verleihen, so hoch er möge (krb f. 68r), wobei wohl an eine extensivere Nutzung gedacht wurde.

Von den Namen der 61 Ortswüstungen der Michelsberger Grundherrschaft enden 23% auf -reuth. Erst im Hochmittelalter entstandene Rodungsdörfer bildeten knapp ein Viertel der Ortswüstungen dieser Grundherrschaft. Die hochmittelalterliche Ausbausiedlung war besonders wüstungsanfällig. Im Saalkreis und im Mansfelder Land sind von 373 abgegangenen Dörfern 86, also 25%, mit -hagen und anderen Namenszusätzen, die auf Rodung schließen lassen, gebildet worden, die auch der hochmittelalterlichen Ausbausiedlung zuzurechnen sind.54

Tauschverträge über Leibeigene zwischen den Stadtterritorien von Basel und Solothurn sind statistisch untersucht worden und haben einen großen Überhang derer ergeben, die von den kargen Böden Solothurns im Laufe der Jahrzehnte weg wanderten.55 Nach Sebastian Franck war am Anfang des 16. Jahrhunderts das Allgäu mit vielem Volk überbesetzt. "Da kamen sie haufenweise herab in unser Land, begehrten, ihnen Stockfeld auszumessen".56

In einer Urkunde des Bischofs von Konstanz für St. Blasien von 1350 wird die Belastung des Klosters durch die Unfruchtbarkeit des Bodens, die mehrere Jahre anhielt, ebenso wie durch Hungersnöte und durch Epidemien dargelegt.57 Man wird aus dieser Darlegung folgern dürfen, daß der an sich karge Ackerbau im Schwarzwald von Jahren mit ungünstigem Klima besonders betroffen wurde. Die Formulierung der Urkunde nähert sich der Schadensklausel, die zu Pachtbriefen des östlichen Schwaben gehörte und die z.B. schon 1284 für Binzwangen bezeugt ist. Die Herrschaft wollte bei den Abgabenforderungen die pericula communia berücksichtigen: Unfruchtbarkeit des Bodens oder Biseß (Mißwachs), Hagel und Kriegszerstörungen.58

Es gab auf dem Stolpenischen Felde etliche Plätze, die waren sauer und naß, heißt es in einem Meißener Verwaltungsbericht von 1512, so daß dort kein Getreide wachsen konnte, und gewöhnlich Arbeit und Samen verloren waren. Der Bischof ließ dort zwei neue Wiesen machen, die jetzt jährlich bei 30 Fuder Heu brächten.59

Insofern die Wüstungen eine Erscheinung der sogenannten Agrarkrise waren, fragt man nach fallenden Absatzpreisen als Ursache. Die Preise stiegen und fielen in den verschiedenen Regionen zu den verschiedenen Zeiten. Die Markteinbindung der Bauern und die Monetarisierung ihrer Erträge waren an den verschiedenen Orten unterschiedlich stark ausgebildet, in der Nähe großer Städte und in Getreideexport - Gegenden stärker als woanders. Das Bild der Agrarpreisentwicklung ist inzwischen derart unübersichtlich geworden,60 daß sie nur noch punktuell zur Erklärung der Ertragsverschlechterung beigetragen kann.

1423 klagt ein Schreiber aus der Umgebung von Basel über den Ackerbau. Es hätte jetzt acht Jahre niedrige Preise gegeben, so daß "Rebsmann und Bursmann unwillig zu bauen" geworden wären. In der Gegend von Breslau wollte ein Bauer 1485 den ererbten Hof wegen Armut, und weil er weder Kinder habe noch Gesinde bekommen könne, nicht übernehmen. Aber der Grundherr sprach von Ausreden. In Wirklichkeit wären dem Bauern die Absatzpreise zu niedrig. Ein Gericht verurteilte den Bauern dazu, einen Ersatzmann zu stellen, bevor er abziehen durfte. Der Grundherr meinte, "sollte ich von jedem Bauern das Erbe so aufnehmen, so würde mir mein Dorf wüst".61

Ein anderer Grund für die Abwanderung war der Hunger auf dem Lande, wie dieser auch verursacht sein mag.

Ein schlesischer Chronist klagt 1431 bewegt darüber.62

Genaueres erfahren wir aus dem Würzburger Ratsprotokoll von 1486. Die Schultheißen der Dörfer Eibelstadt und Randersacker kamen nach Würzburg und klagten über "Gebrechen unter den armen Leuten". Das Korn würde auf Schiffen in fremde Länder geführt. So hätten die "armen Leute" nichts zum Leben und würden nicht bleiben. Der Fernhandel, der es ermöglichte, daß kaufkräftige Städte von weither Getreide bezogen, trieb offenbar die Preise so hoch, daß Einheimische, die nicht selbst Getreide anbauten, hier z.B. die Winzer, es nicht mehr erstehen konnten. In der gleichen Zeit stiegen in Würzburg drastisch die Einwanderungszahlen, die erkennen lassen, wohin die Leute zogen.63

Ähnlich berichtet schon für 1368 die Magdeburger Schöppenchronik von Kornknappheit in Verbindung mit Kornausfuhr aus ihrer Gegend in die Niederlande.64 Thüringische, sächsische und oberfränkische Chronisten berichten zu den Jahren 1407, 1482/1483 und 1491 über Kornaufkäufer aus Köln, Hamburg und Böhmen und den Preisauftrieb in ihren Gegenden.65

Der Fernhandel mit Getreide hatte eine ambivalente Bedeutung. Wenn nicht gerade ein Jahr der Mißernte war, hieß man die Getreideexporteure in zahlreichen Landschaften, etwa an der deutschen Ostseeküste, in der Mark Brandenburg und in Niedersachsen, durchaus willkommen.66 Die Bauern konnten verdienen und wurden dadurch eher festgehalten als vertrieben. Die Ausbreitung des Dinkel-Anbaus ab 1300 in Südwestdeutschland von Süden nach Norden wird jetzt mit dem Importbedarf der Schweizer Alpenregion und mit der dortigen Vorliebe für Weißbrot erklärt.67

Eigentümlicher Weise werden in mehreren Pachturkunden von Michelsberg, die sich von 1357 bis 1498 hinziehen, alternativ Reichtum oder Armut als Gründe für die Abwanderung genannt.68 Was ist unter Reichtum zu verstehen, die Ausnutzung einer günstigen Exportsituation? Wenn diese Formeln nicht nur Rhetorik sind, muß man mit zwei Wanderungsströmen vom Land in die Stadt rechnen, neben den größeren Armutswanderungen einem dünnen Strom jener, die die harte Feldarbeit nicht mehr nötig hatten und sich mit genügend Kapital in eine Stadt begaben.

Die bekannteste Urkunde, die von den Wirkungen der ersten großen Pestnach 1348 berichtet, ist die Tiroler Landesordnung von 1352. Sie beklagt den Mangel an Arbeitskräften auf dem Lande "von Todes wegen". Während es hier noch offen bleibt, ob damit ausgesprochene Wüstungen verbunden sind, spricht eine wenig spätere Urkunde aus der Steiermark ausdrücklich von Gütern, die durch die Pest wüst geworden waren.69 Auch ein Liber taxationis des Bistums Konstanz schreibt 1353 über den Ort Laimnau: Vor der Pest habe es hier 150 Häuser, nachher nur noch 100 gegeben. Das ging dort so weiter. Ein Konstanzer Chronist bemerkt zu 1439, es habe ein großes "Landsterben" gegeben und kleine Siedlungen mit ein bis drei Höfen stünden öde.70

Über die benachbarte Grundherrschaft des Klosters St. Gallen berichtet eine Urkunde des Konstanzer Bischofs von 1359: Viele Kolonen und andere Eigenleute des Klosters seien an der Pest gestorben, so daß zahlreiche Besitzungen des Klosters unbebaut blieben und dem Kloster keinen Zins brächten. Ein Chronist aus Augsburg schreibt zu 1380, viel Gut läge öde und unbesetzt von des großen Sterbens wegen. Er fügt aber hinzu, das Korn sei wohlfeil geworden. Denn es wolle niemand kaufen. Die Leute seien "erzagt" von dem großen Sterben.71 Danach wäre also immer noch mehr Getreide vom Land in die Stadt gekommen, als diese abnehmen konnte.

Während man in diesen Fällen wohl von einer langfristigen Schädigung sprechen kann, bleibt bei einem Chronisten aus Zittau, Johannes von Guben, die Frage offen, ob aus dem Wüten der Pest in den Dörfern Wüstungen hervorgingen. Er schreibt zum Jahre 1464, das Getreide sei wegen der Pest auf den Feldern geblieben. Der Katalog der Äbte von Sagan sagt es zweimal, zu 1481 und 1507, die Dörfer würden im Unterschied zu den Städten von den Seuchenzügen weitgehend verschont bleiben. Nur die Ansteckung aus der Stadt werde ihnen gefährlich.72

Die Magdeburger Schöppenchronik wirft einem ungeliebten Erzbischof vor, daß in seiner Regierungszeit 1368-1371 3000 Höfe wüst gefallen seien.73 Es liegt nahe, hier statt des Erzbischofs noch einmal die Pest für die Wüstungen verantwortlich zu machen. Die gleichzeitigen Magdeburger Bischofsgesta berichten, daß unter dem Vorgänger dieses Erzbischofs eine Pest Magdeburg verschont, aber das Umland verwüstet habe.74 Überraschend ist allerdings die Umkehrung des sonst üblichen Verhältnisses von Stadt und Land zur Pest, die auch von dem Autor der Gesta in die Nähe des Wunderbaren gerückt wird.

Die Wirkungen des Sterbens in der Stadt und auf dem Lande lassen sich allerdings im ersten Hinschauen kaum unterscheiden, wenn in einer Landschaft eine dichte Verstädterung, ein enges Netz von Ackerbürger- oder besonders Winzerstädten entstanden war. Letzteres ist für einige Teile Frankens zu beobachten. Chronisten aus Wien und Würzburg, aus zwei Winzerstädten also, bezeugen beide, daß die Pest die Arbeit auf den umliegenden Weinbergen stark beeinträchtigte. Der Würzburger Lorenz Fries schreibt zu 1425, viel Obst, Getreide und Wein bleibe auf den Feldern stehen.75

In den Wiener Annalen heißt es zu 1381, wegen des großen Sterbens gäbe es keine Leute für die Weinberge und die Weinberge seien billig zu haben.76

Dennoch wird man aus beiden Zitaten nicht auf lang dauernde Wüstungen schließen dürfen. Denn gerade die Städte hatten, wie wir noch hören werden, die Möglichkeit, die Bevölkerung rasch wieder aufzufüllen. Dennoch ist Lorenz Fries der einzige Zeuge aus Unterfranken, der von einem gewissen Zusammenhang zwischen Pest und Wüstungen berichtet.

Das oben zitierte Szenarium der Schwierigkeiten des Klosters St. Blasien von 1350 wird in einer Urkunde des Bischofs von Konstanz für St. Blasien von 1383 leicht verändert. Dieses Mal werden die Epidemien in einer Reihe mit Kriegen, "guerras seu invasiones", aufgezählt.77

Ursachen II

Man kann solche Hinweise auch in den Quellen des Würzburger Raumes sammeln. Im Rahmen einer Fehde hätten die bischöflichen Truppen ihnen einige Dörfer, Höfe und Güter wüst gelegt, beklagten sich die Hutten 1459 in einem Schreiben, das in ein Würzburger Kopialbuch eingetragen wurde (ldf 11, S. 44). Der Bischof der Zeit, Johann von Grumbach, hatte aber auch zu klagen. Nach einem anderen Kopialbucheintrag nahm er sich die schweren Schädigungen zu Herzen, die seine Gemeinde Randersacker im vergangenen Kriegsgeschehen erlitten hätte, auf Grund dessen etliche meinten, heraus zu ziehen, um die Schulden, die sie dadurch erlitten hatten, los zu sein. Das Dorf würde dadurch in Verderben fallen. Dem setzte der Bischof gewisse Grenzen. Sie sollten ihre Güter nicht an Auswärtige verkaufen, die nicht nach Randersacker zögen und nicht an den Gemeindelasten teil hätten (ldf 12, S. 771f.).

Solche Zeugnisse gehen in das 13. Jahrhundert zurück und ziehen sich durch alle deutschen Landschaften. Es waren vor allem die kleineren Kriege unter Nachbarn und Ausplünderungen durch Räuber, unter denen die Dörfer zu leiden hatten. Bleiben wir zunächst in Süddeutschland. So berichtet der St. Galler Chronist über einen Krieg seines Klosters mit dem Bischof von Konstanz 1248/1249: Alles, was dem Bistum im Thurgau gehörte, wurde verbrannt. Hugo von Trimberg schrieb in Bamberg nach 1260 den Sittenspiegel "Der Renner" und lamentierte wiederholt über Raubritter. Die Bauern würden vor ihnen in die Städte flüchten.78 Einige sehr empfindliche Einfälle von außen kamen zu diesen Nachbarschaftsfehden hinzu. Von den Armagnacken - Einfällen in die Gegend von Basel 1445, schreibt der Chronist Beinheim, die Bauern wären ihretwegen in die Stadt gezogen. Urkundliche Zeugnisse dauerhafter Wüstungen auf Grund der Kriege des 15. Jahrhunderts fehlen im Basler Raum nicht. Damals wurde z.B. das Dorf Gutzwiler aufgegeben, dessen Fluren dann allerdings Nachbargemeinden bearbeiteten.79

Nun wenden wir uns nach Norddeutschland. Der Propst von Welver (bei Soest) beklagte sich 1266 darüber,

daß ein benachbarter Ritter sein Kloster häufig belästige und beraube. Die Knechte des Klosters würden wegen der Bedrückung fliehen. 1272 veranlaßte eine Doppelwahl im Bistum Münster, daß durch Raub und Brand die Hörigen des Domkaptels vertrieben wurden. Die Äcker lagen verlassen da. In einer Güterübersicht des St. Mauritz Stifts von Münster wird von den mansi berichtet, die durch bellas und guerras verwüstet und verlassen seien.80 Das Chorfrauenstift Steterburg klagte noch im 13. Jahrhundert, durch Kriege seien seine homines ausgeplündert worden, so daß seine Äcker quasi inculti blieben.81 Hartmut Hoffmann, der sehr die Pestverluste auf dem Lande betont, bringt auch eine Urkunde von 1341, die wiederum guerras, incendia et rapinas in den Vordergrund rückt, durch welche das Braunschweiger St. Blasius Stift Schwierigkeiten bekam, villici für seine Höfe zu finden, und fürchten mußte, daß Hufen unbebaut blieben. In der genannten Urkunde nahm das Stift die Dreiteilung eines Komplexes vor, um dadurch die Bewirtschaftung zu erleichtern. Ein Hof des Eifelklosters Steinfeld ist nach dem Zeugnis eines "Stillstandes" von 1347 Opfer der Überfälle des Grafen von Schleiden gewesen. Die Klosterleute wurden verjagt, und der Graf leistete keinen Schadensersatz. Der Hof blieb wüst. 20 Jahre später blieben nach einem Schulden- und Gültenvezeichnis desselben Klosters die 250 Morgen des Hofes am Klosterort "inculta" wegen "inimicias et guerras vicinorum dominorum".82

Einen weiteren Rahmen bekamen die Nachbarschaftsfehden im Städtekrieg des 14. und in den Städte- und Fürstenkriegen des 15. Jahrhunderts, in denen lange Ketten von Koalitionen zahlreiche Landschaften in Mitleidenschaft zogen. Im 14. Jahrhundert schrieb der Wiener Dichter Peter Suchenwirt über den süddeutschen Städtekrieg, wegen Rauben und Brand gäbe es keine Bauern mehr und die Aussaat auf den Feldern unterbleibe.83 Das deutlichste chronikalische Zeugnis über die verheerenden Wirkungen der inneren Kriege für die Landwirtschaft liefert der Augsburger Burkhard Zink. Er zählt die Dörfer, die in dem Markgräfler Krieg 1450 verbrannt wurden. Es sind drei Gruppen von 5,32 und 70 Dörfern, die sicherlich nur zum Teil wieder aufgebaut wurden.84

Klauseln in Leiheverträgen zeigen die Regelmäßigkeit der Kriege. In den Meierbriefen des Mainzer Marienstifts 1275 und Hildesheimer Klöster und Stifte 1324, 1385 und besonders im 15. Jahrhundert finden sich Klauseln, die eine Abgabensenkung im Falle von Raub, Brand, Hagel, Mäuseplage, oder Heereszug, Wasserflutung und Mißwachs vorsahen.85 In Urkunden bayerischer Klöster, wie Baumburg 1324, heißt es entsprechend im Falle von "allgemeinem Landschaden" oder besonders ausführlich für Indersdorf 1469 im Falle von "Urleug, Herrenkrieg, Schawr (?), Piset (Mißwachs), Landgebresten". 1432 übernahm ein bayerischer Richter vom Kloster Admont das Amt Elsendorf. Der Richter wollte die Abgaben einziehen, ausgenommen "ob solch Landesgebrechen auferstunden. Das steht den armen Leuten in einem Nachlaß, als andere Prälaten, Herren, Ritter und Knechte in dem Land zu Bayern ihren armen Leuten" gewähren.86

Kriege und der Druck der Vögte werden manchmal zusammen beklagt. Die Liten des Klosters Asbeck hatten 1282 wegen der Vögte ihre domicilia verlassen und die Äcker blieben unbebaut.87 1294 wurden die öden Güter der bayerischen Klöster wegen Brand, Krieg und Druck der Vögte von landesherrlichen Abgaben befreit. 1323 bescheinigte König Ludwig dem Kloster Tegernsee und 1329 allen oberbayerischen Klöstern, daß wegen der Forderungen der Vögte alle ihre Güter öde lägen.88 Durch eine Entmachtung der Vögte konnte der König als bayerischer Herzog zum Schutzherrn dieser Klöster aufsteigen.

Dauerhafte oder kurzfristige Schädigungen

Wenn Chronisten über Kriegsschäden berichten, bleibt es meistens offen, ob es sich um eine dauerhafte oder kurzfristige Schädigung handelt. Das gilt von dem Kriegszug König Albrechts I. an den Niederrhein, der 1302 6 Wochen und länger die Dörfer um Köln verheerte.89 Thomas Ebendorfer bemerkt zu 1461, Söldner trieben Räuberei. Die Landwirtschaft läge da nieder, weil Menschen und Vieh fehlten.90 Jakob Unrest schreibt zu 1481, die Felder blieben unbebaut, weil die Türken den Bauern Pferde und Ochsen nahmen.91

Als die Burgunder Kriege 1475/1476 die Landwirtschaft in der Schweiz zum Stillstand brachten, befahl der Bischof von Basel, wie Johannes Knebel bezeugt, den Bauern, wieder mit der Aussaat zu beginnen. Genauso wie der Berner Konrad Justinger einige Zeit vorher verbindet Knebel mit den Kriegsschäden Knappheit und Verteuerung der Lebensmittelpreise.92

Vorübergehender Natur dürften auch die immer wieder bezeugten Zerstörungen von Weinbergen vor allem bei Belagerungen, so jener von Würzburg 1356,93 aber auch auf freiem Felde im Elsaß bei den Burgunder Kriegen gewesen sein.94

Mit Recht spielt die "Kriegstheorie" in der Wüstungsforschung eine große Rolle, und man muß mit viel mehr Wüstungen in Folge von Kriegen rechnen, als sie chronikalisch bezeugt sind. Um die genauere Zuordnung von Wüstungen zu Kriegen zu ermitteln, muß man die Zeugnisse von Kriegsschäden mit der regionalen Ermittlung von Wüstungen kombinieren. Als Zeugnisse von Kriegsschäden stehen die von Hans Patze systematisch gesammeltem und untersuchten Schadensverzeichnisse voran.95 Da "Schadentrachten", Dörfer verbrennen, als legales Fehdemittel angesehen wurde, sind die Fehdeansagen und die sie begleitenden Briefe wichtig.

Ursachen III

Mit den Kriegen hängt eine weitere Wüstungsursache zusammen, nämlich die Siedlungskonzentration auf dem Lande.

In dem Bamberger Urbar von 1348 werden an einer Stelle drei Dörfer aufgezählt und es wird hinzugefügt, aus ihnen hätte man unam villam magnam et bonam gemacht. Zwei der drei Dörfer waren aber schon mindestens zwanzig Jahre wüst. Ihre Fluren wurden von dem dritten Dorf, das dadurch ein großes wurde, weiter genutzt.96 Hans Jänichen hat durch eine Betrachtung von Flurkarten des frühen 19. Jahrhunderts und unter Berücksichtigung der dort genannten Gewanne und Zelgen ermitteln können, wie viele kleinere Siedlungen in der Gemarkung eines großen Dorfes aufgegangen sind. Die Gemarkung von Echterdingen - um ein herausragendes Beispiel zu nennen - wurde auf diese Weise verzehnfacht. Die Leute zogen zusammen, um sich hinter Dorfbefestigungen oder wenigstens in einem befestigten Friedhof besser verteidigen zu können.97 Im Aargau entstand das große Dorf Möhlin aus acht kleinen Weilern.98 Auch die jüngere Wüstungsforschung hat solche Konzentrationen beobachtet. Man hat in Westfalen eine kartographische Korrelation zwischen dem Raum der großen Dörfer und dem der wüsten Siedlungen ermittelt.99

Wenn Siedlungswüstungen nicht einem großen Dorf, sondern einer Stadt zugute kamen, ist zwischen Siedlungskonzentration und Landflucht schwer zu unterscheiden. In Franken entstanden im 14. Jahrhundert zahlreiche Kleinstädte mit Hilfe des Wüstfallens benachbarter Dörfer. In Unterfranken ging Helzenberg in Neubrunn auf, Mondfelt in Stadtprozelten, Kirschfurt in Freudenberg.100

Städte wie Paderborn und Geseke werden von der westfälischen Wüstungsforschung als "Wüstungsfaktoren" bezeichnet, weil in ihrer Umgebung zwar nicht bei der Gründung, aber in den Jahrhunderten danach viele Siedlungen wüst fielen. Die Herren von Ramshusen zogen nach Paderborn. Der Ort, der ihnen den Namen gegeben hatte, wurde Wüstung.101 Solche Städte sind also als Siedlungskonzentrationen zu begreifen und darin mit großen Dörfern zu vergleichen. Von den Städten und von den großen Dörfern aus wurden die zu wüsten Siedlungen gehörigen Fluren weiter bewirtschaftet.

Brilon war das Ziel bäuerlicher Abwanderung, so daß die Zahl der bäuerlichen Nutzer der umliegenden Wälder rapide abnahm. Die Waldherren entschlossen sich, Nutzungsrechte an Briloner Bürger zu verkaufen.102 Albrecht Timm weist auf Beispiele aus Niedersachsen hin. Neurinteln links der Weser entstand aus dem Zuzug von sieben Siedlungen, die 1375 bis etwa 1450 aufgegeben wurden. An der Entstehung des Stadtwaldes von Hameln waren im 14. Jahrhundert einige Dörfer beteiligt, deren Einwohner bald in die Stadt zogen. Neun Wüstungen haben die Stadt Eldagen wachsen lassen, die 1282 noch als villa bezeichnet wurde.103

Ähnliche Zeugnisse kommen aus allen Teilen Deutschlands. In der Dorfmark von Neudingen (Bar) findet sich die Wüstung Gossingen. Ein Dorf Gossingen wurde im 14. Jahrhundert zugunsten der Burgstadt Fürstenberg verlassen. Seine Flur wurde durch Los an Neudinger Bauern vergeben. Templin benutzte 1375 den Boden von zwei wüsten Dörfern als Weidefläche. In einem sächsischen Steuerregister von 1495 wird eine Wüstung berücksichtigt, in der sieben Bürger der nahen Kleinstadt Wurzen Grundstücke besaßen.104

Unter den ausdrücklich von Zeitgenossen genannten Ursachen für Wüstungen befinden sich diese Abwanderungen allerdings nicht, sondern neben den vorher aufgezählten noch eine andere wichtige. Das Zitat über den ungeliebten Magdeburger Erzbischof gab schon einen Hinweis. In dem gesprächigen Urbar der Kartause Tückelhausen, südlich Würzburg, von etwa 1430 wird von einem adeligen Hofherrn berichtet, "der war den Leuten so hart, daß die Leute von ihm wichen". Der Herr versuchte darauf eine Eigenwirtschaft zu errichten, hatte aber keinen Erfolg. Die Kartause übernahm den Hof, als er "in Unbau" war, und konnte ihn sanieren, indem sie die Fluren teilweise in eine Schafweide umwandelte. Wenn der Boden für einen Bauern wegen Verschlechterung nicht mehr ausreichte, konnte er durch Zukauf erweitert werden. Tückelhausen nahm 1416 einen solchen Zukauf vor, "uf daß der Hof die Gült des bas ertragen möge".

Sonst ist dieses Urbar mit den Nachrichten über Reduktionen bäuerlicher Lasten angefüllt. Die Kartause gehörte sicherlich nicht zu den "harten Herren". Auch bei einem anderen Hof versuchte das Kloster den Rückgang der Nutzung dadurch zu stoppen, daß es auf dem Hof Schafzucht einführte. Aber dieses Mittel half nicht immer. Der Hof fiel trotzdem wüst. In einem dritten Fall schließlich scheint es deutlicher zu werden, wodurch die Verschlechterung der Ertragslage hervorgerufen wurde. Ein Bauer lag mit seinen Abgaben erheblich im Rückstand. Das Kloster nahm ihm einen Teil der Felder weg und verrechnete den Wiederverkaufswert dieser Felder mit dem Rückstand. Für den Rest der Felder wurden ihm zukünftig die Abgaben entsprechend reduziert.105 Man kann also sagen, die Arbeitskraft des Bauern reichte nicht für den Hof in seiner bisherigen Größe. Die Verringerung der Arbeitskapazität verringerte den Ertrag der Felder. Wenn eine Familie nicht ganz ausstarb oder abwanderte, so verkleinerte sie sich möglicherweise durch den Tod oder Wegzug von Söhnen und Brüdern.

Eine Ähnlichkeit der Probleme zeigt auch ein Weistum von Weitenau 1344 bei der Regelung von Erbschaftsfragen plastisch: Hätte ein armer Mann viele Kinder und käme zur Armut, liefen seine Kinder in fremde Lande...106 Die Landflucht selbst war Krisenursache für die Zurückbleibenden. Die Bevölkerung verdünnte sich, und die Zurückbleibenden konnten den Boden nicht mehr voll bebauen.

Michelsberg machte die Erfahrung, daß Bauern sich durch einen Vertrag in den Besitz eines Gutes setzten, dieses aber nicht eigentlich bebauten. Es wurden deswegen Fristen gesetzt, in Stübig 1450 ein Vierteljahr, in denen der Ackerbau zu beginnen hatte. Sonst würde der Pächter seine Rechte verlieren.107 Die Schwierigkeit der Bauern dürfte auch hier in dem Mangel an Arbeitskräften gelegen haben.

In diesen Zusammenhang gehören auch Weistumszeugnisse, die im ersten Zusehen schwer zu deuten sind. Die Reihe der Weistümer von St. Blasien, in deren Präambel der Mangel an weisen Männern beklagt wird, die die Rechte des Gotteshauses wie ihre Vorfahren kennen, beginnt 1344 und geht 1346 sowie 1354 weiter. In dem Weistum von Unterneudorf, das zur Grundherrschaft eines anderen südwestdeutschen Klosters, Alpirsbach, gehörte, erklärten die Schöffen 1457, sie seien in der Mehrzahl alle jung und hätten deswegen nicht die erforderliche Rechtskenntnis.108 Diese Weistümer zeugen von einer Verzerrung des Generationsgefüges. Man wird kaum annehmen können, daß die Alten abgewandert sind und die Jüngeren zurückgelassen haben. Eher ist zu erwägen, daß irgendwie eine mittlere Generation verloren gegangen ist, und als die Alten starben, die Jungen zu früh in die Rolle der Hausvorstände hinein kamen.

Harte Herren gab es in ganz Deutschland und die Zeugnisse gehen wenigstens ins 13. Jahrhundert zurück,

in dem z. B. der Franziskaner Berthold von Regensburg (gest. 1272) die Herren scharf angreift, die den Bauern die Einkünfte nahmen, so daß sie wie Tiere essen und sich kleiden mußten, und die darüber hinaus von ihnen derartige Frondienste forderten, daß deren eigene Äcker das Jahr über um so schlechter bebaut wurden.109

1445 wurden die Grafen von Lupfen in Südbaden von einem adeligen Widersacher beschuldigt, sie hätten die armen Leute in der Herrschaft mit so beschwerlichen, harten Diensten überladen, daß etliche ihre Höfe liegen ließen und aus der Herrschaft zogen.110 Ein holsteinisches Zinsregister von 1500 nennt Dörfer und Äcker, die "propter duros dominos" verlassen seien.111

Die Grundherren hatten vor dem Verlust der Einnahmen Angst. Trotzdem vertrieben einige Grundherrn mit ihren Maßnahmen geradezu die Bauern, und es waren auch Geistliche, die zu den harten Herren zu rechnen waren.

Im Hofrecht von Luchswil verfügte das Kloster Beinwil vor 1299, daß der Abt den entsetzen würde, der sein Gut wüst liegen lasse.112

Worin war die Härte der Herren begründet? Waren sie nicht flexibel genug, wenn Naturereignisse und Kriege die Bauern bedrängten? Oder unterlagen sie der Versuchung der Ausbeutung? In der Härte der Herren summierten sich gewissermaßen die Nöte der Bauern.

Auf Ausbeutung läßt die Erhöhung der Abgaben schließen, die sich in dagegen gerichteten landesherrlichen Maßnahmen spiegelt. Dazu gehört eine Urkunde Karls IV. von 1355, worin er seinen "edlen Leuten" in der Lausitz verbot, die Bauern mit zusätzlichen Zinsen zu belasten, "davon dieselben armen Leute und danach unser Land verderben". 1433 vereinbarte der Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel mit seinen Prälaten und Rittern, daß sie von ihren Leuten keine höheren Leibeigenen Abgaben nehmen als von Alters, "davon würden viele Leute uns allen flüchtig werden...und dem Lande würde Verwüstung zukommen".113

Neben harten gab es auch gute Herren, d.h. solche, die Notlagen der Bauern beachteten, wie es oben für Tückelhausen gezeigt wurde

Einige Landesherrn versuchten aktiv die Notlage der Bauern zu bekämpfen. Der Erzbischof von Trier stattete 1425-1430 seine Burgen mit Getreide und Wein aus, verkaufte davon an die Bauern, die in Not gerieten, verlangte aber Bürgschaft dafür, daß daraus kein Anreiz zur Trägheit entstünde.114 Das wichtigste Mittel, um die Lage der Bauern zu erleichtern, war die Reduktion von Lasten in Krisenzeiten. Im Landbuch von 1375 steht für die Altmark acht Mal, daß die Abgaben wegen der Armut der Bauern nicht geleistet oder reduziert wurden. Einmal wird die geringe Qualität des Bodens als Grund angegeben. Dann heißt es von einer Bäuerin: nimis misera et est bone voluntatis et nichil dedit. Von einem Dorf in der Uckermark wird gesagt, die possessores, die Inhaber der Bauernstellen, hätten in vielen Jahren nur geringfügige Abgaben geleistet. Aber man hätte sie im Besitz ihrer Stellen gelassen "propter futurum contingens bonum". Mehrfach waren es geistliche Grundherrn, die auf Abgaben verzichteten.115

Bei der Untersuchung einer Kölner Johanniterkommende wurde bemerkt, daß die Pachtzinse im 14. Jahrhundert drastisch gesenkt wurden. Neben der Senkung der Pachtzinse gab es auch eine Verkleinerung der Betriebsfläche bei Neuverleihungen. In einem der Neuverleihungsverträge wird darauf verwiesen, daß das Land teilweise unbebaut sei und die Abgaben erst zu einem späteren Zeitpunkt erwartet würden.116

Der Probst von Fulda auferlegte den Bauern von Schlechtenwegen 1419 Strafen, wenn sie ihre Güter nicht bebauten. Der Graf von Wertheim folgte um 1450 dem Beispiel von Fulda und legte in mehreren seiner Dörfer den Bauern Strafzahlungen auf, wenn sie gültpflichtige Acker nicht bebauten.117 In Niklashausen reagierte dagegen ein niederadeliger Grundherr, ein Lehensmann dieses Grafen, 1486 darauf, daß "die Besitzer solichs (seinen Hof) in Ödung gelegt, daß er Verlust besorgt gehabt", indem er Belastungen, die durch geistliche Stiftungen auf dem Hof lagen, zurückkaufte.118 Durch die Rücknahme der Leistungspflicht des Hofes an Dritte, konnte der Grundherr seine eigenen Einnahmen stabil halten.

Der Bischof von Würzburg vergab 1406 zur Ablösung einer Schuld seine "Kammerleute", wohl mit einem seiner Eigenhöfe verbundene Bauern, in Urspringen an einen Niederadeligen, machte aber die Bedingung, daß der neue Herr sie nicht hindern dürfe, wenn sie wegziehen wollten (lf 11, f. 44r+v). Die Möglichkeit wegzuziehen, war ein Schutz der Bauern vor neuen Belästigungen, ein Schutz, den der Bischof den Bauern erhalten wollte.

Zwischenbilanz

Die Ursachen der Wüstungsbewegung sollen nun in einer kleinen Zwischenbilanz zusammengefaßt werden. Von den oben aufgezählten Forschungsmodellen wird durch das unterfränkische Material eigentlich nur das der sogenannten Feudalkrise nachhaltig unterstützt. Dieses teilt sich dabei in zwei Erscheinungen auf: "Nachbarschaftskriege" und "harte Herren". Harte Herren waren solche die ausbeuten wollten und die die Bauern für ihre Notlagen haftbar machten. Sie vertraten aber nicht den ganzen Herrenstand. Die Hauptreaktion der Bauern war die Abwanderung, sei es mit einer ländlichen Siedlungskonzentration, sei es mit einer Verlagerung der Bevölkerung in die Städte. Damit käme ich zu den Auswirkungen der Wüstungen, die aber erst behandelt werden sollen, wenn vor eine Ahnung von den Quantitäten der Wüstungen gewonnen wurde.

Quantitäten

Man fragt danach, wieviel Prozent einer bestimmten Zahl von Siedlungen und der dazugehörigen Flächen in einer bestimmten Zeit wüst gefallen sind, und nennt diese Prozentzahl den Wüstungsquotienten (Wq). Wilhelm Abel hat besonders anregend mit dem Wq gearbeitet. Die Methode ist beibehalten worden. Man kennt den Wq für große und kleine Räume.

Die Dorfwüstungen in Unterfranken, die Abel für das Spätmittelalter auf 20-30 Wq schätzte, wurden in neuerer Zeit mit Hilfe der Methode der Letzterwähnungen für dieselbe Zeit im Durchschnitt auf 17,8 Wq errechnet.119 Diese Methode geht von der Vermutung aus, daß die nach dem Spätmittelalter nicht mehr genannten Orte eingegangen sind. Dabei sind große Unterschiede zwischen Kleinregionen nivelliert worden. Im südlichen Landkreis Ochsenfurt stieg wegen ungünstiger Böden der Wq auf 50.120 Die Grundherrschaft von Ebrach erstreckte sich auch nach Ober- und Mittelfranken und hatte "am Ende der Ausbauzeit" Rechte in 309 Orten, von denen im Urbar von 1340 und später 32 verschwunden sind, was einen Wq 10,4 ergibt.121

Für Oberfranken liegt weiterhin eine etwas artifizielle Berechnung vor, die sich auf 441 Dörfer bezieht, in denen Michelsberg zu wechselnden Zeiten Rechte hatte. Davon sind 61, also 14%, zu totalen oder partiellen Wüstungen geworden.122

Aber es gibt auch höhere Werte für größere Räume. Das Zinsbuch des Stiftes Ellwangen von 1335 erfaßt einen Raum am nördlichen Ausläufer der Schwäbischen Alb. Es enthält 169 Orte. Davon sind später 73 abgegangen, was einen Wq 43 ergibt.123 Erich Neuß hat im Saalkreis und im Mansfelder Land die abgegangenen 379 Orte mit dem Ortsverzeichnis von 1899 verglichen und ist auf einen Wq 59,6 gekommen. Die Wüstungen fallen vorwiegend in das Spätmittelalter.124 Das untersuchte Gebiet liegt zur kleineren Hälfte auf dem Kolonisationsland. Der Wq ist in beiden Hälften gleich groß. Das Altsiedelland zerfällt in den Mansfelder Seekreis und den Mansfelder Gebirgskreis. Zwischen diesen beiden Teilen zeigt sich nun mit dem Wq 49 bzw. 70 erwartungsgemäß ein großer Unterschied.

Diese Zahlen gelten für das Ende des Mittelalters und beziehen sich auf den Höchststand der Siedlung an der Wende vom hohen zum späten Mittelalter. In ihrem Rahmen, also von Landschaft zu Landschaft zwischen Wq 14 und 70, dürfte sich im Spätmittelalter die Wüstungsbewegung vollzogen haben. Daran schließen sich zahlreich Fragen, die teilweise gegenwärtig nur angesprochen, nicht beantwortet werden können.

Man sollte annehmen, daß eine repräsentative Quelle mit einer Ausgangszahl des späteren, des fortgeschrittenen Spätmittelalters einen niedrigeren Wq als die oben genannten hat. Dafür haben wir wenig Material.

Als die Grafschaft Württemberg 1442 geteilt werden sollte, stellten die Räte fest, daß von 378 Orten 50 (13,2%) wüstungsanfällig wären, da die Leistungspflicht im Verhältnis zum Ertrag zu hoch sei.125 Diese Nachricht wird der Annahme in etwa gerecht, wenn man berücksichtigt, daß "Wüstungsanfälligkeit" nicht unbedingt zu einer Wüstung führen mußte.

Von Interesse ist das Verhältnis des Wq von Dörfern zu dem von Höfen, also Bauernstellen.

Helmut Jäger diskutiert die Auswertung eines Bamberger Urbars von 1323/1328, das für Ortswüstungen einen Wq 12,4 ergibt. Diese Zahl weise den Verlust während einer Generation aus. Wenn man Hof- und Flurwüstungen durchzählte, würde der Wq wahrscheinlich erheblich niedriger liegen.126 Es fragt sich, ob diese Überlegung verallgemeinert werden darf. In der Eifel sind nach dem Stand von 1300 Dörfer mit dem Wq 24 und Höfe mit dem von 36 wüst gefallen.127

Allerdings ist rechnerisch der Wq von Höfen niedriger als der von Dörfern, wenn der Durchschnitt der abgegangenen Dörfer weniger Höfe hatte als der der erhalten gebliebenen. Und eine gewisse historische Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß die kleineren Siedlungen wüstungsanfälliger waren als die größeren.

Nach den Untersuchungen von Hans Jänichen gibt es z. B. auf den Fildern (Kr. Eßlingen) 22 noch bestehende Dörfer und Weiler gegenüber 23 abgegangenen "Kleinsiedlungen".128 Auch hier dürfte der uns unbekannte Wq der Höfe niedriger gewesen sein als der Dörfer. Es gibt auch eíne frühe Zahl aus einer Gegend, die von Einzelhofsiedlungen geprägt war. Als die Äbtissin von Herford 1290 eine Rundreise durch ihre Meierhöfe machte, stellte sie fest, daß von ihren 14 Höfen nur zwei wüst lagen (Wq 14,3).129

Sobald die Höfe bekannt werden, die in als ganzes erhalten gebliebenen Dörfern aufgegeben wurden, erhöht sich auch der Wq der Höfe entsprechend. Am Rande Unterfrankens und am Rande des siedlungsungünstigen Steigerwaldes liegt Dornheim, dessen Höfe in einem Zinsverzeichnis von 1506 einen Wq von 24,3 haben.130

Zu den punktuellen Zahlen einzelner Jahre kommen einige Quellenserien, die etwas über den Verlauf der Wüstungsbewegung während des Spätmittelalters berichten.     

Die Abrechnungen, die uns über den defectus der Einnahmen wegen öder Bauernstellen in Heilsbronn unterrichten, reichen von 1338-1388. Der defectus stieg 1348 auf über 4% und danach kontuierlich weiter. 1380-1388 erreichte er über 20%.131

Zwei Güterverzeichnisse des salzburgischen Pongau von 1348 und 1352 zeigen zunächst die unmittelbaren Folgen der ersten großen Pestwelle. Von 70 Gütern, also bewirtschafteten Höfen und ihren Fluren, des Jahres 1348 standen 1352 17 leer, davon 10 dauernd bis zur Gegenwart. 11 waren zu benachbarten Gütern geschlagen worden. 18 hatten den Inhaber gewechselt, bei 17 ist dieses fraglich.132 Der unmittelbare Verlust von Höfen betrug 17 und 11, also etwa ein Drittel. Auch dauerhaft war der Verlust von Höfen nicht viel niedriger, nämlich 10 und 11, wurde aber durch die Vergrößerung der übrig bleibenden Güter zu einem großen Teil kompensiert, so daß die Reduktion der Höfen dauerhaft nur den Wq 14 hatte.

Bayerische Quellen erlauben die Unterscheidung zwischen öden Gütern und solchen, die zu Ödrecht aus getan wurden. Die jährlich  geführten Tegernseer Stiftsbücher wurden für das Amt Gevild untersucht. Bis 1349 waren von 130 Gütern regelmäßig ein bis zwei öde und vier auf Ödrecht gestellt. 1355 verdoppelten sich die Zahlen und stiegen bis 1386 fortlaufend bis zu dem Wq 18 für die öden Güter, um danach bis 1420 wider auf 0 zu sinken. Es gab dann auch keine Güter zu Ödrecht mehr.133

Ein Beispiel dafür, daß sich noch in das 15. Jahrhundert hinein die Wüstungen in zeitlicher Folge kumulierten, bietet das badische Freiamt. Eine interessante Auswertung erlauben zwei Einkünfteverzeichnisse des Freiamtes. Die Inhaber eines Hofes müssen jährlich einen Scheffel Freihafer liefern. Die eingenommen Scheffel verringern sich zwischen 1356 und 1414 um 63%. Das heißt, die Höfe des Freiamts haben einen Wq 63.134

Abgegangene Dörfer und Höfe können Opfer von Siedlungskonzentrationen gewesen sein, ohne daß Bauernland, Fluren, dabei verloren gingen. Der Verlust von Fluren, kann zeitlich und in historischer Wechselwirkung mit dem von Siedlungen einher gehen, beruht aber prinzipiell auf anderen Ursachen. Bei ihm liegt immer eine Schrumpfung der Landwirtschaft, besten Fall eine Bodennutzungsänderung in Richtung auf Extensiviereung vor. Die Quellenzeugisse über Verlust von Ackerböden sind recht zahlreich, unterrichten uns aber im Unterschied zu den Siedlungsverlusten meist nur punktuell von einem Jahr oder kurzen Zeitraum. Die Nachrichten kommen aus allen Teilen Deutschlands.

Das Neumärker Landbuch von 1337 bietet einmal die Möglichkeit, über eine Landschaft hinweg den Wq der Hufen (als Flurmaß) in abgegangenen und in erhalten gebliebenen Dörfern zusammenzuziehen. Er beträgt 36,5.135

Das brandenburgische Landbuch von 1375 hat in der Altmark für totale Dorfwüstungen den Wq 7,5, für aufgegebene Hufen (Flächenmaß) in den übrigen Dörfern 29. In der Uckermark haben die Dörfer entsprechend den Wq 9,2 und die Hufen sogar 35,8.136

Hohe Verluste im Osten schon der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts stehen niedrigeren im Westen gegenüber. 1356 lag ein Zehntel des Klosterbodens von Bebenhausen wüst.137

Von besonderem Interesse ist ein Bericht des Deutschmeisters an den Hochmeister von 1379. Darin heißt es, von dem erwarteten Agrareinkommen habe man 8% wegen Flurwüstungen abziehen müssen.138 Diese Angabe bezieht sich auf die Deutschordensballeien quer durch Süd- und Westdeutschland. Stellenweise kommen westdeutsche Zahlen an die ostdeutschen heran. Die Äcker des Hofes Sexau im badischen Freiamt haben 1414 einen Wq 20.139

Immerhin besitzen wir wie bei Höfen, so bei Fluren einige Quellenserien, die über einen etwas längeren Zeitraum hinweg die Verschiebung der vakanten Fluren widerspiegeln.

Die Einnahmerechnungen des Stiftes St. Blasius von Braunschweig zeigen eine geradezu dramatische Entwicklung. Die erfaßten "Hufen Landes" sanken 1320-1380 von 319 auf 252. Von letzeren waren 168 vakant, was einen Wq 66 bedeuten könnte. Bis 1394 stieg die Hufenzahl wieder auf 295. Der Wq sank gleichzeitig auf 27. Aber 1398 erfassen die Rechnungen wiederum nur 260 Hufen.140 Man hatte sich wohl damit abgefunden, einen Teil der vakanten Hufen als dauerhaft wüst aufzugeben. Der Wq der reduzierten Hufenzahl betrug immerhin noch 14, von den 319 Hufen her gesehen zwar 30. Trotzdem war 1380 ein Wendepunkt.

In der Grundherrschaft von St. Alban in Basel sanken die Schupposen, die nach Abgaben normierten Ackerstücke, im 14. Jahrhundert von 125 auf 100, also mit einem Wq 20. Hier deckt sich der Verlust mit dem der Höfe. Denn die Zahl der Zinser für die Schupposen sank von 103 auf 83. In einer Gesamtkalkulation des Klosters von 1423 wird ein Verlust von Einnahmen durch Vakanz mit 11% genannt.141

Interessant ist eine Abgabe mit Namen "Wustunge", die ab 1421 im Amt Grimma erhoben wurde und die bei Rekultivierung wüst gefallener Fluren für eine gewisse Zeit an die Stelle der sonstigen Abgaben trat, niedriger war als diese und die Rekultivierung unterstützen sollte. Sie ist also mit dem bayerischen Ödrecht vergleichbar, bezieht sich aber nicht auf Siedlungen, sondern auf Fluren. In sieben Dörfern nahmen "Wustunge" bis 1448 zu, um dann langsam zu erlöschen. In sechs anderen Dörfern ist 1421 und 1442 eine solche Abgabe bezeugt, aber 1448 schon rückläufig.142 Es bleibt die Frage, ob hier fortgesetzt Äcker aufgegeben wurden oder ob - was wahrscheinlicher ist - ähnlich wie in Gevild die Rekultivierung abgeschlossen wurde.

Abschließend stelle ich fest, daß die Variationsbreite der Verluste bei Dörfern, Höfen und Fluren ähnlich groß war. Obwohl einige deutliche Zeugnisse über Verluste in allen drei Bereich auch aus dem 15. Jahrhundert vorliegen, überwiegt der Eindruck, daß sowohl der Verlust von Siedlungen wie der von Fluren im 15. Jahrhundert rückläufig war.

Bodennutzungsänderungen

Die Erörterung der Folgen der Wüstungsbewegung möchte ich mit den Änderungen der Bodennutzung beginnen. Unter den Alternativen zum Ackerbau ist die planmäßige Anlage von Wäldern hervor zu heben. Der westlich von Würzburg gelegene Gutenberger Forst, ein bischöfliches Jagdrevier, ist bis 1516 aus etwa 12 abgegangenen Dörfern und Höfen, deren Fluren und Gemeindewäldern zusammengewachsen.143

Auf der siedlungsungünstigen Rhön sind reihenweise Wüstungen vom Adel und von Klöstern in Schäfereien umgewandelt worden.144

Um die schwäbische Deutschordens Kommende Kapfenburg entstanden im Spätmittelalter 16 Wüstungen. Im 16. Jahrhundert hatte die Kommende 231 Morgen Acker, Wiesen und Gärten, aber 3338 Morgen "Waldungen", in denen eine rege Schafzucht betrieben wurde. Die Errichtung von Schäfereien ist für Südwestdeutschland besonders gut erforscht. 40 landesfürstliche Großschäfereien sind allein für Württemberg gezählt worden.145

In Hessen sah der Landgraf 1353 die Notwendigkeit, eine Schafbede zu erheben, um Raumherrschaft zu demonstrieren. Weite Strecken des Landes waren zur Schafweide geworden. Wir erfahren davon aus einer Urkunde für das Kloster Kaufungen, dessen Schafe beim Kloster selbst und in fünf Dörfern je 500 Schafe davon ausgenommen waren.146

Manchmal war das Interesse größer an "wüsten Dorpstede" und Hofreit als den Äckern, weil mit ihnen Nutzungsrechte in Holtingen, größeren Waldmarken, verbunden waren. So hatte Lüthorst bei Einbeck 1390 die Mast und andere Waldrechte von sechs wüsten Dörfern gegen Triftgelder, Abgaben für die Trift an die Herrschaft, übernommen. Die Herzöge von Braunschweig versprachen 1392, in einem "freien Holting" keine Trift über die Berechtigungen ihrer wüsten Höfe hinaus zu betreiben. Im Fürstentum Braunschweig-Lüneburg wurden im Spätmittelalter sechs große Schäfereien auf Wüstungen gegründet.147

Landesherrn strebten nach Ausdehnung der Grenzen, bedienten sich des Mittels der Schäferei und stießen dabei mit gleichrangigen Nachbarn oder mit Ritterfamilien zusammen, die ihre bestehende Unabhängigkeit ausbauen wollten. Es gab z.B. Zusammenstöße zwischen dem Kloster Fulda und den Herrn von Thüngen, zwischen dem Bistum Bamberg und den Herrn von Giech,148 sowie zwischen den Bischöfen von Würzburg und von Bamberg.149

1499 wurden Niederadelige Schloß und Dorf Bedheim (Kr. Hildburghausen) als Lehen bestätigt. Dazu gehörte der Schaftrieb nach fünf Dörfern, die Bedheim nach Norden herum im Halbkreis umgaben (lf 29, f. 126v). Der Dorfherr von Bedheim beherrschte also die Wege und Weiden bis hin zu den unter anderer Herrschaft stehenden Dörfern. Dasselbe läßt sich bei fünf Dörfern beobachten, die 1511 einen fest geschlossenen Kreis um Rimbach (Kr. Gerolzhofen) bildeten. (lf 29, f. 240r).Mit den Nutzungsänderungen kam eine neue Mobilität in die Landwirtschaft.

Eine Gemeinde in Niedersachsen, Jerstedt, nahm 1311 einen internen Tausch vor. Einige Landstücke, die gegenwärtig als Weide genutzt wurden, sollten wegen ihrer Fruchtbarkeit wieder der agricultura zugeführt werden. Einige andere, weniger fruchtbare Äcker sollten zum Ausgleich dafür zur Weide gemacht werden. Die schwäbischen Herrn von Zimmern wollten 1432 auf einem wüst gefallenen Hof eine Schäferei errichten, waren aber mit dem Erfolg nicht zufrieden und belehnten dann eine Gemeinde mit dem Hof, die dessen Fläche wohl als Allmende nutzte. 1450 erwarb der Erzbischof von Trier von einer dörflichen Gemeinde bebautes und unbebautes Land, um hinter seinem Schloß Saarburg einen Weiher anzulegen.150

Michelsberg gab 1486 eine klostereigene Schäferei zugunsten einer Dorfschäferei auf und ließ sich dafür von diesem Dorf einen großen Teich anlegen. Schon vorher hatte dieses Kloster auf Wüstungen Teiche anlegen lassen, aber auch hinnehmen müssen, daß Teiche wieder wüst fielen.151 Man kann von einer Konkurrenz der Nutzungen sprechen. Der hessische Chronist Gerstenberg berichtet, der Landgraf habe am Ende des 15. Jahrhunderts geboten, kein Wasser mehr über bestimmte Wiesen zu leiten, weil sonst die Fische stürben.152

Umgekehrt wurde 1411 bei Bamberg eine "Seestatt", wohl ein natürliches Fischwasser, in eine Wiese verwandelt (lf 11, f. 63r).

Überall standen der Mobilität die Rechts- und Abgabenverhältnisse entgegen.

Im Gültbuch des Heilig Geist Stifts von Nürnberg wurde zu 1446 eine Beschwerde darüber notiert, daß man aus Äckern Weiher gemacht habe und dort nun keinen Zehnt mehr zahle.153

Wahrscheinlich hat sich die Mobilität auch auf einen Wechsel vom Acker- zum Weinbau ausgewirkt, der in mehreren Landschaften bezeugt ist.

Es ist auffällig, daß in dem wüstungsanfälligen Württemberg der Weinbau im 14. und 15. Jahrhundert ausgedehnt und der Neckarwein zu einer Exportsorte wurde. Ein Jahrtag in Wurmlingen wurde nach der Ordnung von 1348 noch mit Bier, nach der von 1468 mit Wein gefeiert.154

Allerdings sind wenigstens eben so viele Landschaften bekannt, in denen der Weinbau im Spätmittelalter zurückging. Es gab Fehlversuche. 1431 z. B. sollten die "Rodungsäcker" in einem "Mönchsholz" des Klosters Michelsberg in Weingärten umgewandelt werden. Aber die erwarteten Zinsen kamen nicht herein.155 Der Wein hatte seine Konkurrenz im Bier, und seine Absatzmöglichkeiten waren auch sonst begrenzt.156

Nach Otto Volk schimmert am Mittelrhein der hochmittelalterliche Ackerbau in der Hufenstruktur des Weingartenbesitzes und in den Kornabgaben, die von diesem gefordert wurden, durch. Aber die Ausdehnung des Weinbaus war weitgehend schon im Hochmittelalter abgeschlossen. Die "Hubnerschaft" eines Koblenzer Stiftes in Braubach schrumpfte 1398-1456 von 37 auf 25. Hier scheinen Winzer und ihre Weingärten ein Opfer der Konkurrenz geworden zu sein. Eberbacher Visitationsregister von 1484 und 1498 zeigen an vier Orten allerdings einen Anstieg der Pächter um 17,8%, während gleichzeitig die Weingärten um 4% durch Teilungen anstiegen. Man wird mit einer Zunahme von gesamthänderischem Besitz zu rechnen haben. Mehr Winzer mußten sich einen gleichbleibenden Weinbau teilen.157

Das Wachstum des Leinen- und Barchentgewerbes in Stadt und Dorf verstärkte die Nachfrage nach Flachs. An vielen Stellen wurde Flachs angebaut, an erster Stelle in ausgesprochenen Leinenlandschaften wie Oberschwaben und Sachsen. Aber auch das Gebiet des Lehenhofs von Würzburg ist davon betroffen. In den ältesten Lehenbüchern von 1303-1333 werden Leinen,- d.h. Flachszehnte an drei Orten genannt. Die Orte liegen um Würzburg herum und am Steigerwaldrand (1, Nr. 103, 2343, 2437). Nur in einem davon, Oberpleichfeld bei Würzburg, bleibt bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts der Flachsanbau(2, Nr. 814). Daneben werden jetzt verstreut im Norden und im Süden des Gebiets "Kloben" Leinen als Gült genannt. (2, Nr. 930, 1230). Im 15. Jahrhundert tritt die Flachsgewinnung in Nestern, d.h. in Orten, in denen mehrere Höfe Flachsabgaben lieferten, hervor. Der Flachszehnte wird noch 1497 in Kleinheubach am Main genannt (lf rieneck S. 4). Auch sonst gibt es Orte mit Flachsanbau im Maintal. Ausgeprägter ist aber ihre Verbreitung in den bergigen Rändern des Gebiets im Norden und Osten. Zu den Flachsorten zählt das oben erwähnte Wustviel ebenso wie das gleichzeitig erscheinende Greuth (lf 25, f. 58r"), beide am Steigerwaldrand. Vier Orte liegen an den Hängen der Röhn, Sondernau, Lebenhan, Roedelmaier und Ostheim. Flachsanbau gehörte zu den Fronpflichten in der Eigenwirtschaft des Amtsschlosses Hillenberg bei Fladungen. Die Froner hatten den Flachs "auszureissen, ins Wasser zu legen, auszuwaschen, zu reffen", d.h. die Samenkörner zu entfernen (ldf 12, S. 83-87). Wieviel von dem Flachs in den Dörfern und in den nahen Kleinstädten verarbeitet wurde, läßt sich nicht sagen. Die Würzburger Leinenweber verhandelten 1489 um eine Ordnung mit dem Rat.158

Auswirkungen der Abwanderungen

Vor den Abwanderungen hatten die Grundherrn wahrscheinlich mehr Angst als vor Flurwüstungen, die sich durch Rekultivierung und Bodennutzungsänderungen ausgleichen ließen. Nur Siedlungskonzentrationen in dem eigenen Gebiet waren für sie tragbar. Alles andere bedeutete Verlust von Herrschaft. Überwiegend ging es bei diesen Maßnahmen um die Abwanderung in Städte, aber auch die in andere ländliche Herrschaften mußte befürchtet werden.

So vereinbarte 1270 der Bischof von Halberstadt mit zwei Grafen, gegenseitig keine flüchtigen Hörigen aufzunehmen.159

Michelsberg sah 1366 in einem Zeitpacht Vertrag vor, daß die Bauern sich eventuell ad alios dominos superiores diverterent. Damit konnte der Bischof von Bamberg gemeint gewesen sein. Solche Hinwendungen zu einem Oberherrn mußten also zugestanden werden.160

Benedykt Zientara hat gezeigt, daß es eine bäuerliche Mobilität gab, die sich nicht nur in der Landflucht äußerte, sondern die auch dort zur Wirkung kam, wo relativ wenige anziehende Städte waren, wie in der Uckermark. Diese Mobilität war eine Grundlage dafür, daß es immer wieder gelang, Wüstungen neu zu besetzen, wenn man durch Ödrecht oder Freijahre die Anreize schaffte. In der Uckermark waren 1375 von 7470 Hufen (Flächenmaß) 2675 wüst und 619 wegen Wiederbesetzung von Abgaben befreit. Gleichzeitig ging die Wüstungsbewegung weiter. 1377/1378 waren weitere 132 Hufen wüst. Daraus kann gefolgert werden, daß viele Bauern von Dorf zu Dorf zogen, um nach den besten Böden mit den niedrigsten Abgaben zu suchen. Aber die Zahlen zeigen gleichzeitig, daß im Saldo viele Hufen dauernd unbebaut blieben.161

Am schlimmsten war wohl die Abwanderung in Städte, insbesondere in Reichsstädte. Zu Unterfranken gehörten zwar mit Ausnahme von Schweinfurt keine Reichsstädte, aber die Anziehungskraft des benachbarten Nürnberg war noch gefährlich genug. Von den knapp 2000 Nürnberger Neubürgern 1302-1448 ist für 522 die Herkunft bekannt. Davon kamen 209 aus den Dörfern.162

In der Tat war die nähere Umgebung großer Reichsstäde am stärksten von der Abwanderung betroffen. Nach Frankfurt a. M. kamen 32,3% aus einem Umkreis von 15 km. In Dortmund waren es sogar 39%, nach Nördlingen, Esslingen und Schwäbisch Hall von 20 km Entfernung etwa 50%.163

Aber auch die anderen Städte profitierten von der Abwanderung und waren für die ländliche Herrschaft gefährlich. Von der Einwanderung nach Würzburg im ausgehenden 15. Jahrhundert wurde oben gesprochen. Eine ähnliche Wirkung, d.h. ebenfalls eine Aushöhlung der ländlichen Herrschaft, bewirkte die Erhebung zahlreicher Dörfer zu Städten. Nach Rudolf Endres sind in Franken im 14. Jahrhundert 57 Kleinstädte entstanden.164

In Westfalen wurden 1240-1520 noch 83 Kleinstädte gegründet. Dazu kamen ab 1290 noch 48 sogenannte Minderstädte, in der zeitgenössischen Sprache Freiheiten, Flecken, Weichbilder, in Süddeutschland Märkte genannt, Orte, die nur einen Teil der bündelartigen Stadtkriterien ausfüllten.165

Diese Städte wurden nicht auf freiem Feld gegründet. Aus Dörfern wurden Städte. Man muß also den entsprechenden Verlust von Dörfern dem Wüstungsquotienten hinzufügen, um die Schrumpfung der ländlichen Siedlungen zu erfassen.

Sicherlich spielten die Herren bei der Entstehung der Städte in ihrem Gebiet gelegentlich mit. Sie wollten verhindern, daß sich eine werdende Stadt einem Nachbarherrn anschloß oder sie wollten die neue Stadt als Grenzburg in den territorialen Auseinandersetzungen verwenden. Aber wie auch immer, als Bürger waren die ehemaligen Bauern dem herrschaftlich Zugriff weniger ausgesetzt als vorher.

Wie sehr die Abwanderung und die Beunruhigung der Herrn durch sie zur Wirklichkeit des Spätmittelalters gehörten, zeigen die verschiedenartigen Maßnahmen der Herren gegen die Abwanderung., die sogleich die Städte mit einbezogen. 1343 schloß Hohenlohe mit dem Deutschen Orden einen Vertrag. Die Hohenloher Eigenleute sollten nicht mehr in Mergentheim aufgenommen werden dürfen. Im Jahr danach folgten der Bischof und die Stadt Würzburg diesem Beispiel.166 Solche Verträge gehörten zu Maßnahmen, die die kommende neue Leibeigenschaft ankündigten und begleiteten, die auch im Hochstift Würzburg reich bezeugt und erforscht ist. Ich bleibe hier bei diesen vorbereitenden und ankündigenden Maßnahmen

1305 verpflichtete der Graf von Katzenelbogen die Stadt Oberwesel vertraglich, keine Hörigen aufzunehmen.167

Bald wurden Verträge nicht nur mit den eigenen, sondern auch mit auswärtigen Städten abgeschlossen. Dabei wurden zwangsläufig deren Stadtherren einbezogen.

König Rudolf sicherte dem Grafen von Oettingen 1274 zu, daß Nördlingen und andere Städte keine seiner Eigenleute aufnehmen dürften,168 entsprechend dem Grafen von Katzenelnbogen 1289, daß die Reichsstadt Frankfurt keine aus seinem Gebiet entlaufenen Hörigen aufnehmen würde.

Der bayerische Adel brachte die Einschränkung der Landflucht 1311 in sein erstes großes ständisches Privileg hinein.169 Der bayerische Herzog verbot etwa den Städten München und Tölz, Leibeigene zu Bürgern aufzunehmen.. Tölz mußte 1416 zwei "Urbarmänner", die schon Bürger geworden waren, wieder herausgeben. Reichsstädten konnte er derartiges nicht verbieten. Gegen sie mußten sich die einzelnen Grundherrn selber wehren. Der Propst von Steingaden ging mit radikalen Mitteln vor. 1410 inhaftierte er die Mutter eines nach Kaufbeuern abgewanderten Bauern und ließ sie erst frei, nachdem sie geschworen hatte, daß weder sie noch eines ihrer anderen Kinder abwandern würden. Als 1496 das Stift Beuerberg von Bozen die Herausgabe eines Entlaufenen verlangte, schaltete sich der Herzog Albrecht zu dessen Gunsten ein und schrieb der Stadt: Wenn ein "Maier oder anderer aus unserem Fürstentum so sich dermaßen als frei ledig in andere Lande ihrer Wohlfahrt ziehen, sollten sie nicht belästigt werden.170

Der Markgraf von Baden ließ sich 1335 ein Kaiserprivileg ausstellen, wonach keine Stadt badische Eigenleute und Hintersassen aufnehmen durfte. 1368 kam es zu einem Vertrag zwischen dem Markgrafen, dem Adel und den badischen Städten. Danach sollte der Markgraf niemanden hindern, in die Stadt zu ziehen, ausgenommen seine Eigenleute.171

In diesem Vertrag war schon eine Einschränkung gemacht, eine Art Kompromiß angestrebt worden. Eine reine Verbotspolitik ließ sich nicht durchhalten. Und auch der künftigen Leibeigenschaft sollte ein Kompromißcharakter anhaften. Manchmal näherte man sich etappenweise dem Kompromiß.

In Brandenburg versuchte sich die Ritterschaft durch Landes weite Regelungen gegen Abwanderungen zu schützen. Dadurch sollte verhindert werden, daß der Abwandernde woanders Aufnahme fand. 1484 sollte eine Abwanderung nur mit dem Einverständnis des Herrn erlaubt sein, 1518 nur mit der Stellung eines Nachfolgers auf dem Hof.172

Es gab Verträge und Übereinkommen der Herren mit den Abzugs verdächtigen selbst.

Die Grafen von Leiningen ließen sich ab 1296 fortlaufend von einzelnen Personen Nicht-Abwanderungs-Versprechen geben, legten hohe Summen für die Lösung aus dem Versprechen fest und ließen sich dafür Bürgen nennen, was vielfach üblich wurde und ein Reichsgesetz von 1340/1341 vergeblich untersagte. Der Graf von Württemberg war durch die vielen Reichsstädte in seiner Nähe besonders betroffen und legte seinen Amtsbauern 1383 Nicht-Abwanderungs-Verpflichtungen auf.173

Die Fürsten von Rügen verlangten für die Genehmigung einer Abwanderung die Stellung eines gleichwertigen Ersatzmannes.174 Ab 1378 wurden in Salem "Burgbücher" geführt, in denen die Selbstverpflichtung der Bauern nicht abzuwandern, festgehalten wurde. Ähnliche Quellen sind aus Beuggen und Schussenried erhalten.175

Vom Bischof von Osnabrück erhielten Abhängige 1299 das Recht, sich für eine Mark Pfennige pro Person freizukaufen. Dann durften sie sich in jede Stadt, Dorf oder Provinz begeben. Der jüngste Sohn sollte allerdings auf dem Hof zurückbleiben.176

Hierher gehören auch Wegzugsabgaben, Weglösen. Weglösen werden in der Ostschweiz ab 1308 bezeugt.177

Ebrach legte den Abwandernden eine hohe "Nachsteuer" auf.178

Die Äbtissin von Herford beließ es in einem Hofrecht von 1370 dabei, daß die Erben das Recht auf ein Gut verloren, das von dem Bauern verlassen worden war. Das Kloster Bebenhausen bei Tübingen vereinbarte 1440 mit seinen "armen Leuten und Meiern", daß diese es der Herschaft verkünden und vorher die noch schuldigen Abgaben, sowie Weglösen entrichten. Das Kloster Oberschönefeld sicherte dem Dorf Neumünster in einem Gründungsbrief von 1346 zu, daß es einem Mann erlauben würde, sein Gut aus Armut zu verkaufen, sofern dem Kloster und dem Dorf sein Geld gewiß wäre, also wohl Schulden bezahlt und ein Nachfolger vorhanden wären. Der Erzbischof von Trier vermittelte 1497 eine Übereinkunft zwischen einem seiner Lehensleute und einer diesem unterworfenen Gemeinde. Danach durften sie nur mit Wissen und Willen ihres Herrn abziehen.179

Schließlich gab es auch gewissermaßen marktwirtschaftliche Lösungen des Problems. Kloster Langheim verlieh 1364 einem Bauern einen Hof in Halbpacht "um des Sterbens". Er mußte versprechen, sich nicht "ohne unser Wort anderswo zu verherren (einen Herr zu suchen)." Hier ist ein - durch die Pest ausgelöster - Wettstreit unter den Herren erkennbar. Halbpacht war für den Bauern, der vorher z. B. nur Hofverwalter war, eine Besserstellung. St. Blasien wollte 1435 einen Bauern halten und versprach ihm nicht nur günstigere Leihebedingungen, sondern auch sein Kind in das Kloster zu nehmen, damit es ein Handwerk lerne. Der Bauer zog trotzdem weg.180 1430 trat das Bistum Basel mit Nachbarherrschaften in einen Wettstreit um Zuwanderung durch Abgabensenkung ein: "damit sie (die Bauern des Bistums) bleiben und andere bewegen zu ihnen zu ziehen".181

Wie sah die Entwicklung von den Städten her gesehen aus? Die Städte wünschten Zuwanderung, insbesondere nach Pestverlusten.

Der Schweizer Chronist Brennwald berichtet uns, daß Bern 1350 neue Orte in die Stadtherrschaft einbezog, weil die Stadt Mangel an Leuten hatte. Die Stadt Konstanz konnte 1367 ein kaiserliches Privileg erwerben, wonach die Leibherrn von ihren nach Konstanz eingewanderten Eigenleuten keine Besitzwechselabgaben mehr erheben durften. Die Stadt Mainz ließ 1436 "Noteln" an die Tore schlagen, in denen um Einwanderung geworben wurde.182

Den Erfolg der städtischen Bemühungen spiegeln statistische Quellen wider. Als statistische Quellen kommen hierfür hauptsächlich die Neubürgerbücher in Frage, die z. B. in Norddeutschland einen Anstieg der Neubürger nach Pestjahren verraten.183 Ich verbinde diese Frage mit einer anderen, nämlich, ob die Abwanderung im 15. Jahrhundert unverändert weiterging. Es gibt Städte, die durch ihre Neubürgerbücher erkennbar machen, daß die Landflucht in ihrer Region im Laufe des 15. und 16. Jahrhunderts gleichmäßig nachließ. Eine solche Aussage erlauben in erster Linie kleinere Städte, denn bei größeren wäre vorher die zwischenstädtische Wanderung auszuschließen.

Aber nach Mindelheim zogen in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts 228 Personen. In der zweiten Hälfte 193, in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts 90, in der zweiten Hälfte 70.184

Die städtischen Steuerbücher, die in einer Serie erhalten sind und etwas über die Bevölkerungsentwicklung aussagen, entsprechen dem Eindruck solcher Neubürgerbücher auf das ganze gesehen.185

Otto Volk hat in einer methodisch neuartigen Weise die verfügbaren Neubürger-Bücher aller Städte Westdeutschlands durchgesehen, um die Abwanderung aus einer bestimmten Region, beider Ufer des Mittelrheins, dorthin chronologisch zu verfolgen. Es gab zwei Höhepunkte dieser Abwanderung, den ersten 1390-1400 mit 31 pro Jahr, den zweiten, kleineren 1470 -1480 mit 24 pro Jahr. Aus dieser Untersuchung sind hier zwei Folgerungen festzuhalten: Ein wirkliches Nachlassen der Abwanderung in die Städte ist hier erstens frühestens nach 1480 zu beobachten. Zweitens hat sich die Abwanderung hier nicht in Wüstungen niedergeschlagen. Volk erwägt einen Ausgleich durch Zuzug.186 Ebenso könnte die ländliche Geburtlichkeit einen solchen Ausgleich ermöglicht haben.

Statistisch verwertbare Zahlen einer Bevölkerungsentwicklung auf dem Lande sind spärlich überliefert und wenig erforscht. Einige Zeugnisse kommen vom Ende des 15. und frühen 16. Jahrhundert und korrespondieren mit dem oben beobachteten Nachlassen der städtischen Zuwanderung.

In der Grundherrschaft von Salem wuchs die Bevölkerung 1488-1505 jährlich um 1,2%, im Landgebiet von Zürich 1497-1529 um 1,4%.187 Ähnliches gilt für die Hofstellen im Amt Grimma schon 1421-1495. Dort beschleunigte sich das Wachstum nach 1510 um das Doppelte.188

Aber in einer Gegend reichen die Zeugnisse einer ländlichen Bevölkerungszunahme noch weiter zurück. In Tirol sind für vier Gerichtsbezirke, Freundsberg, Rettenberg, Thaur und Imst, 1312 und 1427 Steuerträger, bzw. Feuerstättenlisten erhalten. Sie verraten einen Anstieg von 54%, pro Jahr also von 0,45%. Listen, die für einzelne Orte auch außerhalb dieser Gerichte ausgewertet wurden, zeigen große Unterschiede, die von einer Verdoppelung (Achenbach) bis zu einer Halbierung (Stans) reichen. Im ganzen überwiegt auch bei ihnen der ansteigende Trend.189

Gleichzeitig ist ein Wachstum zahlreicher Dörfer an der Besitzzersplitterung, von der an anderer Stelle zu sprechen sein wird und die an das Existenzminimum heran führte, erkennbar. Auch die fortgehenden Rodungen und Wiederbesetzungen von Wüstungen lassen auf zunehmende Bevölkerungszahlen schließen. Die neun Rodungsdörfer des Holzwinkels westlich Augsburg, die von Klaus Fehn untersucht wurden, zeigen ein durchschnittliches jährliches Wachstum der Haushaltungen zwischen der Gründungszeit 1300-1350 und dem Ende des 15. Jahrhunderts von 0,44% und in den nächsten 100 Jahren von 0,55%. Trotzdem wurde die in der Gründungszeit geplante Ackerfläche - aus welchen Gründen immer - nur zur Hälfte in Bearbeitung genommen.190 So ist dieses Zeugnis des Wachstums gleichzeitig ein Hinweis auf dessen Fragilität.

Im ganzen kann man vermuten, daß auf dem Lande eine hohe Geburtlichkeit herrschte, die aber überwiegend durch Epidemien und Abwanderung überboten wurde.

Der Erfurter Chronist Konrad Stolle baute in den Bericht von einer Prozession 1483 gegen Hunger und Pestilenz die Überlegung ein: Es gäbe sehr viele Leute, denn seit 20 Jahren wäre kein rechtes Sterben mehr gewesen. Kaum jemand hätte weniger als 8, 9 oder 10 Kinder. Sie besäßen kein Geld, kein Korn und hätten bittere, große Not.191 Gegenden und Zeiten der Überbevölkerung und des Hungers lagen eng neben solchen, die von Wüstungen gekennzeichnet waren.

Zusammenfassung

Am Ende dieses Beitrages wird man nicht eigentlich eine Zusammenfassung erwarten, die einen Forschungsfortschritt formuliert. Es wurde ein Forschungsprogramm skizziert und in Beispielen konkretisiert, illustriert und differenziert. Die Beispiele aus Unterfranken sind auffällig lückenhaft im Verhältnis zum Programm. Die Lücken können durch weitere Arbeit geschlossen werden. Immerhin zeigen die Beispiele aus Unterfranken jetzt schon, daß sie durchaus einen Beitrag zum Forschungsfortschritt leisten können, etwa im Bereiche der Ortsnamen, die Wüstungsprozesse widerspiegeln, bei dem Zusammenhang zwischen Fruchtwechsel und Wüstungen. Bei den Ursachen der Wüstungen liegt ein besonderes Gewicht auf dem, was man etwas unglücklich die Feudalkrise nennt. Man lernt schärfer zu unterscheiden zwischen Siedlungswüstungen und Flurwüstungen im Hinblick auf Ursachen und Quantitäten, die im übrigen von Kleinlandschaft zu Kleinlandschaft die größten Unterschiede aufweisen. Die zum Ackerbau alternative Bodennutzung war in Unterfranken natürlich der Wein, der aber von Flurwüstungen kaum profitierte. Eher gilt dieses von der Schafzucht und sogar dem Flachsanbau. Die Reaktionen der Herren, der "harten" und der "guten", auf Abwanderungen können auch an unterfränkischen Beispielen illustriert werden. Auf die wichtige Frage, ob die Wüstungsbewegung am Ende des Mittelalters nachließ, geben unsere Quellen noch keine hinreichende Antwort.

Anmerkungen

*

Für allgemeinere Ausführungen zu diesem und den übrigen Beiträgen, denen das Material der sozial- und wirtschaftsgeschichtlichen Datenbank zugrunde liegt, vgl. die Seite Zur Seite "Analysen". "Analysen". Dort sind auch die verwendeten Abkürzungen aufgelöst. Die vollständigen bibliographischen Angaben zur zitierten Literatur finden sich auf der Seite Zur Seite "Allgemeine Literatur". "Allgemeine Literatur". Zurück zum Haupttext.

1

Jäger, Lex MA 9, Sp. 387-391. Zurück zum Haupttext.

2

Zur Auflösung der Kürzel im (Ober-)Text vgl. Zur Seite "Analysen", Anm. 1. Anm. 1 der Seite "Analysen".Zurück zum Haupttext.

3

Braun 1, S. 252f.Zurück zum Haupttext.

4

Die Orthographie der Quelle wird hier in der Regel modernisiert.Zurück zum Haupttext.

5

Braun 1, S. 241; 2, S. 209f.Zurück zum Haupttext.

6

MB 45, S. 134f.Zurück zum Haupttext.

8

Braun 1, S. 240.Zurück zum Haupttext.

9

HAB Neustadt/Saale S. 71f.Zurück zum Haupttext.

10

HON Königshofen S. 25.Zurück zum Haupttext.

11

Quirin, Ostsiedlung S. 104; Timm S. 27.Zurück zum Haupttext.

12

Epperlein, Bauernbedrückung S. 121; Rübsamen S. 190.Zurück zum Haupttext.

13

Rödel, Grundherrschaft S. 315; Braun 1, S. 278f.Zurück zum Haupttext.

14

Gilomen S. 227; Timm S. 19; Braun 1, S. 271.Zurück zum Haupttext.

15

Ulbrich S. 53; ähnlich Tegernsee, vgl. Sandberger S. 230.Zurück zum Haupttext.

16

Klein, Beiträge S. 176f. für den Erzbischof von Salzburg.Zurück zum Haupttext.

17

Wopfner Nr. 259.Zurück zum Haupttext.

18

Kümmell S. 103.Zurück zum Haupttext.

19

Franz Nr. 123; Lamprecht 3, S. 79-81, ähnlich S. 144.Zurück zum Haupttext.

20

Weber, Die Weistümer Nr. I,3; Bader 3, S. 297f.Zurück zum Haupttext.

21

Fehn S. 86f., 182.Zurück zum Haupttext.

22

Jäger, Wüstungsforschung S. 218; Epperlein, Bauernbedrückung S. 92.Zurück zum Haupttext.

23

Bader 3, S. 161-171.Zurück zum Haupttext.

24

Bader 3, S. 164.Zurück zum Haupttext.

25

Tremel, in: Produttività S. 92.Zurück zum Haupttext.

26

Volk S. 169, 267.Zurück zum Haupttext.

27

Schröder-Lembke S. 6, 15.Zurück zum Haupttext.

28

Volk S. 277-280.Zurück zum Haupttext.

29

Hoffmann, Urkundenregesten Himmelpforten; Durchzählung in einem Würzburger Hauptseminarreferat von Helga Möhring-Müller 1986; einmal ist nur Wintergetreide, zweimal Winter- und Sommergetreide mit Erbsen kombiniert.Zurück zum Haupttext.

30

Manfred Schallner, Bodenbebauung im Spiegel der Zins- und Rentenlehen. Würzburger Zulassungsarbeit 1980 S. 16 (einschließlich 21 Verpflichtungen zu "Getreide"-Abgaben, die mehrmals genauer beschrieben werden und dann immer auf eine Kombination von Winter- und Sommergetreide hinauslaufen).Zurück zum Haupttext.

31

Jänichen, Beiträge S. 92f.Zurück zum Haupttext.

32

Diefenbacher S. 61.Zurück zum Haupttext.

33

Lachmann S. 171; ebenso 1430 in der Kellerei Rheinfels, vgl. Volk S. 287.Zurück zum Haupttext.

34

Braun 1, S. 123. In der Heilsbronner Eigenwirtschaft bei Nördlingen war für Roggen das Saat : Ernte-Verhältnis 1 : 5,2, vgl. Bauernfeind S. 148.Zurück zum Haupttext.

35

Bauernfeind S. 155.Zurück zum Haupttext.

36

Ribbe bei Schich S. 146.Zurück zum Haupttext.

37

Jänichen, Beträge S. 101f.Zurück zum Haupttext.

38

Volk S. 276; Irsigler bei Patze 1, S. 309.Zurück zum Haupttext.

39

Schröder-Lembke S. 9f.Zurück zum Haupttext.

40

Volk S. 279f.; für den Niederrhein Ahn S. 81f.Zurück zum Haupttext.

41

MGH SS 17, S. 228f.Zurück zum Haupttext.

42

Bauernfeind S. 148.Zurück zum Haupttext.

43

Franz Nr. 141.Zurück zum Haupttext.

44

Z. B. in Aubin/Zorn S. 304.Zurück zum Haupttext.

45

Besonders vertreten durch Guy Bois.Zurück zum Haupttext.

46

Vgl. dazu u.a. die Arbeiten von John Day.Zurück zum Haupttext.

47

Vgl. die Übersichtskarte in Aubin/Zorn S. 306.Zurück zum Haupttext.

48

MGH SS 17, S. 236.Zurück zum Haupttext.

49

Sablonier S. 230; Ott, Studien S. 91.Zurück zum Haupttext.

50

HAB Karlstadt S. 44,113.Zurück zum Haupttext.

51

Braun 2, S. 39.Zurück zum Haupttext.

52

Engel/Zientara S. 358.Zurück zum Haupttext.

53

MGH SS rerum Germanicarum N.F. 15, S. 97; vgl. auch Unrest, MGH SS rerum Germanicarum N.F. 11, S. 100 (Heuschrecken in Verbindung mit Türkeneinfällen 1478).Zurück zum Haupttext.

54

Braun 1, S. 248; Neuß S. 243.Zurück zum Haupttext.

55

Ulbrich S. 147.Zurück zum Haupttext.

56

Sabean S. 37.Zurück zum Haupttext.

57

Ulbrich S. 50.Zurück zum Haupttext.

58

Jänichen, Beiträge S. 106.Zurück zum Haupttext.

59

Schirmer, Verwaltungsbericht S. 82-84.Zurück zum Haupttext.

60

Für einen größeren Überblick: Sprandel, Wirtschaftskonjunktur S. 168-179.Zurück zum Haupttext.

61

Gilomen S. 228; Franz Nr. 234.Zurück zum Haupttext.

62

Rosicz bei Wachter S. 49; vgl. auch Epperlein. Bauernbedrückung S. 146f.Zurück zum Haupttext.

63

Stadtarchiv Würzburg, Ratsprotokoll 6,135v; Geschichte Würzburg S. 305-307.Zurück zum Haupttext.

64

ChdSt 7, S. 257.Zurück zum Haupttext.

65

Rothe bei Liliencron S. 651f.; Döring/Werner bei Mencken Sp. 39; Stolle bei Thiele S. 498; Linturius bei Pistorius/Struve S. 579.Zurück zum Haupttext.

66

Habermann 12, S. 111-115.Zurück zum Haupttext.

67

Jänichen, Beiträge S. 97. Zurück zum Haupttext.

68

Braun 1, S. 268-270.Zurück zum Haupttext.

69

Franz Nr. 180 und 185. Vgl. dort auch Nr. 179 und 189 über alpine Höfe, die wüst fielen, deren Bewirtschaftung aber rasch wieder aufgenommen wurde.Zurück zum Haupttext.

70

Rösener bei Patze 2, S. 152; Ruppert S. 206.Zurück zum Haupttext.

71

Ganahl bei Mayer, Adel S. 138; ChdSt 4, S. 67; danach Burkhard Zink, ChdSt 5, S. 26.Zurück zum Haupttext.

72

Haupt S. 82. Stenzel S. 388f. und 423.Zurück zum Haupttext.

73

ChdSt 7, S. 261; dazu Neuß S. 273f. Zurück zum Haupttext.

74

MGH SS 14, S. 440.Zurück zum Haupttext.

75

Lorenz Fries bei Wagner/Ziegler 3, S. 150.Zurück zum Haupttext.

76

MGH Deutsche Chroniken 6, S. 231.Zurück zum Haupttext.

77

Ulbrich S. 51f.Zurück zum Haupttext.

78

Franz Nr. 124; Rapp S. 43.Zurück zum Haupttext.

79

Bernouilli S. 384; Gilomen S. 163f.Zurück zum Haupttext.

80

Epperlein, Bauernbedrckung S. 92, 100.Zurück zum Haupttext.

81

Hoffmann, Agrarkrise S. 249, 264f.Zurück zum Haupttext.

82

Lohrmann bei Patze 1, S. 234f.Zurück zum Haupttext.

83

Franz Nr. 190.Zurück zum Haupttext.

84

ChdSt 5, S. 192f.Zurück zum Haupttext.

85

Epperlein, Bauernbedrückung S. 42; Illemann S. 40f.Zurück zum Haupttext.

86

Sandberger S. 250, 373.Zurück zum Haupttext.

87

Epperlein, Bauernbedrückung S. 68, 98.Zurück zum Haupttext.

88

Rubner S. 440; Braun 1, S. 256f.Zurück zum Haupttext.

89

Kölner Weltchronik in: MGH SS rerum Germanicarum N.F. 15, S. 64.Zurück zum Haupttext.

90

MGH SS rerum Germanicarum N.F. 13, S. 536.Zurück zum Haupttext.

91

MGH SS rerum Germanicarum N.F. 11, S. 124; dort S. 96-99 schon über die Verwüstungen bei den Türkeneinfällen 1478.Zurück zum Haupttext.

92

Vischer/Boos 3, S. 52, 153; Studer S. 128.Zurück zum Haupttext.

93

so Trithemius bei Schlegel S. 225.Zurück zum Haupttext.

94

so Schilling bei Tobler 1, S. 17.Zurück zum Haupttext.

95

Patze bei Patze 1, S. 287-292.Zurück zum Haupttext.

96

Jäger, Wüstungsforschung S. 201.Zurück zum Haupttext.

97

Jänichen bei Mayer, Landgemeinde S. 180; Jäger, Wüstungsforschung S. 202 weist auf ältere Forschungen aus anderen Gegenden mit einem ähnlichen Ergebnis hin; vgl. auch Schröder-Lembke S. 10.Zurück zum Haupttext.

98

Bader 3, S. 257f. auch mit anderen Beispielen.Zurück zum Haupttext.

99

Balzer S. 71-78f.Zurück zum Haupttext.

100

Störmer, Probleme S. 152f.Zurück zum Haupttext.

101

Mersiowsky bei Andermann/Johanek S. 278.Zurück zum Haupttext.

102

Epperlein, Waldnutzung S. 34.Zurück zum Haupttext.

103

Timm S. 47f.Zurück zum Haupttext.

104

Bader 1, S. 30; Engel/Zientara S. 242; Schirmer, Das Amt S. 47.Zurück zum Haupttext.

105

Rödel/Schöffler S. 148, 166, 199.Zurück zum Haupttext.

106

Ulbrich S. 46.Zurück zum Haupttext.

107

Braun 1, S. 280; dort S. 279 und 2, S. 33 auch Zeugnisse von Abgabenreduktion wegen Abwanderungsgefahr.Zurück zum Haupttext.

108

Ulbrich S. 50f.; Burmeister S. 177.Zurück zum Haupttext.

109

Stahleder S. 177, 241f. mit einer systematischen Auswertung Bertholds zu dem Thema; aus der weiteren Literatur: Tischler S. 92 und Ebner, in: Bäuerliche Sachkultur S. 96.Zurück zum Haupttext.

110

Rösener bei Patze 2, S. 153.Zurück zum Haupttext.

111

Prange bei Patze 1, S. 546f.Zurück zum Haupttext.

112

Wopfner Nr. 195 Zurück zum Haupttext.

113

Franz Nr. 181, 207.Zurück zum Haupttext.

114

Gesta Treverorum c. 258 bei Zens 6, S. 21.Zurück zum Haupttext.

115

Engel/Zientara S. 81, 376.Zurück zum Haupttext.

116

Ahn S. 80f.Zurück zum Haupttext.

117

Willoweit, Gebot und Verbot S. 112f.; Arnold, Dorfweistümer S. 866.Zurück zum Haupttext.

118

Arnold, Niklashausen S. 315.Zurück zum Haupttext.

119

Abel bei Aubin-Zorn S. 302; Rückert S. 131.Zurück zum Haupttext.

120

Rödel/Rückert S. 270.Zurück zum Haupttext.

121

Jäger, Kulturlandschaft S. 113.Zurück zum Haupttext.

122

Braun 1, S. 79 und 248.Zurück zum Haupttext.

123

Hopfenzitz S. 81f.Zurück zum Haupttext.

124

Neuß S. 238.Zurück zum Haupttext.

125

Abel, Wüstungen S. 167.Zurück zum Haupttext.

126

Jäger, Wüstungsforschung S. 228.Zurück zum Haupttext.

127

Janssen S. 87.Zurück zum Haupttext.

128

Jänichen bei Mayer, Landgemeinde S. 183; er meint aber, der daraus resultierende Wq von 51 sei viel niedriger als der "Landesdurchschnitt", der über 70 gelegen habe, was nicht nachvollziehbar ist.Zurück zum Haupttext.

129

Franz Nr. 149.Zurück zum Haupttext.

130

Rödel/Sprandel S. 162.Zurück zum Haupttext.

131

Bauernfeind S. 143f.Zurück zum Haupttext.

132

Klein, Beiträge S. 60.Zurück zum Haupttext.

133

Rubner S. 441, 444f.Zurück zum Haupttext.

134

Rösener bei Patze 2, S. 142.Zurück zum Haupttext.

135

Escher S. 89 Zurück zum Haupttext.

136

Engel/Zientara S. 63-65, 341. An dem Buch stört, daß die Autoren jeweils über das Gebiet des anderen abweichende Zahlen nennen. Hier werden naturgemäß die von Engel über die Altmark und die von Zientara über die Uckermark vorgezogen.Zurück zum Haupttext.

137

Schaab bei Patze 2, S. 67.Zurück zum Haupttext.

138

Militzer S. 62,66.Zurück zum Haupttext.

139

Rösener bei Patze 2, S. 143.Zurück zum Haupttext.

140

Hoffmann, Agrarkrise S. 218f.Zurück zum Haupttext.

141

Gilomen S. 197, 225f.Zurück zum Haupttext.

142

Schirmer, Amt S. 208f.Zurück zum Haupttext.

143

Jäger/Scherzer. Ähnlich die Menzer Heide östlich Rheinsberg, Escher S. 89; über Schwaben: Jänichen bei Mayer, Landgemeinde S. 205-209.Zurück zum Haupttext.

144

Meyer, Schafzucht S. 15f.Zurück zum Haupttext.

145

Militzer S. 70f.; Jänichen, Landesplanung.Zurück zum Haupttext.

146

Wopfner Nr. 225.Zurück zum Haupttext.

147

Timm S. 19, 31; Sprandel, in: La Lana S. 102.Zurück zum Haupttext.

148

Morsel, La noblesse S. 266f.; Zmora S. 56f.Zurück zum Haupttext.

149

Lorenz Fries bei Wagner/Ziegler 4, S. 204; dazu Wendehorst, Bistum Würzburg 3, S. 12: "aus nichtigem Anlaß". Zurück zum Haupttext.

150

Kuchenbuch S. 169; Jänichen bei Mayer, Landgemeinde S. 216; Lamprecht 3, S. 270.Zurück zum Haupttext.

151

Braun 1, S. 141f.Zurück zum Haupttext.

152

Diemar S. 464.Zurück zum Haupttext.

153

Bauernfeind S. 154.Zurück zum Haupttext.

154

Jänichen Beiträge S. 88f. Zurück zum Haupttext.

155

Braun 2, S. 44.Zurück zum Haupttext.

156

Sprandel, Malvasia S. 89-117.Zurück zum Haupttext.

157

Volk S. 94f., 170-172.Zurück zum Haupttext.

158

Stadtarchiv Würzburg, Ratsprotokoll 6, f. 228r.Zurück zum Haupttext.

159

Epperlein, Bauernbedrückung S. 128.Zurück zum Haupttext.

160

Braun 1, S. 269.Zurück zum Haupttext.

161

Engel/Zientara S. 341, 362.Zurück zum Haupttext.

162

Leiser bei H. K. Schulze S. 12f.Zurück zum Haupttext.

163

Spieß bei Patze 1, S. 199f.; Vasarhelyi bei Maschke/Sydow S. 146.Zurück zum Haupttext.

164

Endres bei Blickle S. 101-117.Zurück zum Haupttext.

165

Haase S. 5, 74, 105, 143f.Zurück zum Haupttext.

166

Tischler S. 71.Zurück zum Haupttext.

167

Maulhardt S. 27.Zurück zum Haupttext.

168

Tischler S. 70.Zurück zum Haupttext.

169

Wittmann Nr. 238.Zurück zum Haupttext.

170

MB 6, Nr. 100, S. 272f.; Sandberger S. 231ff., 376.Zurück zum Haupttext.

171

Ulbrich S. 223.Zurück zum Haupttext.

172

Kaak S. 98.Zurück zum Haupttext.

173

Zotz bei Patze 2, S. 216; Spieß bei Patze 1, S. 193; Rösener bei Patze 2, S. 150.Zurück zum Haupttext.

174

Abel, Wüstungen S. 69; ähnlich St. Märgen im Schwarzwald, vgl. Ulbrich S. 203f. und Michelsberg in Franken, vgl. Braun 1,S. 268-270.Zurück zum Haupttext.

175

Ulbrich S. 265f.; eine Selbstverpflichtung für St. Georgen von 1396 bei Wopfner Nr. 252.Zurück zum Haupttext.

176

Epperlein, Bauernbedrückung S. 149.Zurück zum Haupttext.

177

Sablonier S. 235.Zurück zum Haupttext.

178

Weiss S. 50.Zurück zum Haupttext.

179

Wopfner Nr. 235; Franz Nr. 212; dazu Nr. 241 S. 599; Fehn S. 15f.; Lamprecht 3, S. 299.Zurück zum Haupttext.

180

Braun 1, S. 265; Ulbrich S. 89.Zurück zum Haupttext.

181

Ulbrich S. 243.Zurück zum Haupttext.

182

Luginbühl 1, S. 246; Ulbrich S. 264; Vasarhelyi bei Maschke/Sydow S. 137.Zurück zum Haupttext.

183

Fritze, Bürger S. 23f.Zurück zum Haupttext.

184

Kießling S. 643.Zurück zum Haupttext.

185

Sprandel, Grundlinien S. 25-34; Sprandel, Überregionale Tendenzen S. 207-216.Zurück zum Haupttext.

186

Volk S. 140f.Zurück zum Haupttext.

187

Sabean S. 38,128.Zurück zum Haupttext.

188

Schirmer, Das Amt S. 29.Zurück zum Haupttext.

189

Klein, Bevölkerung S. 81; Quellen zur Steuer S. 6.Zurück zum Haupttext.

190

Fehn S. 127, 185. Allerdings liegen nur von sieben der neun Orte Zahlen vor, und in zwei der sieben Orte beruhen die Ergebnisse auf Auswertung von Flurplänen.Zurück zum Haupttext.

191

Thiele S. 498; über ähnliche Äußerungen von Sebastian Franck 1530 vgl. Sabean S. 37.Zurück zum Haupttext.