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S. 107 (130) Landgericht Kissingen

Das "Erhard's Haus"

Dr. Erhard erbaute sich vor 1865 ein Haus jenseits der Saale an der Brückenstraße, das nach dem Adressbuch 1865 die Hs. Nr. 292 hatte. Dr. Erhard vermietete danach für Kurgäste 18 Zimmer und einen Salon, er ist im Adressbuch als "k. Hofrath, Bezirks- und Brunnenarzt" bezeichnet.

Im Adressbuch 1880 heißt die Straße dann "Garitzerstraße", sein Haus ist erstmals "Erhard's Haus" genannt. Im Adressbuch 1884, also 5 Jahre nach seinem Tod, erscheint unter der Hs. Nr. 395, Garitzerstraße 2, als neue Hauseigentümerin Margarethe Reuss. Im Adressbuch 1896 erscheinen als Hauseigentümer "Dr. Hofrath Erhard's Erben". Dies war juristisch insoweit korrekt, als Margarethe Reuss Vorerbin war. Nach dem Adressbuch 1903 hatte das "Erhard's Haus" die Straßenbezeichnung "Schönbornstraße" 2 erhalten. Als Eigentümerin ist noch immer die nunmehr verwitwete Margarethe Thieme-Wiedtmarkter, geborene Reuss, genannt. 1922 heißt das Haus noch immer "Erhard's Haus", als Eigentümerin ist jedoch Maria Pilartz registriert, die in einer späteren Ausgabe als "Geheime Kommissionsrathswitwe" bezeichnet ist. Sie war die Witwe des Kissinger Starphotographen Jacques Pilartz, der den Titel "Kommissionsrath" führte.

Die Familie Pilartz hatte offenbar 1912 das Haus für 118.000 M erworben. Nach dem Krieg ist 1956 als Hauseigentümer Ernst Pilartz genannt, der Name "Erhard's Haus" steht letztmals im Adressbuch 1936.

Das "Erhard's Haus" wurde zusammen mit dem östlich anschließenden eigentlichen "Haus Pilartz" leider anfangs der 80er Jahre für den Wohnblock Schönbornstraße 1 a-d abgebrochen.

Kein neues Grabmal für Dr. Erhard

Nicht besser erging es dem letzten Haus, dem Grab, des Ehrenbürgers. Nach dem 1914 von der Stadt verlorenen Prozeß mahnte einer der Erben und Kläger, der Bezirksarzt Dr. Schlier aus Lauf an der Pegnitz, mit Schreiben vom 4. Januar 1915 den Zustand des Ehrengrabs Dr. Erhard an und stellte 300 M der Erben in Aussicht, wenn die Stadt dieselbe Summe dazulege und die künftige Unterhaltslast übernehme.

Die Stadt lehnte dies am 15. Januar ab, obwohl sie rechtlich und moralisch ohnehin zuständig gewesen wäre, das Grab eines Ehrenbürgers zu erhalten. Der Kissinger Stadtbaumeister Hußlein stellte in einem Vermerk vom 17. März 1916 fest, daß das Erhard'sche Grab einen kreuzähnlichen Aufbau habe mit 2 gleichen Grabsteinen je Ehegatte. Er stellte erhebliche Verfallserscheinungen fest.



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