Stolpersteine in Aschaffenburg


Erste Verlegung 2008


Am 20. September 2008 verlegte der Künstler Gunter Demnig in Aschaffenburg die ersten 23 Stolpersteine zur Erinnerung an Opfer des Holocaust und des nationalsozialistischen Terrorregimes in den Boden vor den Häusern, in denen die Opfer ihren letzten selbst gewählten Wohnsitz hatten. Zahlreiche Bürger sowie eine Gruppe ehemaliger jüdischer Aschaffenburger und deren Angehörige, die – aus allen Teilen der Welt kommend – zu einem Besuch der alten Heimat in der Stadt weilten, nahmen an dem Ereignis teil. „Aschaffenburg macht es sich nicht leicht mit der Aufarbeitung der NS-Verbrechen“, stellte Oberbürgermeister und Schirmherr Klaus Herzog fest, der sich für das Zustandekommen der Aktion Stolpersteine eingesetzt hatte.

Die Aktion begann mit der Verlegung der ersten sieben Steine vor dem Haus Nr. 39 in der Herstallstraße. Dieses Haus war 1942 Schauplatz eines ungewöhnlichen und erschütternden Ereignisses. Hier wohnten der hoch angesehene und sozial engagierte Aschaffenburger Bankier Otto Wolfsthal mit seiner Frau Maria und ihrer Hausgehilfin Karolina Isaak. Unmittelbar vor der für den 9. September angesetzten Deportation nach Theresienstadt versammelten sich bei den Wolfsthals: Babette Dilsheimer, die Mutter von Otto Wolfsthals Schwägerin, Ida Hamburger und Emma Trier, deren verstorbene Gatten Geschäftspartner und Freunde Wolfsthals gewesen waren, sowie der Geschäftsmann Max Levi, Mitinhaber des Textilgeschäfts Hamburger in der Steingasse.

Durch die Einnahme von Veronal setzten sie ihrem ausweglos gewordenen Dasein gemeinsam ein Ende und entkamen so Deportation und Ermordung durch die Nationalsozialisten. „Flucht in den Tod – 7. 9. 1942“ ist in die sieben Stolpersteine eingraviert, die an das tragische Geschehen in diesem Haus erinnern.

Weitere 16 „Steine“ wurden an diesem Tag vor folgenden Häusern verlegt:
Platanenallee 5 (zwei Steine), Bustellistraße 10 (drei Steine), Riesengasse 11 (vier Steine), Riesengasse 4 (fünf Steine), Steingasse 2 (zwei Steine) und Schillerstraße 68 (ein Stein).

Mit Ausnahme des letzten an diesem Tag in der Schillerstraße im Stadtteil Damm verlegten erinnern alle Steine an jüdische Opfer des Holocaust. Der Stein vor dem Haus Schillerstraße 68 (früher: Schulstraße 31) ist dem Gedenken an Julius Stenger (Jahrgang 1877) gewidmet, einem den Sozialdemokraten nahestehenden Kaufmann und Eigentümer des Hauses. Er wurde von einer Wohnungsmieterin bei der Gestapo wegen des Hörens ausländischer Radiosender (von den Nazis „Feindsender“ genannt) denunziert und am 3.Oktober 1940 verhaftet. In einer Verhörpause im Polizei-Quartier im Aschaffenburger Schloss stürzte Stenger aus dem 2. Stock in den Schlossgraben und war sofort tot. Der vernehmende Beamte gab an, Stenger habe Selbstmord begangen. Sein Sprung aus dem Fenster habe nicht verhindert werden können. Ursache seines Freitodes könne „nur in seiner krankhaften Veranlagung die Ursache haben“, stellte die Gestapo fest.


Zweite Verlegung 2009


1931 feierte die Presse den Aschaffenburger Staatsanwalt Meier Kahn als „Helden von Aschaffenburg“. Getarnt als Kunstliebhaber, hatte er den größten Teil der Beute eines aufsehenerregenden Kunstdiebstahls aus dem Aschaffenburger Schlossmuseum wiederbeschafft, darunter Radierungen von Rembrandt. Er erhielt eine Belohnung und wurde befördert. Schon kurze Zeit danach galt das alles nichts mehr. Ab 1935 erteilten ihm die Nationalsozialisten Berufsverbot. Gipfel des Zynismus: Als Vorsitzender der jüdischen Gemeinde musste er bei der Exekution der gegen seine Glaubensgenossen gerichteten Unrechtsgesetze mitwirken. 1939 gelang es ihm und seiner Frau Lilly, den einzigen Sohn Robert auf einen der letzten Kindertransporte ins rettende London zu schicken. 1942 wurden Meier Kahn und seine Frau nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Bei der zweiten Stolperstein“-Verlegung am 17. März 2009 in Aschaffenburg durch den Künstler Gunter Demnig wurden für das Ehepaar Meier Kahn vor dem Haus Schwindstraße 2 (früher: Jahnstraße 2) und für weitere 21 Opfer des Holocaust und des nationalsozialistischen Terror-Regimes 23 Steine an elf Stellen im Stadtgebiet verlegt: Steingasse 14 (ein Stein), Badergasse 9 (ein Stein), Goldbacher Straße 3 (zwei Steine), Frohsinnstraße 9 (zwei Steine), Fabrikstraße 4 (zwei Steine), Fabrikstraße 12 (zwei Steine), Fabrikstraße 14 (drei Steine), Jahnstraße 9 (ein Stein), Friedrichstraße 11 (zwei Steine) und Elisenstraße 1 (drei Steine). Mit Ausnahme der letztgenannten drei Steine handelt es sich bei allen um Erinnerungen an ermordete jüdische Aschaffenburger. Nicht-jüdische Opfer waren Bernhard und Martha Krosse sowie Elisabeth Mill in der Elisenstraße 10. Sie fielen dem Wüten der nationalsozialistischen Willkürjustiz zum Opfer.

Bei der Deportation gingen die Behörden mit größter bürokratischer Genauigkeit vor. Kein Pfennig vom Vermögen der ausgeplünderten und verschleppten Opfer durfte dem Deutschen Reich verloren gehen. So wissen wir zum Beispiel, dass das Barvermögen von Johanna Mayer aus der Friedrichstraße 11 zum Zeitpunkt der Deportation 1942 genau 405,04 Reichsmark betrug. Zurück blieben ferner 20 Kilo Kartoffeln im Keller. Vermerkt ist zudem: Kein Mantel vorhanden.

Frank Sommer


Liste der Stolpersteine


Baitel, Glicka, geb. Fuld
geb. 1869 deportiert 1942 nach Theresienstadt, ermordet im Osten

Bamberger, Regine, geb. Schlachter
geb. 1880 in Braunsbach (Baden-Württemberg)
Nach Aufenthalten in Nürnberg und Gambach seit Anfang der 30er Jahre wohnhaft in Aschaffenburg. Ehemann Jakob, Direktor eines Schulinstituts, gest. 1933. Sohn Manfred: 1940 Ausreise in die USA. Regine Bamberger wurde 1942 deportiert und ermordet (genaue Daten unbekannt).

Baumann, Jakob
geb. 1873 in Gemünden/Main (Bayern)
1938 zusammen mit Ehefrau Amalie, geb. Strauß, nach Aschaffenburg, Riesengasse 11 verzogen. Amalie Baumann gest. 22. November 1940 (Altstadtfriedhof). Jakob Baumann am 9. September 1942 deportiert ins KZ Theresienstadt, dort gest. am 3. Juni 1943.

Baumann, Berta, geb. Löwenthal
geb. 1984 in Hösbach bei Aschaffenburg (Bayern)
verheiratet mit Benno Baumann (geb. 18.2. 1899 Mittelsinn), ausgewandert in die USA am 19. Februar 1940. Kinder Werner (geb. 1926 Nürnberg) und Inge (geb. 1930 Aschaffenburg). Berta Baumann wurde mit den Kindern Werner (15) und Inge (11) am 23. April 1941 nach Krasniczyn deportiert und ermordet.

Baumann, Inge
geb. 1930 in Aschaffenburg (Bayern)
siehe Baumann, Berta

Baumann, Werner
geb. 1926 in Nürnberg (Bayern)
siehe Baumann, Berta

Bronne, Dina
geb. 1870 in Rommersheim-Eichloh (Rheinland-Pfalz)
siehe Weil, Rosa

Cohn, Emma, geb. Krämer
geb. 1867
deportiert 1942 nach Theresienstadt, ermordet in Treblinka

Dillenberger, Max
geb. 1889 in Urspringen bei Marktheidenfeld (Bayern)
Betrieb in Aschaffenburg eine koschere Metzgerei, die 1939 geschlossen wurde. Vater Bernhard und Mutter Betty gest. 1939 bzw. 1936 in Aschaffenburg. Max Dillenberger wurde im April 1942 zusammen mit Ehefrau Gitta sowie den Kindern Heinz (18) und Marga (15) nach Krasniczyn deportiert und ermordet.

Dillenberger, Gitta, geb. Gerson
geb. 1892 in Mittelsinn bei Gemünden (Bayern)
siehe Dillenberger, Max

Dillenberger Heinz
geb. 1924 in Urspringen bei Markheidenfeld (Bayern)
siehe Dillenberger Max

Dillenberger, Marga
geb. 1927 in Urspringen bei Markheidenfeld (Bayern)
siehe Dillenberger, Max

Dilsheimer, Babette, geb. Weil
geb. 1864 in Baiersdorf bei Erlangen (Bayern)
Ehemann Oskar Dilsheimer, gest. 1935 (Partner in der Bank Otto Wolfsthals). Flucht in den Tod 9. September 1942.
siehe Wolfsthal, Otto

Ehrlich, Aenne
geb.1931
deportiert 1942 nach Krasnyczin, ermordet im Osten

Ehrlich, Bronja, geb. Baitel
geb. 1899
deportiert 1942 nach Krasnyczin, ermordet im Osten

Ehrlich, Sigmund
geb. 1934
deportiert 1942 nach Krasnyczin, ermordet im Osten

Emanuel, Klara
geb.1894
deportiert 1942 nach Krasnyczin, ermordet im Osten

Feldmann, David
geb. 1881
deportiert 1942 nach Krasnyczin, ermordet im Osten

Feldmann, Maier
geb. 1884
deportiert 1942 nach Krasnyczin, ermordet im Osten

Frank, Bernhard
geb. 1882 deportiert 1942 nach Krasnyczin, ermordet im Osten

Frank, Selma
geb. 1914
deportiert 1942 nach Krasnyczin, ermordet im Osten

Freund, Irene
geb. 1900
deportiert 1942 nach Krasnyczin, ermordet

Gerson, Mina, geb. Gundersheimer
geb. 1865
deportiert 1942 nach Theresienstadt. ermordet in Treblinka

Gerson Sophie
geb. 1897
deportiert 1942 nach Krasnyczin, ermordet

Grünebaum, Alice, geb. Thurnauer
geb. 1890
deportiert 1942 nach Krasnyczin, ermordet

Grünebaum, Leopold-Louis
geb. 1878
deportiert 1942 nach Krasnyczin, ermordet

Haab, Mathias
geb. 1896
Unrechtsurteil 1944, enthauptet 1944 in München

Hamburger, Ida
geb. 1876 in Aschaffenburg (Bayern)
Freundin der Familie Wolfsthal. Flucht in den Tod 9. September 1942.
siehe Wolfsthal, Otto

Isaac, Lina
geb. 1876 in Sprendlingen bei Offenbach (Hessen)
Hausgehilfin bei Otto und Maria Wolfsthal, Flucht in den Tod am 9. September 1942.
siehe Wolfsthal, Otto

Jacob, Berta, geb. Löb
geb. 1896
deportiert 1942 nach Theresienstadt. ermordet in Auschwitz

Jacob, Norbert
geb. 1897
deportiert 1942 nach Theresienstadt, ermordet in Auschwitz

Kahn, Bella, geb. Löwenthal
geb. 1892 in Hösbach bei Aschaffenburg (Bayern)
Bella Kahn und ihr Sohn Gustav wurden am 23. April 1942 nach Krasniczyn deportiert und ermordet.
siehe Kahn, Gustav

Kahn, Gustav
geb. 1934 in Gräfenhausen bei Darmstadt (Hessen)
Sohn von Bella Kahn
Siehe Kahn, Bella

Kahn, Meier
geb. 1886 in Mittelsinn bei Gemünden (Bayern)
Staatsanwalt in Aschaffenburg. Ehefrau Lilly. Meier Kahn war 1932 maßgeblich an Wiederbeschaffung der Beute eines spektakulären Kunstraubs aus dem Aschaffenburger Schlossmuseum (darunter Radierungen von Rembrandt) beteiligt („Held von Aschaffenburg“). Wert der Beute: mehrere Millionen RM. Belohnung und Beförderung. Meier Kahn und Ehefrau Lily 1942 deportiert von Würzburg am 17. Juni 1943 ins KZ Auschwitz, ermordet.

Kahn, Lilly, geb. Stern
geb. 1900 in Schlüchtern/Kinzig (Hessen)
Deportiert von Würzburg am 17. Juni 1943 ins KZ Auschwitz ermordet am 24. 10. 1944
siehe Kahn, Meier

Kaufmann, Berta
geb. 1880 in Warstein (Niedersachsen)
Zog 1939 nach Aschaffenburg zu ihrer Schwägerin Ida Kaufmann, geb. Borgzinner (gest. 1939 in Aschaffenburg). Am 9. September 1942 deportiert ins KZ Theresienstadt, von dort am 18. April 1944 deportiert ins KZ Auschwitz, ermordet. Vor Deportation ins KZ Theresienstadt wie alle anderen dorthin Deportierten zum Abschluss eines „Heimkaufvertrags Theresienstadt“ gezwungen (RM 13.806, 80). Barvermögen zum Zeitpunkt der Deportation: RM 475.00; davon an das Deutsche Reich bezahlt („Abwanderungskosten“): RM 75.00.

Krosse, Bernhard
nichtjüdisches Opfer des Nationalsozialismus
geb. 1883 in Zeitz (Sachsen-Anhalt)
Ehefrau Marta, Gewerkschafter und Sozialdemokrat (bis zum Verbot Kassier der Aschaffenburger SPD). Unter anderem wegen Hörens „staatsfeindlicher Sender“ (englischer Rundfunk), Anklage beim „Volksgerichtshof“ (Berlin). Hingerichtet, Unterlagen über den Prozess und Informationen über genauen Zeitpunkt und Umstände seines Todes in der Haft nicht verfügbar.

Krosse, Martha, geb.
geb. 1887 in Reuden bei Zerbst (Sachsen-Anhalt)
nichtjüdisches Opfer des Nationalsozialismus
Ehefrau von Bernhard Krosse, 1938 wegen illegaler Schwangerschaftsunterbrechung zu 14 Monaten Zuchthaus verurteilt. Nach Entlassung aus der Haft Deportation ins KZ Auschwitz. Ermordet am 18. März 1943.

Levi, Max
geb. 1875 in Affaltrach bei Heilbronn (Baden-Württemberg)
Mitinhaber des Textilgeschäfts Hamburger (Steingasse), Freund der Familie Wolfsthal. Flucht in den Tod 9. September 1942.
siehe: Wolfsthal, Otto

Lewald, Siegfried
geb. 1893 in Homburg/Main (Bayern)
Ehefrau Käthe, geb. Weißenberg aus Nicolai (Polen). Betrieb eine Metall- Großhandlung mit Warenlager am Südbahnhof in Aschaffenburg. Tod der Mutter (1924) und des Vaters (1940) in Aschaffenburg. 1932 Geburt der Tochter Roselore, diese 1939 mit Kindertransport nach London entkommen. 1936 Geburt des Sohnes Hans Georg. Siegfried Lewald und Ehefrau Käthe mit Sohn Hans Georg (6) im April 1942 nach Krasniczyn deportiert und ermordet.
Siegfried Lewald war Vorstandsmitglied im „Reichsbund jüdischer Frontsoldaten“, der die Erinnerung an den Einsatz deutscher jüdischer Soldaten im Ersten Weltkrieg pflegte.

Lewald, Käthe, geb. Weißenberg
geb. 1907 in Nicolai (Polen)
siehe Lewald, Siegfried

Lewald, Hans Georg,
geb. 1936 in Aschaffenburg (Bayern)
siehe Lewald, Siegfried Löwenthal, Julius
geb. 1896 in Hösbach bei Aschaffenburg
Beruf: Metzger. Ehefrau Rosa, geb. Baumann (Heirat 1925 in Aschaffenburg). Geburt der Söhne Walter (1926) und Benno (1927). Julius und Rosa Löwenthal mit Sohn Walter (16) und Benno (15) 1942 deportiert nach Krasniczyn, ermordet.

Liebmann, Betty, geborene Westheimer deportiert 1942 nach Krasnyczin, ermordet

Löwenthal, Rosa, geb. Baumann
geb. 1902 in Mittelsinn bei Gemünden (Bayern)
siehe Löwenthal, Julius

Löwenthal, Benno
geb. 1927 in Aschaffenburg (Bayern)
siehe Löwenthal, Julius

Löwenthal, Walter
geb. 1926 in Aschaffenburg (Bayern)
siehe Löwenthal, Julius

Löwenthal, Adolf
geb. 1891 in Hösbach bei Aschaffenburg (Bayern)
Betrieb einen Vieh- und Pferdehandel in der Platanenallee. Am 10. November 1938 in der reichsweiten Pogromnacht kurzzeitig verhaftet (sein Bruder Ludwig im Schlafzimmer angeschossen). 18. Juni 1944 im KZ Theresienstadt verstorben.

Löwenthal, Sofie, geb. Selig
geb. 1894 in Zeilitzheim bei Volkach (Bayern)
Am 23. Oktober 1944 in Auschwitz ermordet, Ehefrau von Adolf Löwenthal.
s. Löwenthal, Adolf

Mayer, Jacob
geb. 1879 in Hanau (Hessen)
Ehefrau Johanna, geb. Kaufmann. Betrieb ein Geschäft für Kurzwaren und Toilettenartikel bis 1939. Töchter Ruth, Margaret, Lotte und Hilde mit Kindertransport nach London entkommen. Jacob Mayer wurde mit Ehefrau Johanna am 23. April 1942 nach Krasniczyn deportiert und ermordet.

Mayer, Johanna, geb. Kaufmann
geb. 1883 in Hamburg (Hamburg)
siehe Mayer, Jacob

Mill, Elisabeth
nichtjüdisches Opfer des nationalsozialistischen Terrorregimes
geb. 1897 in Hummetroth bei Darmstadt (Hessen)
Von Untermieter wegen Verstoßes gegen „Heimtückegesetz“ (Beschimpfung des „Führers“ als „Lump und Bluthund“) denunziert, verhaftet am 27. Januar 1944. Am 21. Dezember 1944 vom „Volksgerichtshof“ in Berlin zum Tode verurteilt. Todesurteil vollstreckt durch Fallbeil in Berlin-Plötzensee am 26. Januar 1945.

Oestreicher, Markus
geb. 1869 in Aschaffenburg (Bayern)
Ehefrau Antonie. Beruf: Metzger (Steingasse 2), gest. am 17. Juli 1943 im KZ Theresienstadt. Tochter Anna 1936 nach Palästina, Sohn Hans Heinrich mit Ehefrau 1938 in die USA emigriert.
siehe Oestreicher, Antonie

Oestreicher, Antonie, geb. Roos
geb. 1878 in Offenbach (Hessen)
Frau von Markus Oestreicher. Am 15.3.1943 gest. im KZ Theresienstadt verstorben.
siehe Oestreicher, Markus

Rothschild, Jacob
geb. 1880 in Goldbach bei Aschaffenburg (Bayern)
Ehefrau Berta, 1893 nach Aschaffenburg übersiedelt. Besitzer des Herrenbekleidungsgeschäfts Solinger, Herstallstraße 35 in Aschaffenburg. In der Reichspogromnacht 1938 festgenommen, bis 5. Dezember Haft. Danach „Arisierung“ seines Geschäfts. Jacob und Berta Rothschild am 23. April 1942 nach Krasniczyn deportiert, ermordet.
siehe Rothschild, Berta

Rothschild, Berta, geb. Wetzler,
geb. 1882 in Aschaffenburg (Bayern)
siehe Rothschild, Jacob

Solinger, Else, geb. Silberstein
geb. 1884
deportiert 1942 nach Theresienstadt, ermordet 1943 in Auschwitz

Solinger, Max
geb. 1879
deportiert 1942 nach Theresienstadt, tot 1944 in Theresienstadt

Solinger, Sofie, geb. Strauß
geb. 1868 in Geroldshausen bei Würzburg (Bayern)
Lebte seit 1893 mit Ehemann Samson in Aschaffenburg. Samson gest. 1940 in Aschaffenburg. Tochter Karoline geb. 1897, Aschaffenburg. Sofie Solinger deportiert ins KZ Theresienstadt, dort gest. 31. März 1943. Tochter Karoline am 23. April 1942 deportiert nach Krasniczyn, ermordet.

Solinger, Karoline
geb. 1897 in Aschaffenburg (Bayern)
siehe Solinger, Sofie

Stenger, Julius
nichtjüdisches Opfer des nationalsozialistischen Terrorregimes
geb. 1877 in Aschaffenburg (Bayern)
Beruf Kaufmann. Stand politisch den Sozialdemokraten nahe. 1940 von Mieterin seines Hauses (Schulstraße 31, Damm) bei Gestapo wegen Hörens von „Feindsendern“ denunziert und verhaftet (3. Oktober 1940). Nach Angabe vernehmender Gestapo-Beamter Freitod während Verhörpause durch Sprung aus Fenster der Gestapo-Dienststelle im Aschaffenburger Schloss.

Stern, Kathinka, geb. Adler
geb. 1880
deportiert 1942 nach Krasnyczin, ermordet

Strauss, Regina, geb. Strauß
geb. 1872 in Geroldshausen bei Würzburg (Bayern) Betrieb zusammen mit Ehemann Isidor eine Metzgerei in der Steingasse in Aschaffenburg. Isidor gest. 2. Februar 1933 in Aschaffenburg (Altstadtfriedhof). Regina Strauß am 9. September 1942 deportiert in KZ Theresienstadt; von dort im Mai 1944 deportiert ins KZ Auschwitz, ermordet.

Trier, Emma, geb. Mayer
geb. 1865 in Rastatt (Baden-Württemberg)
Freundin der Familie Wolfsthal. Flucht in den Tod 9. September 1942.
siehe Wolfsthal, Otto

Weil, Rosa, geb. Bronne
geb. 1876 in Rommersheim-Eichloh (Rheinland-Pfalz)
Seit 1908 Hutgeschäft in Aschaffenburg zusammen mit Schwester Dina Bronne Rosa Weil und Dina Bronne am 9. September 1938 ins KZ Theresiensatdt deportiert. Von dort am 29. September 1942 Deportation ins KZ Treblinka, beide ermordet.
siehe Bronne, Dina

Wolfsthal, Otto
geb. 1870 in Bamberg (Bayern)
Ehefrau Maria, geb. Schrag. Otto Wolfsthal kam 1889 nach Aschaffenburg. Aufbau eines Bankhauses zusammen mit Onkel Raphael Wolfsthal. Hoch angesehener Bürger der Stadt, sozial engagiert, Stiftung zugunsten minderbemittelter Wöchnerinnen, 1915 Stiftung des ersten öffentlichen Röntgengerätes in Aschaffenburg. Otto Wolfsthal, seine Frau Maria, die Haushaltsgehilfin Karolina Isaac und fünf Freunde der Familie (Ida Hamburger, Lina Isaac, Emma Trier, Max Levi), entzogen sich am 9. September 1942 in ihrer Wohnung in der Herstallstraße 39 der Deportation in das Konzentrationslager Theresienstadt gemeinsam durch Flucht in den Tod (Einnahme von Schlafmitteln). Gemeinsames Grab auf dem jüdischen Friedhof am Erbig.

Wolfsthal, Maria, geb. Schrag
geb. 1879 in Bruchsal (Baden-Württemberg)
siehe Wolfsthal, Otto


Chronik


10. November 2003
Die Fraktionsgemeinschaft Grüne/Kommunale Initiative (KI) beantragt im Stadtrat die Teilnahme Aschaffenburgs an der Aktion Stolpersteine.

8. Januar 2004
Der Förderkreis Haus Wolfsthalplatz spricht sich für die Beteiligung an der Aktion Stolpersteine aus.

3. Mai 2004
Der Stadtrat berät über den Antrag der Fraktionsgemeinschaft Grüne/KI. Das Thema wird vertagt; es soll zunächst fraktionsintern beraten werden.

Sommer 2006
Die Stadtverwaltung bittet alle im Stadtrat vertretenen Fraktionen und Gruppen um Stellungnahme. Ergebnis: CSU und SPD sprechen sich gegen den Antrag der Fraktionsgemeinschaft Grüne/KI aus, UBV und FDP dafür.

16. Oktober 2006
Der Ältestenrat beauftragt die Verwaltung, zum Thema Stolpersteine die Stellungnahmen des katholischen und evangelischen Dekanats und der jüdischen Gemeinde Würzburg einzuholen.

8. November 2006
Für die jüdische Gemeinde Würzburg spricht sich deren Vorsitzender Dr. David Schuster für die Aktion aus.

November 2006
Das katholische wie das evangelische Dekanat lehnen die Stolpersteine ab. Die Diskussion spiegelt die unterschiedlichen Positionen zu den Stolpersteinen wider, wie sie sich unter anderem in den Personen von Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland (ablehnend) auf der einen und zahlreichen Befürwortern auf der anderen Seite zeigt. Die Breitenwirkung der Aktion überzeugt am Ende auch die Skeptiker.

Oktober 2007
Der Kultur- und Schulausschuss des Stadtrates spricht sich mit den Stimmen aller im Stadtrat vertretenen Parteien und Gruppen für die Teilnahme der Stadt an der Aktion aus. Oberbürgermeister Klaus Herzog übernimmt die Patenschaft.

20. September 2008
Günter Demnig verlegt die ersten 24 Stolpersteine in Aschaffenburg

17. März 2009
Weitere 21 Stolpersteine werden verlegt.

26. April 2010
Weitere 13 Stolpersteine werden verlegt

27. Juni 2011
Weitere neun Stolpersteine werden verlegt

Spendenaufruf

Die Finanzierung der Stolpersteine erfolgt ausschließlich durch Übernahme von Patenschaften und durch Spenden von Bürgern, Institutionen oder Unternehmen. Die Patenschaftsgebühr beträgt 95 Euro pro Stein.

Natuürlich sind auch kleinere Beträge als Spenden willkommen.

Überweisungen bitte auf das Konto: Förderkreis »Haus Wolfsthalplatz«
Kto.nr. 426 874 bei der
Sparkasse Aschaffenburg-Alzenau
BLZ 795 500 00
Verwendungszweck: »Stolpersteine«

Verzeichnis

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