zur Navigation

Internetportal Historisches Unterfranken

Datenbank zur Hohen Registratur des Lorenz Fries

In dieser Seite navigieren.

Leitung des Projekts: Benjamin Heidenreich

Mitarbeiter:

Prof. Dr. Stefan Petersen (Leitung von 2007 - 2015)
Hannah Hien geb. Keß (2007-2009)
Benjamin Heidenreich (seit 2008)
Monika Riemer (2009)
Ferhat Bilgin (2011-2014)
Marco Götz (2011-2014)
Johannes Köhler (seit 2016)

Technische Umsetzung und Webimplementierung: Marco Eschenweck

Handschriftendigitalisierung: Würzburger Digitalisierungszentrum

„Die Hohe Registratur des Lorenz Fries”

Unter den Signaturen „Standbuch 1011, 1012 und 1014” verwahrt das Staatsarchiv Würzburg drei eindrucksvolle Folianten, die als drei Teile einer Hohen Registratur tituliert werden. Der erste Band umfasst 452, der zweite 579 und der dritte 128 beschriebene Papierblätter. Gegliedert sind die Einträge nach dem Alphabet (Band 1: A-K; Band 2: L-S, Band 3: T-Z). Die Stichworte behandeln Personen (meist fränkische Adelige, aber auch landesherrliche Nachbarn wie die Wittelsbacher oder die Wettiner), Orte (vor allem die Städte und Dörfer des Hochstifts Würzburg) und Sachhinweise (etwa zum Gericht, zur Münze oder zum Marschallamt). Vorangestellt ist der Hohen Registratur ein Verzeichnis der Buchere, sovil derselben von alterhere bis vf dise zeit vnd stunde in der wirtzburgischen furstlichen Cantzlei gemacht vnd vorhanden sein, nach Ordnung des ABC. Damit sind die Serien der in der Kanzlei des Hochstifts Würzburg befindlichen Amtsbücher angesprochen, die Abschriften von Urkunden und Briefen sowie Konzepte oder Überlegungen zu politischen Problemen enthalten. Gesondert ausgewiesen werden die Urkundenbestände, die im Randersackerer Turm auf dem Marienberg hoch über der Stadt in fünf Schränken und 119 Laden die Urkunden verwahrt wurden. Über diese Bestände bietet die Hohe Registratur ebenfalls ein Verzaichnus der schreine vnd behaltere, so vf Unser Lieben Frawenberg in dem gewelb stehen.

Sinn und Zweck der Hohen Registratur war es vor allem, das für eine gut funktionierende Verwaltung im frühmodernen Staat des 16. Jahrhunderts unabdingbare Herrschaftswissen zu Besitzungen und Rechten systematisch zu katalogisieren, um im Bedarfsfall schnell und adäquat agieren zu können. Dementsprechend finden sich in der Hohen Registratur auch zum weit überwiegenden Teil Verweise auf die in der bischöflichen Kanzlei beim Dom aufbewahrten und für das tägliche Geschäft der Hochstiftsverwaltung benutzen Amtsbücher, nicht aber auf die im bischöflichen Archiv im Randersackerer Turm auf dem Marienberg lagernden Originalurkunden.

Der Schöpfer der Hohen Registratur ist Lorenz Fries, der bedeutendste fränkische Geschichtsschreiber des 16. Jahrhunderts. Geboren 1489 bzw. 1491 in (Bad) Mergentheim als Sohn eines Gastwirts, immatrikulierte sich Lorenz Fries 1507 an der Universität Leipzig. Später studierte und lehrte er in Wien, Ingolstadt, Wittenberg und Freiburg. Als Sekretär, Kanzleischreiber, Archivar, Rat und Reichstagsgesandter diente Magister Lorenz Fries seit 1522 den drei Würzburger Fürstbischöfen Konrad von Thüngen (1519-1540), Konrad von Bibra (1540-1544) und Melchior Zobel von Giebelstadt (1544-1558). Fries trat dabei als jederzeit loyaler und unendlich fleißiger Mitarbeiter des fürstbischöflichen Herrschaftsapparates hervor und gewann zeitweise auch direkten Einfluss auf die Politik des Hochstifts. Durch seine langjährige Tätigkeit in Verwaltung und Politik des Hochstifts Würzburg sammelte er ein ungeheures Herrschaftswissen an, das er in der Hohen Registratur verarbeitete.

Seit Ende 2007 wird die Hohe Registratur am Lehrstuhl für Fränkische Landesgeschichte der Universität Würzburg in Form einer Datenbank erschlossen. Zunächst konnte die Datenbank durch eine zweijährige DFG-Anschubfinanzierung konzipiert und begonnen werden; seither arbeiten zwei studentische Hilfskräfte (a 20 Stunden) durch die freundliche Unterstützung des Bischöflichen Ordinariats Würzburg, des Bezirks Unterfranken sowie der Dieter Salch Stiftung Pro Universitate an dem Projekt.

Aufbau der Datenbank

Die zur Aufbereitung der Hohen Registratur konzipierte Datenbank ist entsprechend dem in der Abbildung dargestellten Schema aufgebaut:

Schaubild

Im Zentrum eines jeden Datensatzes steht ein von den Bearbeitern verfasstes Regest zu einem Eintrag der Hohen Registratur; geboten wird dabei ganz bewusst keine buchstabengetreue Transkription des Textes, da die jeweiligen Seiten der Hohen Registratur als Digitalisat beigegeben sind. Verknüpft ist das Regest mit sämtlichen dunkel eingefärbten Feldern. Zunächst sind hierbei drei Indices zu nennen, in denen sämtliche Orte und Personen identifiziert sowie die Inhalte verschlagwortet werden, die in dem entsprechenden Eintrag Erwähnung finden, und über die die Benutzer gezielt suchen können. Hinzu kommt das Stichwort, unter dem Fries oder seine Nachfolger den Eintrag verzeichneten, und das natürlich nicht immer mit einem der modernen Orts-, Personen- oder Sachbezüge übereinstimmen muss. Außerdem werden erfasst: die Seite, auf der der Eintrag in der Hohen Registratur zu finden ist, das Datum, soweit es sich um ein datierbares Ereignis oder eine Urkunde handelt, und die Schreiberhand, die den Eintrag verfasst hat. Darüber hinaus werden jeweils die Quellenverweise von Lorenz Fries und seinen Nachfolgern nach den Originalangaben der Hohen Registratur sowie der heutigen Archivsignatur angegeben. Als Zusatzinformation wird schließlich auch auf etwaige Editionen, Regestenwerke und Forschungsliteratur zu den einzelnen Einträgen verwiesen. Insgesamt wird somit versucht, die Struktur der Hohen Registratur im modernen Medium einer Datenbank möglichst originalgetreu nachzubilden, gleichzeitig aber den heutigen Benutzern eine umfassende Recherchemöglichkeit zu eröffnen und ein Informationsmedium zur Geschichte des Hochstifts Würzburg und Frankens zu bieten.

Kontakt und Bitte um Mitarbeit

Die Mitarbeiter des Datenbankprojekts sind stets bemüht, die große Menge der Informationen der Hohen Registratur gewissenhaft und sorgfältig in die Datenbank einzugeben. Dennoch sind aber natürlich Fehler unvermeidlich. Außerdem kann es sein, dass wichtige Informationen zu einem Eintrag (Archivsignaturen, Editionen, Literatur usw.) noch nicht aufgeführt sind. Um die Datenbank vervollständigen zu können, sind wir daher auf Ihre Mithilfe angewiesen. Wenn Sie Ergänzungen oder Hinweise zu einem Eintrag haben, freuen wir uns über eine E-Mail an: friesdatenbank@uni-wuerzburg.de.

Literatur zu Lorenz Fries und zur Hohen Registratur (in Auswahl):

Bauer, Christoph: Lorenz Fries. Sekretär und Historiograph der Bischöfe von Würzburg. In: Brendle, Franz/Mertens, Dieter u.a. (Hg.), Deutsche Landesgeschichtsschreibung im Zeichen des Humanismus (Contubernium. Tübinger Beiträge zur Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte 56) (Stuttgart 2001), S. 97-111.

Engel, Wilhelm: Art. Fries, Lorenz. In: NDB 5, S. 610f.

Engel, Wilhelm: Magister Lorenz Fries 1491-1550 (Würzburg 1951).

Flachenecker, Helmut: Beziehungen unter Herzögen. Spätmittelalterliche Ainungsbriefe zwischen den Bischöfen von Würzburg und dem Haus Bayern aus der Hohen Registratur des Lorenz Fries. In: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 68 (2005), S. 501-517.

Flachenecker, Helmut: Die Hohe Registratur des Lorenz Fries († 1550). In: Thumser, Matthias/Tandecki, Janusz: Editionswissenschaftliche Kolloquien 2005/2007: Methodik - Amtsbücher. Digitale Edition - Projekte (Turun 2008), S. 129-144.

Frenz, Thomas: Kanzlei, Registratur und Archiv des Hochstifts Würzburg im 15. Jahrhundert. In: Silagi, Gabriel: Landesherrliche Kanzleien im Spätmittelalter 1 (München 1984), S. 139-146.

Heiler, Thomas: Die Würzburger Bischofschronik des Lorenz Fries (gest. 1550). Studien zum historiographischen Werk eines fürstbischöflichen Sekretärs und Archivars (Würzburg 2001).

Keß, Hannah/Petersen, Stefan: Die Hohe Registratur des Lorenz Fries (1489-1550). Erfassung, Untersuchung und Edition eines Archivrepertoriums des 16. Jahrhunderts im Internet, in: Thomas Aigner/Stefanie Hohenbruck/Thomas Just/Joachim Kemper, Archive im Web. Erfahrungen, Herausforderungen, Visionen. Archives on the Web. Experiences, Challenges, Visions, St. Pölten 2011, S. 172-186.

Leesch, Wolfgang: Die deutschen Archivare 1500-1945. Bd. 2: Biographisches Lexikon (München u.a. 1992).

Mälzer, Gottfried: Magister Lorenz Fries (1489-1550). Geschichtsschreiber, fürstbischöflicher Rat, Geheimsekretär und Kanzlei-Vorstand zu Würzburg (Würzburg 1995).

Meyer, Otto: Der Magister Lorenz Fries. In: ders.: Varia Franconiae Historica. Aufsätze – Studien – Vorträge zur Geschichte Frankens Bd. 3 (Mainfränkische Studien 24/III) (Würzburg 1986), S. 1128-1147.

Petersen, Stefan: Von der Handschrift ins Internet. Das Datenbankprojekt ‘Die Hohe Registratur des Lorenz Fries’, in: Franz Fuchs/Stefan Petersen/Ulrich Wagner, Lorenz Fries und sein Werk. Bilanz und Einordnung, im Druck.

Rockinger, Ludwig: Magister Lorenz Fries zum fränkisch-wirtzburgischen Rechts- und Gerichtswesen. In: Abhandlungen der Historischen Classe der königlich bayerischen Akademie der Wissenschaften 11, 3 (1870), S. 149-254.

Schäffler, August/Henner, Theodor (Hrsg.): Die Geschichte des Bauern-Krieges in Ostfranken von Magister Lorenz Fries. 2 Bde. (Würzburg 1883).

Schäffler, August: Die "hohe Registratur" des Magisters Lorenz Fries. Eine Einleitung zu Publicationen aus derselben. In: Archiv des historischen Vereins für Unterfranken und Aschaffenburg 22 (1873), S. 1-32.

Schäffler, August: Erste Publication aus der "hohen Registratur": Magister Lorenz Fries zum fränkisch-wirzburgischen Münzwesen. In: Archiv für des historischen Vereins für Unterfranken und Aschaffenburg 22 (1873), S. 33-188.

Schäffler, August: Die Urkunden und Archivalbände des hochstiftisch wirzburgischen Archives im 16. Jahrhundert. In: Archivalische Zeitschrift 10 (1885), S. 141-157, und 11 (1886), S. 19-52.

Scherzer, Walter: Die Anfänge der Archive der Bischöfe und des Domkapitels zu Würzburg. In: Archivalische Zeitschrift 73 (1977), S. 21-40.

Scherzer, Walter: Die fürstbischöfliche Kanzlei zu Würzburg und der Weg von der Urkunde zu den Akten. In: Jahrbuch für fränkische Landesforschung 52 (1992), S. 145-152.

Specker, Hans Eugen: Die Kanzleiordnung Fürstbischof Julius Echters von 1574. Ein Beitrag zur Verwaltungsgeschichte des Hochstifts Würzburg. In: Würzburger Diözesangeschichts-blätter 35/36 (1974), S. 275-317.

Stolze, Wilhelm: Die Supplemente zu Magister Lorenz Fries Geschichte des Bauernkrieges in Ostfranken. In: Archiv für Reformationsgeschichte 5 (1907/8), S. 191-212.

Wagner, Ulrich/Ziegler, Walter (Hrsg.): Lorenz Fries. Chronik der Bischöfe von Würzburg 742-1495, 6 Bde. (Würzburg 1992-2004).

Wegele, Franz Xaver von: Art. Fries, Lorenz. In: ADB 8, S. 83f.

Weidisch, Peter: Lorenz Fries - eine biographische Skizze. In: Wagner, Ulrich (Hrsg.), Lorenz Fries (1489-1550). Fürstbischöflicher Rat und Sekretär. Studien zu einem fränkischen Geschichtsschreiber (Würzburg 1989), S. 23-43.

Wendehorst, Alfred: Lorenz Fries (1489-1550). In: Wendehorst, Alfred/Pfeiffer, Gerhard (Hg.): Fränkische Lebensbilder Bd. 12 (1986), S. 91-103.